Abu Khattala wird gesucht und lässt sich finden

20. Oktober 2012, 08:31
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Mutmaßlicher Anführer der Attacke auf US-Konsulat in Bengasi dementiert Schuld

Tripolis - Laut US-Medien wird der Mörder von Botschafter Chris Stevens, der am 11. September im brennenden US-Konsulat in Bengasi erstickte, von den libyschen Behörden gesucht und nicht gefunden - laut Nachrichtenagentur Reuters beteuert der nämliche Ahmed Abu Khattala, dass er ganz normal seinen Geschäften nachgehe und sich keineswegs verstecke. Abu Khattala gab Reuters ein Interview in einem Hotel in Bengasi: Er sei zwar vor dem Konsulat gewesen, als dieses gestürmt wurde, aber er habe nicht, wie behauptet wurde, die Miliz Ansar al-Sharia beim Angriff angeführt.

Längst ist der Fall in den USA Wahlkampfthema geworden. Die Republikaner werfen Barack Obama vor, die terroristische Bedrohung in Libyen herunterzuspielen, um das eigene Sicherheitsversagen in Bengasi zu verschleiern.

Tatsächlich ist es erstaunlich, dass die USA beim Schutz ihres Botschafters auf libysche Security vertrauten. Das ist nur damit zu erklären, dass die USA unter Obama in Libyen eben nicht als Sieger auftrumpfen wollten, wie es die Bush-Regierung im Irak tat. Der US-Beitrag zur Nato-Operation war so unverzichtbar wie "low key". Andererseits dürfte auch Blauäugigkeit im Spiel gewesen sein, die Eingeweihte sogar Stevens selbst zuschreiben.

Für die USA gestalteten sich die Ermittlungen aus Sicherheitsgründen sehr schwierig. Obwohl die Libyer bei der Suche nach den Schuldigen klar überfordert sind, ist ein militärisches Eingreifen, das in Washington überlegt wurde, eine heikle Sache, die sich als kontraproduktiv erweisen könnte.

Abu Khattala saß bis 2011 im berüchtigten Gefängnis Abu Salim, er gehört zu jenen Islamisten, die Gaddafi zu Beginn des Aufstands freiließ, in der Hoffnung, die Lage zu beruhigen. Er gründete die "Abu Obeida Ibn al-Jarrah"-Milizen (nach einem islamischen Feldherrn), die für die Ermordung von General Abdul Fattah Younis, Gaddafis abgesprungenen Innenminister, während des Kriegs verantwortlich gemacht wurde. Die Miliz dürfte in den Ansar al-Sharia aufgegangen sein. (guha/DER STANDARD, 20.10.2012)

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