Zu wenige Plätze, zu viele Kandidaten bei Grünen

21. Oktober 2012, 13:06
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Parteichefin Eva Glawischnig erhält 94 Prozent für Spitzenplatz auf Wiener Liste

Wien - Die Grünen schworen sich bei der Wiener Landesversammlung auf das Wahljahr 2013 ein. Als Zeichen dieser - gerade in Wien eher unüblichen - Einigkeit stärkten die rund vierhundert Delegierten ihrer Bundeschefin Eva Glawischnig mit einem überraschend hohen Wahlergebnis den Rücken: 94 Prozent wählten sie auf den ersten Platz der Wiener Landesliste. Insgesamt stimmten 345 Grüne ab, davon waren es 310 Ja-Stimmen, 19 Nein und 16 ungültig. Vor vier Jahren kam Glawischnig nur auf 75 Prozent.

"Das zeigt mir, dass es eine interne Übereinstimmung mit dem Kurs gibt", sagte sie und konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Besser als Werner Faymann mit seinen 83 Prozent." Sie habe sich noch nie so auf eine Wahl gefreut wie auf die im kommenden Jahr. "Wir haben die Chance, das politische System zu drehen." Viel Zustimmung erhielt auch Justizsprecher Albert Steinhauser mit 97 Prozent für den zweiten Platz. "Ich weiß, dass solche Ergebnisse Grüne eigentlich schrecken, aber seht es aus meiner Perspektive: Es ist schön zu sehen, dass ihr hinter mir steht", freute er sich nach der Wahl.

Kein Platz für Stoisits und Öllinger

Ab Platz drei ging es dann allerdings weniger freundschaftlich zu. Integrationssprecherin Alev Korun setzte sich in einer Stichwahl gegen Daniela Musiol und Terezija Stoisits durch. Noch mehr Kandidaten galt es bei den Plätzen vier bis acht zu schlagen. Kultursprecher Wolfgang Zinggl erhielt nur fünf Stimmen mehr als Sozialsprecher Karl Öllinger und wurde so auf Platz vier gereiht. Öllinger wurde zurückgereiht, nach weiteren Abstimmungen kam er auf Platz sechs.

Platz fünf ging an Daniela Musiol. Platz sieben dann an Birgit Meinhard-Schiebel, acht an Anwalt Georg Bürstmayr, den einzigen Quereinsteiger. Realistischerweise kommen aber nur die ersten sechs über die Landesliste rein. So muss es etwa Stoisits über die Bundesliste probieren. Insgesamt wird bei der Landesversammlung bis Platz 16 gewählt. 

Kogler: SPÖ und ÖVP "Stimme der Vertuschung"

Vor den Wahlen hielt der grüne Vizechef Werner Kogler eine Rede, in der er vor allem den Kampf um Transparenz und Aufklärung in den Vordergrund stellte. Er kritisierte SPÖ und ÖVP, die als "Stimme der Vertuschung" den U-Ausschuss abgedreht hätten. Kogler, der auf Platz eins die Liste in der Steiermark anführt, musste sich wie auch die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou keiner Abstimmung stellen. 

Vassilakou appellierte an die Delegierten, man müsse mit Mut, Hartnäckigkeit und Tatkraft in den Wahlkampf schreiten. Sonst drohe eine "Regierung der drei S: Spindelegger, Strache, Stronach - oder: Schwindler, Schurken, Steuerflüchtlinge". (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 21.10.2012)

  • Werner Kogler, stellvertretender Bundessprecher, bei seiner Rede im Studio44 am Wiener Rennweg.
    foto: standard/jungnikl

    Werner Kogler, stellvertretender Bundessprecher, bei seiner Rede im Studio44 am Wiener Rennweg.

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