Warschau plant kostenlose künstliche Befruchtung

19. Oktober 2012, 19:16
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Tusk will Kostenerstattung notfalls per Verordnung einführen

Warschau - Polens Regierung will künstliche Befruchtungen künftig von Krankenversicherungen bezahlen lassen. Ministerpräsident Donald Tusk sagte am Freitag laut Kathpress im Nachrichtensender TVN24, falls das Parlament einen entsprechenden Gesetzentwurf weiter "blockiere", könne die Kostenerstattung auch per Verordnung eingeführt werden. Er werde darüber in den nächsten Tagen mit Gesundheitsminister Bartosz Arlukowicz beraten.

Tusk reagierte damit auf den landesweit einzigartigen Beschluss der südpolnischen Großstadt Czestochowa (Tschenstochau) vom Donnerstag, künstliche Befruchtungen aus der Gemeindekasse zu bezahlen. Trotz massiver Kritik der katholischen Kirche erstattet sie ab sofort verheirateten Paaren umgerechnet 730 Euro für die Behandlung. Ein Anspruch auf das Geld haben nur Frauen im Alter von 20 bis 37 Jahren. Laut einer Schätzung der Stadtverwaltung gibt es in Czestochowa rund 8.000 Ehepaare, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können.

Bisher ist künstliche Befruchtung in Polen nicht gesetzlich geregelt. Sie wird ohne Einschränkungen praktiziert, aber nicht aus öffentlichen Geldern bezahlt. Tusk hatte bereits 2008 ein Gesetz für die In-vitro-Fertilisation angekündigt. Die rechtsliberale Regierungspartei "Bürgerplattform" streitet allerdings noch über Auflagen für den Embryonenschutz. Die Parlamentsfraktion will nach Angaben eines Sprechers im November einen Gesetzentwurf vorlegen.

Die katholischen Bischöfe des Landes hatten mehrfach an das Parlament appelliert, künstliche Befruchtungen zu verbieten. Umfragen zufolge ist eine klare Mehrheit der Polen für eine Zulassung der künstlichen Befruchtung. Laut Schätzungen sind etwa 1,5 Prozent der jährlich in Polen geborenen Kinder sogenannten Retortenbabys. (APA, 19.10.2012)

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