Douglas soll mit Advent in Österreich wachsen

21. Oktober 2012, 18:33
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Bei Bedarf werde Advent weiteres Kapital bereitstellen, um größere Schritte zu gehen

Frankfurt am Main/Wien - Der Finanzinvestor Advent will den deutschen Handelskonzern Douglas nach der geplanten Übernahme auf Expansionskurs im Ausland schicken. Asien, die Türkei und Österreich seien interessante Märkte für die Firmengruppe, sagte Advent-Deutschland-Chef Ranjan Sen der "WirtschaftsWoche". "Advent würde das Management auf jeden Fall dabei unterstützen, entsprechende Versuche jenseits Europas zu starten", kündigte Sen an.

Bei Bedarf werde Advent weiteres Kapital bereitstellen, um größere Schritte zu gehen. Mit einem Plädoyer für den möglichen Verkauf einzelner Geschäftsbereiche nährte der Manager zudem Spekulationen, Douglas könne sich von seiner angeschlagenen Buchhandelskette Thalia trennen.

Advent will gemeinsam mit der Douglas-Gründerfamilie Kreke mindestens 75 Prozent der Konzernanteile übernehmen. Gut 50 Prozent haben sich die Partner bereits gesichert, darunter die Anteile der Familie Kreke und weiterer Großaktionäre. Advent und die Krekes wollen ihren künftigen Anteil in der neuen Gesellschaft "Beauty Holding Three" bündeln, an der der Finanzinvestor mit 80 Prozent und die Familie mit 20 Prozent beteiligt sind. Das Investmentvehikel bietet 38 Euro je Aktie, der Kurs des MDax-Wertes pendelt seither um 37,55 Euro.

Außerhalb Deutschlands

Die Handelsgruppe betreibt bereits mehr als 800 ihrer knapp 2.000 Filialen außerhalb Deutschlands. Im Ausland sind vor allem die Douglas-Parfümerien stark. Der Buchhändler Thalia und der Süßwarenanbieter Hussel beschränken sich auf die deutschsprachigen Staaten. Die Buchkette ist in Österreich mit 37 Filialen vertreten. Der Juwelier Christ und die Damenmodekette AppelrathCüpper sind bisher nur im Inland vertreten.

Douglas solle geballter als bisher in neue Märkte vordringen, zitierte das Magazin den Manager. Die Idee sei, möglichst mit 15 bis 20 Filialen in einem Markt zu wachsen. "Nehmen Sie das Beispiel Türkei: Gemeinsam mit dem Douglas-Management gehen wir davon aus, dass das Unternehmen hier in Zukunft eine deutlich höhere Schlagzahl bei der Expansion erreichen wird." In der Türkei gab es zuletzt 14 Douglas-Parfümerien. Die Juwelierkette Christ solle nun den Schritt nach Österreich wagen. "Der deutschsprachige Markt, vor allem Österreich, ist eine Option, die sich geradezu aufdrängt."

Einen Verkauf von Geschäftsbereichen hielt er sich offen. "Ein Erfolgsrezept der Douglas-Gründerfamilie Kreke war sicherlich ihre aktive Portfoliostrategie." Das Unternehmen habe immer Teile zugekauft und andere abgestoßen. Das sei "ein sehr vernünftiger Ansatz, den Advent weiter unterstützt".

Umbau und Neuausrichtung

Der Investor hat schon angekündigt, gemeinsam mit den Krekes Umbau und Neuausrichtung des Buchgeschäfts voranzutreiben. In Finanzkreisen gilt ein späterer Verkauf von Thalia als nicht ausgeschlossen. Die Kette leidet schwer unter der Konkurrenz von Internet-Buchhändlern wie Amazon. Nach Angaben von Konzernchef Henning Kreke schreitet die Thalia-Restrukturierung gut voran. "Die Ergebnisse liegen bereits jetzt über dem Plan", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

Advent plane eine langfristige Partnerschaft mit der Gründerfamilie. "Henning Kreke bleibt Vorstandsvorsitzender, die Familie zählt weiterhin zu den Anteilseignern und wird ihren Anteil im Rahmen des freiwilligen Übernahmeangebots sogar ausbauen", betonte Sen. Im kommenden Jahr könne ein Advent-Vertreter jedoch den Vorsitz des Douglas-Aufsichtsrates von Jörn Kreke - dem Vater des Vorstandschefs - übernehmen. Auch Henning Kreke betonte, die Zusammenarbeit mit Advent sei auf lange Sicht angelegt. Er rechne nicht damit, dass Advent ihn aus dem Vorstand dränge. "Nein, wir sind sehr zuversichtlich, einen verlässlichen Partner gefunden zu haben."

Ähnlich wie bereits Advent erklärte Kreke, Douglas wolle sich nicht von der Börse verabschieden. "Wir streben im Rahmen des freiwilligen Übernahmeangebots kein Delisting an." Der Konzern müsse künftig aber nicht mehr in Geschäftsquartalen denken und dabei bange Blicke auf den Aktienkurs werfen. (APA/Reuters, 21.10.2012)

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