"Nachhaltig? Was ist nachhaltig?"

Interview |
  • Schröcksnadel: "Ich treffe Entscheidungen nie alleine. Wer die besten Argumente hat, 
gewinnt. Ab und zu bin das auch ich."
    foto: apa/hochmuth

    Schröcksnadel: "Ich treffe Entscheidungen nie alleine. Wer die besten Argumente hat, gewinnt. Ab und zu bin das auch ich."

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel spricht über Sölden, das Verbandsbudget, die alpine WM in Schladming

Standard: Nächstes Wochenende geht's los mit dem Weltcup. Das US-Team wird von Sölden gesponsert. Sind Sie noch immer empört?

Schröcksnadel: Nein, denn wenn man jetzt nach Sölden fährt, sieht man Plakate und Einladungen mit österreichischen Rennfahrern. Wir werden ordentlich willkommen geheißen. Im Vorjahr war ja der Bode Miller auf den Plakaten.

Standard: Dann ist es okay, wenn Sölden das US-Team sponsert?

Schröcksnadel: Freude habe ich damit keine. Das Geld ist knapp, uns wäre es natürlich lieber, wir würden das Geld kriegen.

Standard: Für Sölden, für den ÖSV, für Österreich geht es schon darum, die Botschaft vom Skisport hinaus in die Welt zu tragen.

Schröcksnadel: Die wird aber nicht dadurch hinausgetragen, dass die Amerikaner ein Pickerl am Pullover tragen, sondern dadurch, dass die Österreicher gut fahren. Wir haben den touristischen Erfolg, weil wir die Skikompetenz nach Österreich geholt haben, weil wir gewinnen. Österreich ist gefragt, weil man immer dorthin geht, wo die Sieger herkommen.

Standard: Ist das ÖSV-Budget in der Saison der Heim-WM höher als je zuvor?

Schröcksnadel: Wir haben jedes Jahr eine kleine Steigerung. Mit dem WM-Umsatz ist es natürlich viel größer.

Standard: Wir hoch ist das Verbandsbudget?

Schröcksnadel: 42 Millionen Euro. 1990, als ich begonnen habe, waren es 38 Millionen Schilling.

Standard: Gibt es wieder eine präsidiale Medaillenvorgabe?

Schröcksnadel: Sechs bis acht Medaillen, das ist seit 20 Jahren so.

Standard: Sie könnten ja einmal erhöhen?

Schröcksnadel: Eine Heim-WM ist das Schwierigste. Der Druck auf der Mannschaft ist immer höher. Im eigenen Land wird mehr geschrieben, mehr gefragt, die Leute werden mehr belastet.

Standard: Bei Olympia in Vancouver haben die Herren gar keine Medaille gemacht. Ist das auch in Schladming vorstellbar?

Schröcksnadel: Das kann immer passieren. Die Leute sollen aber nicht mit Glück gewinnen können, sondern das Potenzial haben. Das haben wir locker. Machen wir keine Medaille, ist das Pech.

Standard: In Schladming ist viel von Nachhaltigkeit die Rede.

Schröcksnadel: Von dem Wort halte ich gar nichts. Nachhaltig? Was ist nachhaltig? Wenn ich eine Fliege erschlage, dann ist sie nachhaltig tot. Ich will lieber etwas machen, das für die Zukunft einen positiven Effekt erzielt.

Standard: Und der Umweltgedanke, der hinter dem Wort steckt?

Schröcksnadel: Das hat ja mit dem Wort nachhaltig nichts zu tun. Ich muss schauen, dass ich eine saubere und umweltfreundliche WM veranstalte.

Standard: Wird das in Schladming gelingen?

Schröcksnadel: Wir haben das Ziel, die beste WM zu machen, die es bis jetzt gegeben hat. Das betrifft den Sport, die Organisation, die Umwelt, den Verkehr. Ob es gelingt, werden wir sehen. Auch das Wetter muss funktionieren.

Standard: Zurück zur ungeliebten Nachhaltigkeit. Der vieldiskutierte Loop, der architektonische Bogen, der den Tribünen im Weg ist, war nicht nachhaltig.

Schröcksnadel: Jetzt wird er bald nachhaltig weg sein. Das ist eigentlich kein großes Thema. Das ist ja nur hochgespielt worden.

