Obamas Wiederwahl und das "weiße Amerika"

Kolumne | Gerfried Sperl, 21. Oktober 2012, 17:00

Zwanzig von hundert Amerikanern sind immer noch der Meinung, der Präsident sei ein Muslim

Als Barack Obama 2008 zum Präsidenten der USA gewählt wurde, durchbrach er eine Schallmauer. Zum ersten Mal stieß ein Afroamerikaner an die Spitze des nach wie vor mächtigsten Staats der Welt vor. Seine Wiederwahl hängt maßgeblich von wirtschaftlichen Faktoren ab, von außenpolitischen Entwicklungen und von der Permanenz-Debatte, ob der Staat auch für Soziales, Schulisches und Kulturelles verantwortlich sein soll oder nicht. Die von Obama zumindest teilweise durchgesetzte staatliche Krankenversicherung ist nur eines von mehreren Streitthemen.

Im Hintergrund aber spielen rassische und religiöse Fragen eine mitentscheidende Rolle. Denn sollte Obama gegen Mitt Romney verlieren, wäre für längere Zeit der Weg für nichtweiße Kandidaten verbaut. Hispanics beispielsweise sind auf der Ebene der Kongressabgeordneten oder der Bürgermeister im Vormarsch. Für sie ist Obama daher eine Art Pacemaker.

Zwanzig von hundert Amerikanern sind immer noch der Meinung, der Präsident sei ein Muslim. Das in Kombination mit afroamerikanisch ist eine Waffe weit rechts stehender Republikaner im Wahlkampf. Romney ist Mormone. Seine 13 Millionen Menschen umfassende Kirche hat erst 1978 durch eine "Offenbarung" das Verbot aufgehoben, dass auch Schwarze ein Priesteramt ausüben können - mit der Einschränkung freilich, es müsse sich um "treue und würdige Menschen" handeln.

Obama selbst streitet nicht ab, dass sein Vater, ein Kenianer, Muslim, später Anglikaner war. Seine Mutter, eine Weiße aus Kansas, machte sich aus Religionen nichts. Aufgewachsen ist er bei seinen (weißen) Großeltern in einem protestantisch-"evan gelikalen" Milieu. Daran erinnert seine später bewusst an schwarzen Predigern geschulte politische Rhetorik.

Obamas Vize Joe Biden kommt aus dem katho lischen Arbeitermilieu des amerikanischen Nordostens. Dort haben sich sozial orientierte Einstellungen gehalten, der "linke" italienische Katholizismus ist prägend. Ganz anders der Katholik Paul Ryan, Vizepräsidentschaftskandidat Romneys. Sein Vater stammt von irischen Einwanderern ab, seine Mutter von Migranten aus Bayern. Sie halten heute noch am Namen "Hutter" fest. Ryans Glaube ist eins mit Papst Benedikt XVI.

Während in Westeuropa religiöse Zuordnungen (fast) keine Rolle mehr spielen, sind sie in den USA fester Bestandteil politischer Entscheidungen. Weshalb auch zu wünschen wäre, dass in den TV- und Radiosendungen der Wahlnacht die religiösen Landkarten der Swing-States, der entscheidenden Teilstaaten, gezeigt und interpretiert werden.

Gewinnt Barack Obama seine zweite Präsidentenwahl, dann gewinnen die Träume schwarzer Leitfiguren wie Martin Luther King die Wirklichkeit. Verliert Obama, erleidet nicht nur das schwarze Amerika einen Rückschlag. Es wäre auch eine Niederlage für die Kultur des "anderen Amerikas", die sich auf die Showbühnen genagelt und in die Welt der Bücher verbannt fühlen würde.

Am 6. November fällt diese Richtungsentscheidung. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 22.10.2012)

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absurd

In den USA spielt die Religion eine Rolle und in Europe nicht? Eine Erklärung aus Absurdistan...selbst in dem Artikel hier wird von moslemischen Eltern des Präsidenten, katholischen Vize-Präsidenten und Mormomen als Präsidentschafts-Kandidaten geschrieben...wo in der Welt wäre das vorstellbar? Ein Aussenminister (Kissinger) mit Akzent? Ein schwarzafrikaner wird Präsident? Es gibt keine Demokratie in der Welt in der Minderheiten und Mehrheiten ähnlich gleiche Chancen haben wie in den USA...da hat Europe noch einen weiten Weg vor sich.

