Im Kübelwasser über Weltmeere segeln

  • Spanische Señores - mit langen Beinlingen und Halskrausen vom Schneider 
fit gemacht für die Eroberungsfeldzüge.
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    foto: alexi pelekanos / schauspielhaus

    Spanische Señores - mit langen Beinlingen und Halskrausen vom Schneider fit gemacht für die Eroberungsfeldzüge.

Schauspielhaus Wien: Paul Claudels "Der seidene Schuh" - Teil 2 der im 16. Jahrhundert angesiedelten "Spanischen Handlung"

Wien - Paul Claudels überlangen Religionsschinken Der seidene Schuh hat man am Wiener Schauspielhaus viergeteilt und als Serie präpariert. Teil zwei der im 16. Jahrhundert angesiedelten "Spanischen Handlung", bei der sich die auf Erden unerfüllt bleibende Liebe zwischen Doña Proëza und Don Rodrigo zunehmend aufs Jenseits konzentriert, hatte in einer Bearbeitung Jörg Albrechts am Donnerstag Premiere. So richtig funktioniert hat Wo du nicht bist aber nicht.

Die dramaturgische Überlegung, diesem Mammutstück mit jungen Dramatikern und Regisseuren Frischluft zuzufächeln, schien vielversprechend. Tag zwei nun lag bleiern über der Alsergrunder Sierra, für die die Schauspieler zwar sehr glaubwürdig Grillenzirpen imitierten, Claudels barocke Posse lässt sich indes nicht so einfach von anderen Texten unterminieren.

Jörg Albrecht hat die Rolle des heiligen Jakobus ausgebaut, jenes Apostels, der bei den spanischen Eroberungszügen als Schlachtenhelfer galt. Damit gab er dem zeitgenössischen Geschehen eine innere Stimme. Auch sein neues Vater unser am Ende dreht die mit spitzen Zungen geführten katholischen Reden in Richtung Jetztzeit. Regisseurin Mélanie Huber gelang es aber nicht, diese Kommentare zu Claudels saftigem Weltenstück gewinnbringend zu platzieren. Ein bisschen blieben die Schauspieler da mit ihren Monologen im Regen stehen. Genauer: unter einem blutroten Segel (Bühne: Daniela Kranz), mit dem von Madrid nach Mogador in Afrika gesegelt wird. Dort soll Doña Proëza, die außerehelich verliebte Gattin des ältlichen Don Pelayo, zur Buße das Gouvernement übernehmen.

Claudels Saga berichtet denn von einer Welt, deren Grenzen jene des Katholizismus sind und in der Edelleute sich via konfessionelle Pamphlete unterhalten. Alles Denken und Handeln gründet auf den Regeln der Religion, die man gern auch in Übersee installieren möchte.

Mit netten Spezialeffekten sticht das Ensemble in See, watschelt in Wassereimern und steht dann und wann vor seinen eigenen Schattenbildern, die sich rücklings auf dem goldenen Himmel aufspannen. Das sind die Momente, in denen tatsächlich Gedanken an Transzendenz aufkommen und in denen die schnippischen Dialoge ihre düstere Grundierung erhalten. Wie hermetisch Claudel wirklich ist, zeigt sich bei Teil drei am 1. November. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 20./21.10.2012)

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