Standard: Und weil es hochgespielt worden ist, wollen wir darüber reden.

Schröcksnadel: Wenn 290 Millionen Euro in Bauvorhaben für die WM investiert werden, und der einzige Fehler ist ein Loop, der 117.000 Euro kostet, dann halten sich die Fehler in Grenzen. Wenn ich das mit Skylink vergleiche, dann ist das super abgewickelt worden. 260 Millionen Steuergeld fließen in die Infrastruktur.

Standard: Was kostet die Veranstaltung selbst?

Schröcksnadel: 40 Millionen Euro.

Standard: Wird die WM für den ÖSV ein Geschäft?

Schröcksnadel: Wir hoffen, dass wir für den Sport etwas verdienen. Aber ein Geschäft ist immer ein Risiko. Es können Bewerbe ausfallen, dann haben wir weniger Zuschauer und weniger Einnahmen.

Standard: Wie viel Geld bringen die TV-Rechte.

Schröcksnadel: Die Rechte hat die Fis und verkauft sie an die EBU. Wir bekommen 32 Millionen Euro. Wir haben keine Werberechte, keine Merchandisingrechte. Das Geld von unseren Werbepartnern bekommt die EBU.

Standard: Die "Kleine Zeitung" ist die WM-Zeitung, die "Kronen Zeitung" die Team-Zeitung. Kann das zu Problemen führen?

Schröcksnadel: Probleme gibt's immer. Wir werden alle gleich mit Information versorgen. Ich habe das im Vorfeld alles geklärt. Natürlich gibt's eine lokale Zeitung, die Kleine, und die Krone ist unser Partner seit vielen Jahren. Wir haben das unter einen Hut gebracht.

Standard: Sie haben das also unter einen Hut gebracht. Steckt in Ihnen ein kleiner Diktator? Manche bezeichnen Sie als Napoleon des Skisports.

Schröcksnadel: Den Napoleon haben sie in die Verbannung geschickt. Solche Dinge kann man nicht diktatorisch lösen. Da fallen dann irgendwann böse Worte. Wir haben ein super Team. Wenn eine Entscheidung da ist, setze ich sie beinhart durch. Aber ich treffe die Entscheidungen nie alleine. Wer die besten Argumente hat, gewinnt. Ab und zu bin das auch ich.

Standard: Sind die Skispringer gleich wichtig wie die Skifahrer?

Schröcksnadel: Klar. Beim Sprungsport gefällt mir nur die Windregel nicht. Sport muss leicht verständlich sein. Wenn nicht der gewinnt, der am weitesten springt, kapiert das keiner.

Standard: Im Langlauf schaut's nicht gut aus. Es gibt nicht einmal ein Damenteam im Weltcup.

Schröcksnadel: Wir haben das total zurückgedreht nach Turin 2006. Ich hab mich nicht mehr einsetzen wollen für etwas, für das sie dich dauernd hauen. Jetzt bin ich erster Klasse wegen erwiesener Unschuld freigesprochen worden. Jetzt werden wir schauen, ob wir mit reellen Mitteln, andere hab ich nie vertreten, weiterkommen. Drei bis vier Jahre wird es dauern. (David Krutzler und Benno Zelsacher, DER STANDARD, 20./21.10. 2012)

PETER SCHRÖCKSNADEL (71) ist seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbandes. Der Tiroler besitzt die Skitour Management GmbH, die zahlreiche Skigebiete ihr Eigen nennt, und ist Mehrheitseigentümer der börsennotierten Feratel Media Technologies AG. 1992 erhielt er den Professorentitel, 2011 das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 70
1 2
@red

nicht "Skitour Management GmbH" sondern "Sitour Management GmbH"

ich bin sicher, schladming und seine umgebung, die steiermark, die nachfolgenden generationen profitieren ganz super viel von diesem ereignis. Außer nachhaltig schulden rückzahlen und einer ruinierten umwelt, wenn die schneekanonen das einmal nimmer derblasen, wird nämlich nicht viel bleiben.

schreckschwartel

kann eben nur nachhaltig abcashen. alles andere zählt nicht für ihn.

wenn man

gewinnt, ist es Können, wenn man verliert, Pech?
Ahja..

schrecklich, was in diesem land

millionen scheffelt auf kosten von natürlichen ressourcen, auf kosten aller.

auf solche typen wie diesen stehen sie anscheinend, die alpinos.

