Von Wikipedia überrollt: Der Untergang des Duden-Verlags

Wie das Internet das Lexikon-Geschäft in die Knie zwang.

Von dem einst erfolgreichen Mannheimer Verlag Bibliographisches Institut (BI) wird nicht mehr allzu viel übrig bleiben, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Das Internet und allen voran Wikipedia haben die Lexikon-Branche in ihrer alten Form einer Belastungsprobe unterzogen, die nicht alle überstanden haben. Von den 190 Mitarbeitern stehen 140 vor der Kündigung, in Mannheim sollen noch etwa 20 vor Ort bleiben, ein paar andere könnten mit nach Berlin umziehen, wo die BI-Mutter Cornelsen die Aktivitäten bündeln will.

Duden lebt weiter

In Berlin wird dann auch die Rechtschreibfibel Duden weiterproduziert. Gewinne konnte das BI in den vergangenen Jahren nicht mehr erwirtschaften. Dabei war nicht der Duden das Problem, sondern die Tatsache, dass durch das Internet große Teile des Geschäfts weggebrochen sind. Vor allem das Weblexikon Wikipedia mit seiner nahezu unerschöpflichen Fülle an Informationen - auch zu den abseitigsten Themen - ließ immer mehr Menschen die Frage stellen: Warum soll ich mir für viel Geld ein mehrbändiges Lexikon kaufen, wenn ich Informationen mit ein paar Mausklicks im Internet bekommen kann - und zwar kostenlos?

Geschäft aufgegeben

Dabei hatte der Verlag sogar versucht, selbst Kapital aus dem Internet zu schlagen. 2008 wollte man eine Art Brockhaus-Online in Konkurrenz zu Wikipedia aufbauen, das über Werbung finanziert werden sollte. Aus dem ambitionierten Plan wurde nichts, Brockhaus wurde danach an den Bertelsmann-Konzern abgegeben und das BI gab das Lexikon-Geschäft auf.

Brockhaus lebt

Die Bertelsmann-Tochter Wissenmedia verkauft die 2005 von BI produzierte 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie weiter. 2015 oder 2016 soll eine neue Edition erscheinen. Es gebe immer noch genügend Leute, die sich so ein Werk in das Regel stellen wollten, ist der Verlag überzeugt. Es wird allerdings auch eine digitale Version geben. (red, derStandard.at, 21.10.2012)

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