"007 Legends": Eine "wahre Beleidigung" für James Bond

21. Oktober 2012, 17:00
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Kritiker verreißen das jüngste Videospielabenteuer des Doppel-Null-Agenten.

Die Hoffnung war groß: 15 Jahre nach "Goldeneye 007" für den Nintendo 64 versprach "007 Legends" zur Abwechslung ein erfrischend legendäres Videospielabenteuer des Geheimagenten James Bond zu werden. Und die Schöpfer versprachen viel: Herausgeber Activision und Entwickler Eurocom schnürten die aufregendsten Missionen von "Goldfinger" bis "Moonraker" samt aller Bösewichte und Bondgirls in ein fettes Fan-Paket zusammen und mischten noch eine Brise actionreiches "Call of Duty"-Gameplay und Schleicheinsätze bei. Vergangene Woche ist "007 Legends" für PS3 und Xbox 360 erschienen, die Kritiker haben die brisante Mischung nicht gut aufgenommen.

Anspruchsloses Agentenleben

Das Spiel beginnt mit einer Szene aus dem kommenden Film "Skyfall", in der Daniel Craig als 007 von einem Zug fällt und er sein Leben an sich vorüberziehen sieht. Sein Leben entspricht in dem Fall fünf Stunden Spielzeit, in der man fünf seiner größten Missionen basierend auf alten Bond-Klassikern durchlebt. "Das Problem ist dabei nicht das Konzept", schreibt Gameinformer. Das Problem sei, dass es als Videospiel nicht aufgeht. "Wenn alles fehlerfrei funktioniert, macht Bond nicht viel mehr als Wegweisern am Bildschirm zu folgen, die "Drücke das", "Erschieße den", "Hacke das" entgegenschreien. Ab und zu führt man Untersuchungen in Büros von Bösewichten durch und schleicht durch fürchterliche Stealth-Abschnitte, aber die meiste Zeit fühlt man sich wie in einer banalen Schießbude", so Gameinformer. "Jeder der präsentierten Bond-Widersacher erhält den gleichen misslungenen, auf Quicktime-Events basierten Endkampf. Man ist niemals in Gefahr, die meisten Endgegner treffen einen nicht ein Mal."

Aber auch die Atmosphäre werde der Serie nicht gerecht, kritisiert IGN. So würde Daniel Craig nicht nur in die Rollen aller alter Bond-Schauspieler gezwängt, man habe es sogar verabsäumt Craigs echte Stimme zu lizenzieren. Gleiches gelte für weitere Charaktere wie etwa Jinx. "Zuletzt sollte betont werden, dass die kostenlose Zusatzmission Skyfall (die erst zum Filmstart erscheint) nicht irgend ein Extra ist, sondern das eigentliche Ende der Kampagne. Spielt man die fünf Missionen durch, endet die letzte Mission Moonraker autmatisch im Abspann."

Eine Beleidigung ihrer Majestät

Der einzig vertröstende Aspekt sei der Mehrspielermodus und das auch nur deshalb, weil es eine Seltenheit geworden ist, per geteiltem Bildschirm zu viert vor einem Fernseher zocken zu können.

In Summe sei der Traum vom kompletten Bond-Spektakel nicht aufgegangen, resümiert Eurogamer. "Irgendwo tief drin bei Activision oder eher im Bond-Establishment scheint eine fundamentale Fehleinschätzung von Videospielen und dem Potenzial ihres Helden vorzuherrschen. Wie können die Bond-Verwerter die beste Filmneuauflage seit Jahrzehnten umsetzen und zugleich so rückschrittliche Spiele herausbringen?", fragt der Tester. "Zu Beginn, in den Tiefen Goldfingers Verstecks trifft man Pussy Galore. Sie fragt einen, wie man heißt und Bond antwortet schlichtweg: James Bond. Das war's. Mehr nicht. Von diesem Zeitpunkt an ist klar, dass 007 als Shooter zu vernachlässigen und als eigentliches James Bond-Spiel eine wahre Beleidigung ist." (zw, derStandard.at, 21.10.2012)

"007 Legends" ist für PS3 und Xbox 360 erschienen. Anfang November erscheint die PC-Version, im Dezember folgt die Fassung für Wii U.

  • "007 Legends" ist für PS3 und Xbox 360 erschienen.
    foto: activision

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