Streit um die Burg: "Da lachen wohl die Hühner!"

Kommentar der anderen | Nikolaus Bachler, 21. Oktober 2012, 18:42
  • Nikolaus Bachler (im Bild)  an Matthias Hartmann: "Wenn er schon nicht 'Danke' sagt (für all die  roten Teppiche), sollte er zumindest 
schweigen und daran denken, was er in Zürich angerichtet hat."
    foto: apa

    Nikolaus Bachler (im Bild) an Matthias Hartmann: "Wenn er schon nicht 'Danke' sagt (für all die roten Teppiche), sollte er zumindest schweigen und daran denken, was er in Zürich angerichtet hat."

Neues zum Thema Dichtung und Wahrheit in der Kontroverse zwischen dem derzeitigen Burgtheaterchef Matthias Hartmann und seinem Vorgänger. Erwiderung auf einen "Clown, der im Verborgenen heult"

Was ist passiert. Meine lapidare Bemerkung in einem "Kurier"-Interview, dass ich an Wiener Theatern eine gewisse Boulevardisierung und Risikolosigkeit feststelle, führte zu einem aggressiven Aufschrei in Wien, der offenbar mehr Wahrheitsgehalt vermuten lässt, als intendiert war. Um mit Botho Strauss zu sprechen: "Das greift aber mächtig in die Tiefenschichten."

Man wirft mir gar Profilierungssucht und Rache vor. Wofür? Der Burgtheaterdirektor meint, ich sei gekränkt, weil er mein Angebot, Oberspielleiter zu werden, seinerzeit nicht angenommen habe (DER STANDARD-Interview vom 13. 10.). Ich weiß nicht, wann und wo er das geträumt hat. Ich habe nie einen Oberspielleiter berufen. Man stelle sich vor: Meine Regisseure an der Burg waren damals Breth, Kusej, Kriegenburg, Zadek, Bondy, Grüber usw. Denen hätte ich einen Oberspielleiter Hartmann vorsetzen sollen? Da lachen wohl die sprichwörtlichen Hühner. Das wäre, wie wenn man in die Champions League einen Regionaltrainer aus Osnabrück holen würde. Ich habe Hartmann nie etwas angeboten, daher konnte er auch nichts ablehnen.

Aber als er Burgtheaterdirektor wurde, haben wir ihn in allem gewaltig unterstützt. Daher ist seine Bemerkung, er hätte mit Schwachstellen fertig werden müssen, besonders infam. Die gesamte neue Struktur einer modernen Burg am Ende der 1990er-Jahre ist von mir vollzogen worden. Alle Arbeitsverträge in Technik und Licht, die wichtigen Personalentscheidungen, mit denen Hartmann heute arbeiten kann, stammen von mir und meinem Team. Die gewaltigen Umbauten von Kassenhalle, Vestibül, Buchhandlung, die Bühnenmodernisierungen sind damals entstanden.

Und vor allem das Schauspielerensemble der heutigen Burg wurde zu 80 Prozent von mir und meinen Regisseuren engagiert und aufgebaut. Überdies hat meine Betriebsdirektorin Karin Bergmann im Übergang und in den ersten Jahren für Hartmann den Laden geschmissen. Er konnte sein gesamtes Repertoire mitbringen und vorbereiten. Alles war organisatorisch und finanziell gedeckt.

Wenn er schon nicht "Danke" sagt für all die roten Teppiche, so sollte er zumindest schweigen und daran denken, was er in Zürich angerichtet hat. Ein guter Grund, im "Verborgenen zu heulen".

Aber in Österreich lernt man die Kunst des Verdrängens offenbar schnell. Das alles liegt weit zurück, und der Vorhang ist längst gefallen. Hartmann hat allerdings in einem recht. Ich war längst nicht so bekannt außerhalb des Theaters. Ich habe Seitenblicke gemieden, war nie auf dem Opernball, hatte kaum Zeit für die Wiener Gesellschaft, denn ich war Tag und Nacht damit beschäftigt, mich um die Künstler und die Arbeit zu kümmern.

Attribute eines Intendanten

Es ist aber doch eine viel interessantere Frage, wie ein Haus geleitet wird. Was passiert im Inneren? Der eitle Jahrmarkt, den Wien so liebt, hat ja für die Arbeit überhaupt keine Bedeutung. Ich halte die Glaubensfrage, ob ein Schauspieler, ein Regisseur, ein Dirigent oder ein Impresario ein Haus leiten soll, für überflüssig. Das Einzige, was zählt, ist, ob der Kopf sich ganz in den Dienst des gesamten Hauses stellt, ob er künstlerische Vorgänge und Notwendigkeiten erspürt und ob der die im Haus Arbeitenden mehr meint als sich selbst. Authentisch, gelassen, souverän und liebevoll wären die Attribute, die ich als Berufsvoraussetzung für Intendanten stellen würde. Und je komplizierter die Zeiten werden, umso mehr Sachkenntnis und Erfahrung sind vonnöten.