Und dann zwängt man sich

bei Großereignissen in die Sportleranzüge und schreitet den Aktiven voran, als wenn der Applaus der Menge ihnen gelte. Funktionäre gehören in den Hintergrund, keiner interessiert sich für sie!

Eine Geschäftsidee hat gereicht. Ein Einfaltspinsel bleibt er.

Koffer, der er ist. kann nur er solche Fragen stellen - ich sag nur: Schladming war mal eine schöne Stadt!

Wimmerln...

... Bekommt man von diesem Turinmaxl...

Es kann gar nicht genug Schilifte geben, der Rest ist ihm halt einfach bruzwurscht.

Was ist nachhaltig?

Das Gefühl der Übelkeit, wenn ich ein Foto vom Schröcksnadel seh'.

wenn du auf den boden kotzt und sie liegen lässt ist es nachhaltig.

Nachhaltigkeit?

"Von dem Wort halte ich gar nichts. Nachhaltig? Was ist nachhaltig? Wenn ich eine Fliege erschlage, dann ist sie nachhaltig tot. Ich will lieber etwas machen, das für die Zukunft einen positiven Effekt erzielt."

Ich bin mir nicht sicher, aber kann es sein, dass der alte Mann so wenig von dem Wort hält, dass er es nicht mal kennt? Da er gleich im nächsten Satz etwas beschreibt, was dem sehr, sehr nahekommt... Literally.

Schröcksnadels Antwort bzgl. Nachhaltigkeit...

... ist nachhaltig abartig! Was ist in ihn gefahren?

Nachhaltigkeit für Schröxnadel ist es wenn es morgen und übermorgen und überübermorgen in seinem Geldbeutel klingelt...

"Wenn nicht der gewinnt, der am weitesten springt, kapiert das keiner."

Und wie wär's, wenn man's den Leuten erklärt? Man muss ja nicht von seiner eigenen Schlichtheit auf alle anderen schließen.

irgendwie kriegt er so auffällig stronach'sche charakterzüge. es weiß eben nur er selbst, was die wahrheit ist.

warum haben sie ihn nicht gefragt, wie nachhaltig der wm-präsentationszirkus in grönland bzw. island war?

Als Sportmanager sicher Spitze, dies alles aber mit menschenverachtenden Methoden ...

Vorweg: Kein Wintersportler in Ö. kommt um den ÖSV herum. Der Verband arbeitet hochprofitabel mit der Wintersportindustrie, was teilw. auch der Nachwuchsentwicklung zu Gute kommt. Und die Akzeptanz in der Bevölkerung ist wohl nirgends so groß wie in Ö.

Es gibt massive Schattenseiten, die mit dem Ultra-Egomanen Schröcksnadel und seinem Team zusammenhängen. Die Leibeigenschaft der Sportler durch das System mit "Hire und fire"-Unarten ärgster Ausprägung, gewürzt mit der Liebkinderei des Präsidenten hat im 21. Jhdt. nichts mehr zu tun. Sein Personenkult wird durch Spartentrainer usw. kultiviert, wo Widerspruch oder ein kritsiches Wort in den Medien durch Berufsverbot geandet werden.
Die FIS ähnlich. Hoffentlich bricht der Krug bald!

Er sollte sich einmal im Siegel ansehen. Dann sieht er das Gegenteil von nachhaltig.

Der beste Sportpräsident, den wir vielleicht je in AUT gehabt haben.

Aber der Neid is ein Hund, wie man hier wieder mal sieht. Richtig ekelhaft.

Dass ich mit Ihnen einmal einer Meinung bin, hätte ich mir nicht träumen lassen.

Nachdem soviel Rot auf die einprasselt, will auch ich hier mal eine Lanze für den Schröcksnadel brechen. Erfolgreich zu sein ist das Ziel. Er hat es in einer tollen Art und Weise umgesetzt.

71

Soll ich ihm sein Alter neidig sein oder was?

Das Neidargument kommt immer dann, wenn man die Wahrheit nicht vertraegt.

Was für eine Wahrheit, ha? Dass er in 15 Jahren aus einem Witzamateurverband den erfolgreichsten und finanziell stärksten Skiverband der Welt gemacht ha? DIESE Wahrheit??

Posting 1 bis 25 von 70
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.