Länger einbrechen

Einserkastl21. Oktober 2012, 18:30
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So manch agile Zeitgenossen sind auch mit 70 Jahren noch nicht pensionsreif

Vergangene Woche war von einem 70-jährigen Pensionisten zu lesen, der jenen Parkplatz aufsuchte, auf dem die Stadt Wien abgeschleppte Fahrzeuge abladen lässt - dummerweise halt nachts und mithilfe eines Bolzenschneiders. Als er dabei ertappt wurde, versteckte er sich im Gebüsch. Bei der Einvernahme gab der Mann treuherzig an, "nur das Moped abholen" zu wollen, das ihm abgeschleppt worden sei.

Vordergründig mag die Episode bloß amüsant erscheinen. Wer seine Gedanken etwas wandern lässt, wird aber erkennen, dass sie ins Herz der Pensionsdebatte zielt. Gesetzt den Fall, der Mann erwiese sich als Bezieher einer Mindestpension: Das würde hoffentlich als Milderungsgrund geltend gemacht werden können. Schließlich können die 439 Euro, die samt Abschleppungsgebühr fällig wurden, so ein unwürdiges Minimalbudget ganz schnell in ein existenzgefährdendes Defizit verwandeln.

Ganz eindeutig aber ist der Täter ein agiler Zeitgenosse, der Initiative zeigt, effektiv mit Werkzeug umzugehen weiß und noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Menschen wie diese in die Pension zu schicken - wo sie am Ende auf dumme Gedanken kommen und ihre Fähigkeiten mit krimineller Energie aufladen - kann doch unmöglich im Interesse des Staates sein. In diesem Sinne: Statt einbrechen zu gehen, sollten Leistungsträger wie dieser bitte gar schön bis 70 und dar über hinaus zu hackeln haben! (Severin Corti, DER STANDARD, 22.10.2012)

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