Schweizer Projekt für neue ESA-Mission ausgewählt

21. Oktober 2012, 17:50

Satellit "CHEOPS" soll etwa 500 Sterne und ihre Planeten ins Visier nehmen

Bern/Wien - Ein Schweizer Weltraumprojekt unter der Leitung der Universität Bern hat den Zuschlag für die erste sogenannte "S-class"- Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA erhalten. Bereits ab 2017 soll ein Satellit namens "CHEOPS" Planeten außerhalb unseres Sonnensystems erforschen. Auch Österreich, Belgien, Großbritannien, Italien und Schweden sind an dem Projekt beteiligt. Kooperationen mit weiteren Ländern stehen noch offen

Mit den neuen "S-class"-Missionen will das Wissenschaftsprogramm der Europäischen Weltraumorganisation ESA innovative Forschende mit ausgeklügelten Ideen fördern. Es gehe darum, auch mit kleineren Missionen bedeutende Resultate zu liefern (das S in "S-class" steht für "small"). Vor diesem Hintergrund haben die Vertreter der 19 ESA-Mitgliedsländer das unter Schweizer Leitung stehende Weltraumprojekt "CHEOPS" ("CHaracterizing ExOPlanet Satellite") aus 26 Vorschlägen ausgewählt. 

Die Mission

"CHEOPS" ist ein kleiner Satellit, der rund 200 Kilogramm wiegt und ein Teleskop von 30 Zentimeter Durchmesser und eineinhalb Meter Länge trägt. Er soll in eine erdnahe Umlaufbahn geschossen werden, wo er in 800 Kilometer Höhe über der Tag-Nacht-Grenze kreisen wird. Von dort aus wird er über dreieinhalb Jahre etwa 500 helle Sterne beobachten und ihre Planeten charakterisieren.

Den ersten Exoplaneten entdeckten die Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf im Jahr 1995 um den Stern "51 Pegasi". Seither kamen immer kleinere und schwieriger zu entdeckende Planeten hinzu. "CHEOPS" wird die sogenannte Transitmethode anwenden: Sie vermisst präzise den Durchmesser von ausgewählten Exoplaneten. Damit lässt sich zusammen mit der Masse des Himmelskörpers die Dichte des Planeten bestimmen. Diese Dichte wiederum verrät, ob der Planet aus Stein, Eis oder Gas besteht und wie seine Atmosphäre beschaffen ist.

Die "CHEOPS"-Mission gilt als Meilenstein auf dem Weg der Erforschung von Exoplaneten, wie die Universität Bern schreibt. Vielleicht kommen die Forscher damit dem Fernziel näher, eines Tages einen Planeten zu entdecken, der erdähnliche Eigenschaften hat und auf welchem Leben denkbar wäre. (APA/red, derStandard.at, 21. 10. 2012)

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9 Postings
warum wird

CoRot und Kepler hier nicht erwähnt?

Weil das

keine S-class Missions sind (s=small).

Die Erforschung von Exoplaneten - ein Modetrend ?

Oder hat man erst jetzt die technischen Mittel ?

ja, hat man

die Leute machen wirklich erstaunliche Fortschritte bei den Beobachtungen. Dass noch nicht mehr erdähnliche Planeten gefunden worden sind, ist hauptsächlich eine Frage der Integrationszeit, weil die interessanten Planeten so klein sind, nah am Stern und lange Umlaufzeiten haben. Gib Kepler und Konsorten noch mehr Zeit, Daten zu sammeln, und die Anzahl der erdähnlichen Planeten wird rasant nach oben gehen. Zudem ist es wichtig, mehrere Missionen zu haben, um einen größeren Bereich abzudecken und auch, um dieselben Sterne mit verschiedenen Methoden zu untersuchen und die Daten zu korrelieren.

Warum an der Tag und Nacht Grenze?

Optimale Beobachtungsposition

Weil dort die optimale Beobachtungsposition für so ein Teleskop ist. Die Beobachtungsrichtung ist immer "nach Außen" d.h. von der Sonne weg ~+/- 90° nach oben und unten (Nord & Süd). Damit kann man im Laufe eines Jahres den gesamten Himmel abdecken. Außerdem können die Solarpanele so wie ganymed5 schon gesagt hat immer Richtung Sonne zeigen. Noch besser wäre natürlich eine Position am L3 Lagrange Punkt aber das wäre für diese Mission zu Teuer und zu Aufwendig.

Das "Sun-Synchrounous Polar Dawn-Dusk Low Earth Orbit"

hat ganz gute Eigenschaften.

Der Satellit hat immer Sonne auf den Solarpanelen.
Die Instrumente können permanent auf der Schattenseite betrieben werden UND - nicht zu vergessen - ein polares sonnensynchrones Orbit ermöglich ein Absuchen des gesamten Himmels unter den immer gleichen Bedingungen - keine Temperatur und Helligkeitschwankungen.

Meine Vermutung:

Ein Aufenthalt an der Nachtseite der Erde kommt nicht infrage, weil dann die Solarpanele nicht geladen werden können.
Ein Aufenthalt an der Tagseite der Erde ist ungünstig, weil dann das Teleskop hauptsächlich nur Richtung Sonne (schlechte Sichtbedingungen wegen Beugung der einfallenden Sonnenstrahlen an der Blende) geblickt werden kann. In der anderen Richtung blockiert die Erde weitere Blicke. Aber wie gesagt nur meine Vermutung.

Ein Aufenthalt auf nur einer Seite ist prinzipiell nicht möglich ;-)

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