Deutschland?

Eine Frau Bundeskanzlerin! Ein Asiate Vizekanzler! Ein Schwuler Aussenminister! Ein Krueppel Finanzminister.

Ich sage ja nicht, dass mir das gefaellt, aber in Deutschland gibt es auch alles, was der Herrgott verboten hat in der Regierung.

recht

da haben sie auch wieder recht...

Es ist statistisch belegt, dass Hispanics/African Americans im Durchschnitt deutlich religiöser und auch konservativer als die europäisch-stämmige Bevölkerung sind.

Dass diese Gruppen dennoch überproportional oft die Demokraten wählen, legt nahe, dass sich die Demokraten erfolgreicher als minority-party positionieren und eine Art ethnische Identität - die in der Öffentlichkeit freilich Nicht-Europäern eher zugestanden wird - eine Rolle spielt.

PS: @Mister Magister
1970: Fast 90% "white", 2040: Unter 50% "white"
Der Glaube, dass es ohne Europäer dann keinen Rassismus mehr geben wird, ist jedoch absurd.

.

ein anderes (also besseres) amerika ist also eines in dem endlich afrikanischstaemmige praesident werden koennen. ein anderes (also besseres) frankreich waere dann vermutlich eines in dem endlich auch ein afrikanischstaemmiger praesident wird. ein anderes (besseres) europa waere eines in dem endlich der anteil afrikanischstaemmiger bei ueber fuenfzig prozent liegt, warum auch nicht, wir sind doch eh alle gleich. ein anderes (besseres) china waere dann wohl eines in dem endlich auch afrikanischstaemmige personen praesident werden koennen. ein anderes und besseres suedafrika ware dann wohl eines in dem endlich keine buren mehr leben. ein anderes und bessere ghana gibt es aber nicht, das ist naemlich schon jetzt anders und besser

sie demonstrieren gut, zu welchen schlussfolgerungen die mischung aus unwissenheit, leseschwäche und angst führen kann.
bei der wahl wird ihnen wieder ein drittel der österreicher zustimmen.

nur 2 kleine Fragen:

wo sind Sie dagegeng'rennt?
mit wieviel Anlauf sind Sie dagegeng'rennt?

joessas!
sie sind wohl einer, der im fruehen letzten jhdt steckengeblieben ist und glaubt, dass individuelle faehigkeiten etwas mit vonwoauchimmer-staemmig zu tun haben.

und wieder hats "peng" gemacht, ma türpfosten

"Die von Obama zumindest teilweise durchgesetzte staatliche Krankenversicherung..."

...versteht das in Europa wirklich keiner, oder tun alle bewusst als ob das unwesentlich waere.

Es gibt von Obama KEINE staatliche Krankenversicherung...waere in den USA NICHT moeglich.

Es gibt eine Versicherungspflicht (sich eine Versicherung zu suchen und zu versichern) wobei man Strafe zahlt wennn man es nicht macht (das Gesetz ueberlebte den obersten Gerichtshof NUR weil er diese Strafe als Strafsteuer angesehen hat und somit Verfassungskonform) und man staatliche Unterstuetzung fuer den Kauf einer Versicherung erhaelt, wenn man es sich nicht leisten kann.

Ich hoffe der Halfrican American Obama macht das Rennen. Die Konkurrenz scheint komplett irre zu sein.

Das Vokabular von Rush Limbaugh benutzen und für Obama sein - interessante Kombination...

Ist Obama ein Muslim? Nach islamischen Recht darf keiner vom Islam austreten und die Kinder sind sozusagen automatisch Muslime durch den Vater.

Aber mehr als seine Religion, egal ob evangelikal oder islamisch, stört mich ENORM sein zunehmender Größenwahn, seine Eitelkeit, seine unleugbare Islamistenunterstützung via Saudis (Waffenlieferungen an Islamisten, Anzetteln von islamistischen Aufständen in Nordafrika, Syrien usw.), Gefährdung des Weltfriedens (aggressive Politik gegen Iran, Syrien, Russland, China) und sein Bruch von Versprechen (z.B. Schließen von Guantanamo). Er hat auch die urspr. als nicht verfassungskonforme Sondergesetze gegen Terrorgefahr (erlassene Homeland-Gesetze widersprechen Menschenrechten) nicht aufgehoben.

