Streit um die Wehrpflicht: Unter Schlachtenbildern

Kommentar19. Oktober 2012, 18:26
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Die SPÖ-Spitze änderte im Vorjahr ihren Kurs - Darabos wendete sich mit, Entacher nicht

Die Ruhmeshalle des Heeresgeschichtlichen Museums hat ihren eigenen Reiz: Unter den die kriegerische Wirklichkeit stark idealisierenden Schlachtenbildern von Karl von Blaas lässt sich trefflich Kampfesstimmung verbreiten. General Edmund Entacher nutzte seinen Jahresempfang in jener Halle, um dem Verteidigungsminister zu versichern, dass er ihm als Gegner erhalten bleiben wird. Der General geht nicht den bequemen Weg in die Frühpension, in die er sich wohl schon ver abschiedet hätte, hätte Verteidigungsminister Norbert Darabos nicht gar so sehr in diese Richtung gedrängt.

Dabei hatten Darabos und Entacher ursprünglich viel gemeinsam: Beide sind überzeugte Sozialdemokraten, beide waren lange überzeugte Gegner eines Berufsheeres. Der Minister hat gerade bei dieser Frage Entacher als Unterstützer gebraucht - und ihn deshalb zum Generalstabschef gemacht. Allerdings änderte die SPÖ-Spitze im Vorjahr ihren Kurs - Darabos wendete sich mit, Entacher nicht.

Seither wird der rote General von schwarzen Politikern hofiert und von linken Gegnern eines Berufsheeres als Verkörperung von Prinzipientreue gelobt.

Nun ist es unbestritten verdienstvoll, wenn ein Beamter Rückgrat beweist. Aber die Diskussion darüber darf nicht von der Diskussion um die Sache selbst ablenken. Die ist nämlich nicht einmal innerhalb der SPÖ zu Ende geführt worden, geschweige denn in der Bevölkerung. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 20./21.10.2012)

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