In meinem, in unserem Land sind vor allem die darstellenden Künste ein scheinbar unhinterfragtes Gut. Das macht sie oft auch unbeweglich, starr und wenig kämpferisch. Hier kann man von den Deutschen lernen. Umgekehrt hat man oft erlebt, dass Deutsche sich wienerischer verhalten als Österreicher, weil sie das Operettenhafte so anziehend finden.

Natürlich leidet man unter den Zuständen, den Verwerfungen, den Widrigkeiten im eigenen Land mehr, auch wenn man nicht zu Hause ist, da man ja doch immer ein Teil dessen bleibt, wo man herkommt.

Aber ich kann alle beruhigen. Ich habe keine Sehnsucht nach irgendeinem österreichischen Amt. Die Welt ist weit und hat viel zu bieten. Vielleicht eröffne ich im Ruhestand einen Heurigen in Neuwaldegg. (Nikolaus Bachler, DER STANDARD, 22.10.2012)

Nikolaus Bachler, von 1996 bis 2008 Burgtheaterdirektor, ist Intendant der Staatsoper in München.

Nachlese

Interview mit Matthias Hartmann: "Ich bin ein Clown, der im Verborgenen heult"

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Der Streit dieser beiden wehleidigen Theaterdiven, ...

... ist genau so spannend, wie die Farbstatistik der in China umgefallenen Fahrräder!

Bezeichnend für den Ist-Zustand, wenn die größte Aufregung in Wiens Theaterlandschaft sich dem Aufeinanderprall der übergroßen Egos zweier Intentanten verdankt.

Im Übrigen würde ich dem Bachler zumindest zugestehen, im Vergleich zu Hartmann der zurückhaltendere, weniger öffentlichkeitsaffine Direktor gewesen zu sein.

klausi und hiasi - hörts sofort auf, uns zu nerven!

wo steckt denn IchbinIch5 ?

Danke, dass Sie an mich gedacht haben :-) Aber diese Eitelkeiten sind ja fast so uninteressant wie Herr Seidl und die Viennale. Dass das Burgtheater unter Hartmann boulevardisiert wurde, kann ja keiner bestreiten. Und der Rest - eigentlich Wurscht, so egal wie Wien theatertechnisch längst wurde.

die bachler ära war im vergleich zur peymann zeit fad und nichtssagend!wirtschaftlich sicher notwendig den aufgeblähten bundestheater betrieb zu reformieren.aber künstlerisch hielt sich die aufregung sehr in grenzen!
theater muß aufregen, ja nicht einschläfern!

Ende der 1990er Jahre war Peymann Direktor!

Lieber Klaus (Nikolaus?) Bachler!

Die Münchner Jahre mögen wohl so manches "vernebeln" - aber zur Erinnerung: Die Direktion Peymann endete (leider) mit der Spielzeit 1998/99.

Beim besten Willen und größtmöglicher Selbstüberschätzung - Ende der 1990er Jahre haben sie noch gar nichts am Burgtheater geschaffen/geändert/verbessert o.ä.

Da schmückt sich wohl wer (wieder einmal) mit fremden Federn.....

Überbordende Eitelkeit - und eine sehr persönliche Definition von Ehrlichkeit

Mit dem "Regionaltrainer" mag Bachler ja Recht haben - das gilt aber auch im Bereich "Eitelkeit" und "Scheinheiligkeit", wo Bachler im Vergleich zumindest Bundesligaformat aufweist.

Was bitte heißt "meine Regisseure"?!
Natürlich hatte Bachler mehr "big names" bei diesen als Peymann - weil der selber einer war und natürlich viel selbst inszeniert hat. Da Bachler das nicht kann, musste er engagieren.
Übrigens wären Breth, Bondy und Zadek nach Bachlers Logik bereits "Peymanns Regisseure" - da hatten sie nämlich ihre Burg-Premieren.

Und gerade die ersten Bachler-Jahre (er wurde übrigens erst 1999 und nicht 1996 Direktor) waren im großen Schnitt bemerkenswert konventionell und harmlos.

Hat der eigentlich zu wenig zu tun in München?

Sein verzweifelter Versuch

seine Tätigkeit in München aufzuwerten. Von wegen: 'In Deutschland wird Wien nicht wahr genommen'.- Abgesehen von all den deutschen Schauspielern und Regisseuren, welche sich nach Wien geradezu drängen (München hat lange nicht diesen 'Ansturm') kenne ich weit mehr Deutsche, welche ein 'Kulturwochenende' in Wien verbringen, als Österreicher die aus diesem Grund nach Deutschland reisen! Natürlich gibt es auch dort Interessantes, aber verteilt von Hildesheim bis Bochum, von Berlin bis München. Das ist in Österreich schon sehr viel konzentrierter zu haben.

Abgesehen von all den deutschen Schauspielern und Regisseuren, welche sich nach Wien geradezu drängen (München hat lange nicht diesen 'Ansturm')

dazu sage ich jetzt nur: kusej, minichmayr, ofczarek :-)

Kindisch

Der Pasterk-Protegé, der in Wien Festwochen-, Voksopern- und Burgtheaterdirektor war, ohne jede künstlerische Legitimation, nur Günstling der genannten "Dame", war in Berlin gerade einmal Betriebsbüroleiter des Schiller-Theaters, das mit ihm zugesperrt worden und bis heute geschlossen geblieben ist.

