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vergrößern 800x532Spanische Señores - mit langen Beinlingen und Halskrausen vom Schneider fit gemacht für die Eroberungsfeldzüge.
Wien - Paul Claudels überlangen Religionsschinken Der seidene Schuh hat man am Wiener Schauspielhaus viergeteilt und als Serie präpariert. Teil zwei der im 16. Jahrhundert angesiedelten "Spanischen Handlung", bei der sich die auf Erden unerfüllt bleibende Liebe zwischen Doña Proëza und Don Rodrigo zunehmend aufs Jenseits konzentriert, hatte in einer Bearbeitung Jörg Albrechts am Donnerstag Premiere. So richtig funktioniert hat Wo du nicht bist aber nicht.
Die dramaturgische Überlegung, diesem Mammutstück mit jungen Dramatikern und Regisseuren Frischluft zuzufächeln, schien vielversprechend. Tag zwei nun lag bleiern über der Alsergrunder Sierra, für die die Schauspieler zwar sehr glaubwürdig Grillenzirpen imitierten, Claudels barocke Posse lässt sich indes nicht so einfach von anderen Texten unterminieren.
Jörg Albrecht hat die Rolle des heiligen Jakobus ausgebaut, jenes Apostels, der bei den spanischen Eroberungszügen als Schlachtenhelfer galt. Damit gab er dem zeitgenössischen Geschehen eine innere Stimme. Auch sein neues Vater unser am Ende dreht die mit spitzen Zungen geführten katholischen Reden in Richtung Jetztzeit. Regisseurin Mélanie Huber gelang es aber nicht, diese Kommentare zu Claudels saftigem Weltenstück gewinnbringend zu platzieren. Ein bisschen blieben die Schauspieler da mit ihren Monologen im Regen stehen. Genauer: unter einem blutroten Segel (Bühne: Daniela Kranz), mit dem von Madrid nach Mogador in Afrika gesegelt wird. Dort soll Doña Proëza, die außerehelich verliebte Gattin des ältlichen Don Pelayo, zur Buße das Gouvernement übernehmen.
Claudels Saga berichtet denn von einer Welt, deren Grenzen jene des Katholizismus sind und in der Edelleute sich via konfessionelle Pamphlete unterhalten. Alles Denken und Handeln gründet auf den Regeln der Religion, die man gern auch in Übersee installieren möchte.
Mit netten Spezialeffekten sticht das Ensemble in See, watschelt in
Wassereimern und steht dann und wann vor seinen eigenen Schattenbildern, die
sich rücklings auf dem goldenen Himmel aufspannen. Das sind die Momente, in
denen tatsächlich Gedanken an Transzendenz aufkommen und in denen die
schnippischen Dialoge ihre düstere Grundierung erhalten. Wie hermetisch Claudel
wirklich ist, zeigt sich bei Teil drei am 1. November. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 20./21.10.2012)
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naja. wenn man ein wenig hineinhört (oder sogar interviews führen möchte, wäre das auch für kulturredakteure eine option?) dann erfährt man zwischen den zeilen, dass das versagen hier weniger bei der regisseurin liegt, die eher zwangsläufig zum handkuss kam, sondern bei einer führungsverweigernden intendanz, die den karren gegen die wand fährt, um drüber zu inszenieren, wenn es schon zu spät ist. scheint eine wiener spezialität geworden zu sein. (und warum diese uninspirierte, dem chaos nur zuträgliche bühne ein ums andere mal erwähnt wird, bleibt ein rätsel.)
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