Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 800x532Grandioses Finale: Christian Nickel (Lord Windermere), Andrea Jonasson im Marlene-Dietrich-Outfit (Mrs. Erlynne) und Pauline Knof (Lady Windermere) in Oscar Wildes "Fächer".
Und sie verhilft der soliden Inszenierung von "Lady Windermeres Fächer" in der Josefstadt zu einem fulminanten letzten Akt.
Wien - Vor knapp einem Jahr hatte im Akademietheater Ein idealer Mann Premiere. Nun zog das Theater in der Josefstadt mit Lady Windermeres Fächer nach. Die beiden Komödien von Oscar Wilde sind, was Inhalt und Aufbau betrifft, nicht unähnlich. Man befindet sich in der besseren Gesellschaft Londons, stößt auf Menschen mit dunkler Vergangenheit, es geht um Liebe und Intrige, um hohe moralische Prinzipien, Ideale eben, und niedrige Instinkte.
Der ideale Gatte ließ sich, wie Elfriede Jelinek mit ihrer Version bewies, glänzend mit der gegenwärtigen Korruption in Österreich verknüpfen. Auch in Lady Windermeres Fächer gibt es ein paar treffende Sätze, die zeitgenössischer nicht sein könnten, etwa wenn es gleich zu Beginn heißt: "Die Menschen von heute scheinen das Leben als eine Spekulation anzusehen." Der Komödie fehlt aber die politische Dimension. Zudem sind die Zeiten, in denen ein Fächer als verräterisches Accessoire dienen konnte, passé. Eine Verortung in der Gegenwart geht sich beim besten Willen nicht aus.
Regisseur Janusz Kica und Bühnenbildnerin Karin Fritz verlegten die Handlung dennoch - von der viktorianischen Zeit in die 1920er-Jahre, als die Moderne so richtig begann. Auf Plüsch und Zierrat wird konsequent verzichtet; als Metapher für die brüchig gewordene Moral ist die Rückwand der puristisch gestalteten Guckkastenbühne voll Krakelüren: wie gediegenes Porzellan, deren Glasur zahllose Risse bekommen hat.
Wagnisse ging Kica allerdings keine ein. Er setzt lediglich auf Rasanz: Er peitscht die Schauspieler an die Rampe - und lässt sie nach ihren Minidialogen sofort wieder abtreten. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, und manchmal, etwa während des mit Coverversionen von Bryan Ferry untermalten Hausballs, zu dem die Lady einlädt, gibt es zu viel der Unruhe. Zudem lässt Kica ohne Pause durchspielen. Das hingegen tut dem Abend gut. Denn dieser vermag sich von Akt zu Akt zu steigern - mit der zunehmenden Verweildauer von Andrea Jonasson.
Auch wenn schon in den ersten Minuten der Aphorismusklassiker "Ich kann allem widerstehen, außer der Versuchung" fällt: Pauline Knof als Lady Windermere und Martin Niedermair als ihr Verehrer mühen sich unbeholfen ab. Auch Christian Nickel fügt sich ein: Sein Lord Windermere ist nichts als ein idealer Gatte - ohne Fehl, ohne Tadel, ohne Sex.
So dürfen die Nebenrollen glänzen. Sona MacDonald spritzt als exaltierte Herzogin von Berwick mit zusammengekniffenen Augen Gift; Alexander Waechter serviert als Mr. Dumby jeden Satz knochentrocken. Gideon Singer ist als Butler wieder einmal die treue Seele. Und der leicht dümmliche Lord Augustus Lorton des André Pohl erlebt seinen herzerfrischenden letzten Liebesfrühling.
Andrea Jonasson aber, gekleidet wie die Dietrich, spielt sie alle an die Wand: Nicht nur die Männer auf der Bühne verfallen ihr. Selbstbewusst setzt sie sich über gesellschaftliche Konventionen hinweg - und zum Schluss brechen zarte (Mutter-)Gefühle aus ihr heraus. So nebenbei animiert sie im vierten Akt auch Knof und Nickel zur Profilierung. Bravo. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 20./21.10.2012)
Nächste Termine: 20. und 21.10.; 1., 2., 19., 22., 23., 24. und 26.11.
Peter Turrini gibt den Menschen, die um ihre Existenz kämpfen, eine Plattform. In "Aus Liebe" dürfen sie ihre Wut und ihre Ängste artikulieren.
Intendant verließ Sitzung erleichtert - Kuratorium tagt weiter
Richard Wagners "Walküre" an der Wiener Staatsoper mit Simon O'Neill, Camilla Nylund und Nina Stemme
Wiener Festwochen: Simon Stones "The Wild Duck"
Pfiffig: "Der Revisor" von Nikolai Gogol ist in einer Neuübersetzung an den Kammerspielen in Linz zu sehen
"Wagnerdämmerung": Den 200. Geburtstag Wagners würdigen der Dramatiker Joshua Sobol und der Theatermacher Paulus Manker mit einem spektakulären Simultantheater
Wagners "Rheingold" an der Wiener Staatsoper. Franz Welser-Möst ließ ebenso prägnant wie packend musizieren
Kaufmännischer Geschäftsführer des Linzer Landestheaters wechselt im September nach Wien - Holding-Chef Springer: "Wir haben niemanden abgeworben"
Wojtek Klemms Interpretation von Sartres "Die schmutzigen Hände" enttäuscht in Graz als unentschlossener Abend mit Längen
Bizets "Carmen" an der Wiener Staatsoper mit Mezzostar Elina Garanca
Der Gewinner des Retzhofer Dramapreises Ferdinand Schmalz im Gespräch mit seinem Vorgänger, Ewald Palmetshofer
Zweiter Tag von Wagners "Ring" an der Staatsoper
Das Stück von Autorin und Regisseurin Isabella Feimer bleibt unausgegoren
Hüller für Leistung in Jelinek-Stück mit 10.000 Euro geehrt - Häusermann als beste Nachwuchsdarstellerin
TBA21 im Wiener Augarten: An Kaler zeigt Teil zwei von "On Orientations"
Nicht nur von Pappe: Der Burgtheater-Spielplan 2013/14
Vitalspritze für Kleists "Michael Kohlhaas" im Rahmen der Jungen Burg im Vestibül
Johan Simons verzichtet auf Vertragsverlängerung
Als Plädoyer für die Kraft der Umwälzung hat Dimiter Gotscheff Heiner Müllers Stück inszeniert
Performancefestival zeigt überwiegend Österreich-Premieren
Diktatur des Fitnesswahns: Juli Zehs "Corpus Delicti" im Theater Drachengasse
Uraufführung von Julya Rabinowichs Asylwerberdrama "Tagfinsternis" durch Filmregisseur Markus Schleinzer
Der schottische Choreograf Michael Clark gastiert mit seinem glamourösen Ballett in St. Pölten: Einmalig im Festspielhaus!
Das Volkstheater in den Bezirken bringt "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" an einem Abend
In Anne Leppers Stück "Seymour" arbeiten dicke Kinder gegen ihre Körper
plötzlich auf, welch mediokres, schauspielerisch wie sprachlich irrelevantes Darstellerpersonal sonst ständig die deutschsprachigen Bühnen bevölkert. Was daran schuld ist, weiß ich nicht, aber für die Zukunft schwant mir nichts Gutes.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.