Syrien: Autobombe explodiert in Damaskus

Mindestens zehn Menschen starben - Explosion auch in Aleppo - Sonderbeauftragter Brahimi trifft Assad

Damaskus - Während UNO-Vermittler Lakhdar Brahimi am Sonntag mit Syriens Präsident Bashar al-Assad über eine Waffenruhe verhandelte, erschütterten erneut blutige Anschläge das Land. In Damaskus starben mindestens zehn Menschen bei der Explosion einer Autobombe im Christenviertel Bab Touma. Auch in der Metropole Aleppo explodierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA eine Bombe, ohne Verletzte zu fordern.

Brahimi forderte nach dem Treffen mit Assad die kriegsführenden Partein auf, einen einseitigen Waffenstillstand auszurufen. "Ich rufe anlässlich von Eid al-Adha (dem muslimischen Opferfest, 26. - 28. Oktober, Anm.) alle dazu auf, eine einseitige Entscheidung zur Einstellung der Kämpfe zu treffen", sagte der algerische Diplomat. Der Waffenstillstand solle "heute oder morgen" beginnen.

Nach dem Opferfest wolle er mit seinem Team nach Syrien zurückkehren und - sollte während der Feiertag tatsächlich Ruhe eingekehrt sein - an einem "dauerhaften Waffenstillstand" arbeiten. Assad zeigte sich nach dem mittlerweile zweiten Treffen mit Brahimi seit dessen Amtsübernahme am 1. September, erneut zu einer "politischen Lösung" bereit. Eine "Einmischung aus dem Ausland" lehne er jedoch weiterhin kategorisch ab, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur SANA den syrischen Präsidenten.

Zehn Tote in Damaskus

In Damaskus explodierte unterdessen eine Autobombe vor dem Polizeihauptquartier im christlichen Altstadtviertel Bab Touma. Nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) wurden dabei zehn Menschen getötet, unter denen sich auch ein Polizist befinden soll, wie SANA berichtete. In syrischen Sicherheitskreisen war zuvor von sieben Toten die Rede gewesen, zahlreiche Menschen seien verletzt worden. Der Großteil der syrischen Christen unterstützt das Regime Assads.

SANA berichtete zudem von einer weiteren Bombenexplosion vor einem syrisch-französischen Krankenhaus. Verletzte habe es dabei keine gegeben.

Wie Anrainer berichteten beschoss die syrische Armee in der Nacht auf Sonntag erneut mehrere Stadtteile in Damaskus. Die Kämpfe seien am Sonntag fortgesetzt worden, auch in Aleppo sei es wieder zu Zusammenstößen gekommen, berichtete SOHR. Landesweit seien allein am Samstag 140 Menschen getötet worden.

Bereits am Samstag hatte Brahimi den syrischen Außenminister Walid al-Moualem sowie Vertretern des vom Regime geduldeten oppositionellen Nationalen Koordinationskomitees für Demokratischen Wandel getroffen. Die Regierung hat bisher zurückhaltend auf den Vorstoß des Beauftragten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga reagiert und verlangt Garantien, dass die Aufständischen Bewegungen der Armee dulden. Der bisher letzte Waffenstillstand war im April nach wenigen Tagen gescheitert. Brahimis Vorgänger Kofi Annan, der die damalige Feuerpause vermittelt hatte, trat kurz darauf zurück.

Die Feierlichkeiten zum islamischen Opferfest Eid al-Adha beginnen in Syrien am Freitag. Die Muslime erinnern an ihrem wichtigsten Feiertag mit rituellen Schlachtungen an die Bereitschaft Abrahams (arabisch: Ibrahim), seinen Sohn zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen. (APA/Reuters, 21.10.2012)

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