München war nie eine Kapitale, stets bloß eine sogenannte "Provinz-Hauptstadt", was die Bayern immer geärgert hat und auf Wien neidig blicken ließ. Die Feindschaft Wien-München (Bayern-Österreich) ist eine Geschichte über Jahrhunderte, heute ziemlich lächerlich und komisch, aber den Münchnern hat man gerade Berlin als Hauptstadt vor die Nase gesetzt.

Und diese Oktoberfest-mir-san-mir-Bierseligkeit bedient der Herr Nikolaus aus Fohnsdorf/Stmk.

Ja, genau. Sie solten sich mal in einen Flieger nach Berlin oder Hamburg setzen - weil dort kaum Österreicher zu sehen sind *g*

beleidigen Sie bitte Hartmann nicht.

Ich danke Herrn Bachler, dass er die Burg gut aufgestellt hat. Aber jetzt ist Hartmann dran. Und der ist weder risikoscheu, noch sind die Inszenierungen langweilig. Was die Allüren angeht, schlägt sowieso niemand den Paymann.

Peymann schreibt man mit "e", so viel Eindruck kann er also nicht hinterlassen haben. Und wo ist die Burg - man nehme ein bekanntes Stück, ein paar Publikumslieblinge und keine Idee - denn riskant?

Risiko ist zweischneidig

Unter Peymann waren z.B. Handkes Serie zugegeben riskant und auch ein Reinfall. Ist (nicht) OK so, aber er hat das Theater mit Kinderein in den Ruin getrieben.
Bachler hat ausser den griechischen Stücken wenig riskiert, aber die Finanzen in Ordnung gebracht.
Aber die Inszenierungen unter Hartmann finde ich besser und seiner Pflicht das Theater best wirtschaftlich zu betreiben kommt auch er nach.

selten so gut amüsiert

bei der morgenlektüre. was für ein eitler gockel.

und? wen interessiert das?

hat der standard nix anderes?

Mühsam

Interessant wie mühsam sich Clowns verteidigen....

Ich nehme zur Kenntnis, dass Herr Bachler einen Gastkommentar braucht, um zu betonen, dass er den Opernball nicht besucht hat und dass die anderen alle so eitel sind.

Hätte er sich darauf beschränkt, die Behauptungen über angebliche Schwachstellen seiner Arbeit zurückzuweisen, hätte das vollkommen ausgereicht.

Doch mit diesem beleidigten Ton stellt er sich auf eine Stufe mit der Person, von der er sich abgrenzen möchte.

Keine Clowns

Was der Hartmann de facto nicht ist: Ein Clown (wo er auch immer heulen mag), denn dafür ist er zu eitel. Und genau das verbindet ihn mit dem Nikolaus Bachler.

gott, ist der bachler eitel und beleidigt!

beim heurigen "zur beleidigten leberwurscht" sehen wir uns alle wieder!

doch, ich kann's verstehen: da hat man "seinerzeit" versucht, die uebernommene funktion nach bestem wissen und gewissen auszuueben und keine kosten und muehen und auch nicht den raubbau am persoenlichen leben gescheut, um das werkel, das man zu leiten hatte, voranzutreiben.

und was war der dank? - selbstverstaendliche hinnahme des guten und verletzende kritik an dingen, die oft nicht einmal aus eigenem unvermoegen nicht gelangen.

dann ist eins weg vom fenster - irgendwo anders auf der welt und hoert gar seltsames: die eigne leistung ist annektiert worden von nachfolgern und manchmal gar von einstigen gegnern, die sich mit stolz geschwellter brust oeffentlich feiern lassen.

so isses in wien, lieber klaus bachler - wer es weiss, ist klug.

primadonnen sind keine krähen,

sie hacken sich sehr wohl augen aus!

Nikoläuschen lesen

Wer (damals noch) Klaus Bachlers "Essay", gedacht als Einleitung, zu Dermutz' Burgtheaterbuch, gelesen hat weiss, dass dieser Ex-Kleindarsteller, ein aus dem Nichts hinaufgejubelte Pasterk-Protegé,
1) ein besonders egomanischer Narziss ist (pro Seite ist da etwa 40 x das Wörtchen "ich" zu lesen - den gesamten Essay hindurch)
und dass
2) sein übriger Wortschatz, seine Ausdruckskraft, sein Stil und sein, sagen wir vornehm "geistiger Überblick", sehr sehr eingeschränkt sind

Dass dieser Günstling Festwochenintendant, dann für Pasterk als Volksopernchef abgeschoben und von dort nach einer Schreckenszeit in die Burg weitergeschoben wurde, kennzeichnet die orientierungslose Kulturpolitik Pasterk/Klima und dessen Wr. Neustädter Figur Wittmann

Na ja, die "Schreckenszeit" an der Volksoper hat dem Haus mit Neuenfels' "Kandaules" und Freyers "Cenerentola" immerhin zwei Inszenierungen beschert, deren Niveau man heute vergeblich sucht ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.