Schön. Und nun bitte aufwachen und nicht mehr den Gutmensch spielen.

Zum Einen ist es seit Generationen eine beliebte Strategie, diejenigen zu unterstützen, die denselben Gegner bekämpfen. Das mag in einigen Fällen unerwartete Folgewirkungen haben, etwa Osama oder die Viet Cong, aber anscheinend nicht so oft dass die Methode unrentabel würde.

Zum Anderen wurde Obama mehrfach verraten: Von Russland, wo Putin mit eiserner Faust regiert; besonders schmerzhaft von den Europäern, die zwar damals Bush halfen (durch Entsendung von Truppen in einen zweifelhaften Krieg), sich aber weigerten, auch nur ein Guantanamo-Opfer aufzunehmen.

... zudem blockieren die Reps zahlreiche Vorhaben.

So, so dann möge sich Paul Ryan aus dem Romney-Team auch an die Sozial-Enzyklika des Vatikans halten!

Romneys größter Fehler ist die total falsche Wirtschaftspolitik (noch weniger Steuern, damit Reiche noch weniger Steuern bezahlen können - Streichung weiterer Sozialprogramme und staatliche Obliegenheiten (was noch? Polizei zusperren???) und gleichzeitig noch mehr Geld der Rüstungsindustrie zur Verfügung stellen (!!!) damit die USA ihre Stellung als Supermacht auf der Welt durchsetzen kann (!). Und dann gleich mit Iran aufräumen (Weltkrieg!) und China (Weltkrieg!) und alles, um Israel in den Hintern zu kriechen, um weiterhin Land von Palästinensern ungestraft okkupieren darf wie es will...

Da helfen dem Hedgefondmanager keine Gebete...

Tatsache ist: Religionszugehörigkeit und Rasse spielen immer weniger eine Rolle

Von WASP Dominanz (v.a. innerhalb der GOP) ist kaum mehr die Rede - bei den Republikanern ist der Kandidat Mormone, der Vize-Kandidat Katholik, Speaker Boehner detto, dessen Vize Cantor Jude, RNC Chef Priebus orthodox. Von den GOP Spitzen ist im Prinzip nur McConnell ein WASP.
Einer von den Demokraten am meistgehaßten Republikaner ist übrigens Lt.Col. West - Afroamerikaner. Zu den Zukunftshoffnungen zählen Bobby Jindal und Marco Rubio.
Sollte jetzt einige Zeit kein Afroamerikaner gewählt werden, dann liegt das eher am vorhandenen Personal - da sehe ich maximal Deval Patrick für 2016, aber das hat er mWn selbst ausgeschlossen.

witz des tages:

"Während in Westeuropa religiöse Zuordnungen (fast) keine Rolle mehr spielen"

Warum? stimmt doch!

Oder glauben sie irgendwer in Aut weiss was der Faymann für einer Kirche angehört bzw. ob er überhaupt einer Kriche angehört und gläubig ist-ich weiss es jedenfalls nicht.

Sie sollten vielleicht mal selber in die USA schauen für ein paar Monate dann wissen sie wovon hier geredet wird.

Diesen Gottes -jesuswahn hab ich in Europa noch überhaupt nirgends erlebt, kein politiker muss sich hier beweisen! und idiotische "Krichenvideos" mit der Familie herzeigen weil er sonst weg vom fenster ist.

Noch mein Vater beklagte sehr, dass er in der ÖVP solche Probleme hatte: Zwar galt er als guter Mitarbeiter, aber wegen dem evangelischem Glauben war klar: Der wird nie was werden.

wer in der ÖVP ist, ist ja bitte auch selber schuld!

/sign

ich will sehen wie große chancen ein praktizierender muslim bei uns auf den budnespräsidenten hätte...

wenn ein Jude 10-15 jahre lang Kanzler sein konnte...

naja noch haben uns die muselmanen nicht überholt

da sieht man was man alles mit Propaganda alles machen kann

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