Vermittler zwischen Berlin und Paris: Europachance für Faymann

Kommentar21. Oktober 2012, 18:15
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Faymann sollte (mit Maria Fekter) Französisch büffeln, es würde dem Land nützen

Vor dem EU-Gipfel in Brüssel gab es eine kleine Sensation. Staatspräsident François Hollande brach mit der Tradition seiner Vorgänger, die Interessen Frankreichs über alles andere zu stellen. Er nahm am Treffen der sozialdemokratischen Regierungschefs teil, wo das Vorgehen abgesprochen wurde, und kündigte an, dass er das in Zukunft immer tun werde. Teilnehmer berichten, Hollande höre nicht nur zu. Er führe sehr aktiv an. Diese Entwicklung wird noch für erhebliche politische Bewegung (wohl auch Irriationen) sorgen. Drei Aspekte sind wesentlich.

Erstens: Diese Art des Engagements von Hollande gibt den Sozialdemokraten EU-weit enormen Auftrieb. Sie fristeten gegenüber den Konservativen zuletzt ein Mauerblümchendasein. Kanzler Werner Faymann war vor einem Jahr für kurze Zeit der einzige rote Regierungschef im Rat.

Zweitens: Frankreichs Präsident ist nicht irgendwer. Wegen der politischen und historischen Rolle seines Landes, einer Atommacht, hat er enormen Einfluss. Seine ideologische Offensive wird automatisch zur Herausforderung für die (konservative) deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

Drittens: Daraus ergibt sich für Österreich eine konstruktive Vermittlerrolle. In Bezug auf den Euro steht ein Kanzler aus Wien eher Berlin nahe. Als SP-Chef kann Faymann naturgemäß gut mit Hollande. Und ein kleines EU-Land ist Anspielstation für viele andere. Faymann sollte (mit Maria Fekter) Französisch büffeln, es würde dem Land nützen. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 22.10.2012)

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