Irans Allianz mit Syrien: Nibelungentreue

Kommentar19. Oktober 2012, 18:17
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Wenn die Iraner noch vom Assad-Regime abspringen wollen, bleibt ihnen nicht mehr viel Zeit; denn zu retten ist es nicht

Noch ist es zu früh, Schlüsse daraus zu ziehen, aber es gibt Hinweise darauf, dass inneriranisch die offizielle Linie zu Syrien zumindest nicht mehr unumstritten ist. Für die einen sind die Assads fest auf der Achse des Widerstands verankert, die es unter allen Umständen zu halten gilt. „Die Iraner kämpfen in Syrien bis zum letzten Alawiten", lautet ein Spruch. Bei anderen im Iran regt sich jedoch Grauen angesichts des Schlachtens.

Auf der iranischen Website Baztab wird sogar darauf hingewiesen, dass die Opferzahl in Syrien jene von Palästinensern, die von Israel getötet wurden, übersteigt. Auch Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad spricht vom „inakzeptablen Morden unschuldiger unbewaffneter Syrer". Und nach dem überraschenden Treffen mit dem türkischen Premier Tayyip Erdogan - im Syrien-Konflikt auf der diametral anderen Seite - tritt er für eine Waffenruhe ein.

Ob das eine Absetzbewegung Teherans von Assad bedeutet, ist trotzdem fraglich: Ahmadi-Nejad, der im iranischen politischen Establishment fast so unbeliebt ist wie im Westen, weicht gerne einmal von der Linie ab und will sich für die Zeit nach seiner Präsidentschaft profilieren.

Aber er hat recht damit, dass Teheran mehr verlieren könnte als nur strategische Vorteile in der Levante, wenn Assad stürzt, während die Iraner in ungebrochener Nibelungentreue zu ihm halten. Wenn sie noch abspringen wollen, bleibt ihnen nicht mehr viel Zeit; denn zu retten ist er nicht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 20.10.2012)

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