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Enrique Sanz
Standard: Wie ernst ist die Lage?
Sanz: Sehr ernst. Aber die Situation ist unter Kontrolle. Es steht viel auf dem Spiel, auch sehr viele Arbeitsplätze. Wir dürfen uns davon nicht aufhalten lassen. Alpine ist "in Business", im Geschäft. Das ist eine klare Botschaft und die Realität. Alpine ist nicht tot.
Standard: Wie der Standard in Erfahrung brachte, wird die FCC für die roten Zahlen der Alpine aufkommen.
Sanz: Alpine hat einige Schuldverschreibungen in den vergangenen Jahren aufgenommen, die letzte 2012. Die Alpine hat mit dem dritten Quartal 87 Millionen Euro an Verlusten summiert. Das ist eine vorläufige Zahl, auch wenn wir die Revision 2012 noch nicht abgeschlossen haben. Das Endergebnis werden wir heuer vorab publik machen. Das Unternehmen hat die Kapazitäten und die Solvenz, um diese Verluste zu tragen.
Standard: Alpine selbst?
Sanz: Nein. Nicht Alpine allein, kurzfristig mit der finanziellen Unterstützung der Mutter FCC. Wir vertrauen darauf, dass eine Übereinkunft mit den österreichischen Banken in sehr kurzer Zeit gefunden wird. Mittelfristig werden wir Aktiva veräußern, was eine deutliche Senkung unseres Schuldenstands bringen wird. Das wird auch unsere Gläubiger beruhigen.
Standard: Von welchen Aktiva wird sich die Alpine trennen?
Sanz: Wir denken daran, drei Unternehmen zu veräußern. Einerseits Alpine Energie, aus dem Feld der Spezialzementierungen GPS Underground Engineering sowie Hazet Bau. Das sind Aktiva von ausgezeichneter Qualität. Es sind solide Unternehmen, die uns unsere finanzielle Stärke sichern. Das wird signifikante Geldmittel bringen, auch wenn ich Ihnen keine Zahl nennen kann.
Standard: An einen Verkauf der Alpine denkt FCC nicht?
Sanz: Darauf kann ich nicht antworten, da ich Geschäftsführer bei Alpine bin. Was ich sagen kann: Die FCC ist uns gegenüber eine absolute Verpflichtung eingegangen. Das hat die FCC nicht einzig im Finanziellen bewiesen. Auch das absolute Vertrauen in die Alpine-Führung, in die Strategie und die Belegschaft zeigt das.
Standard: Wie laufen die Verhandlungen mit Österreichs Banken?
Sanz: Wir hatten mehrere Treffen. Die Verhandlungen sind auf einem sehr guten Weg. Aus zweierlei Gründen: die Unterstützung von FCC und die Solidität der Alpine Strategie. Wir sind sehr zufrieden mit der Unterstützung, die man uns auch seitens der Banken signalisiert hat. In den kommenden Wochen werden wir zu einer Einigung kommen. Es gibt einen ersten Konsens über das Prinzipielle, der sich schon sehr bald materialisieren wird. Wir haben Informationspflicht gegenüber der österreichischen Finanzmarktaufsicht, und die Bücher von Alpine werden vom Wirtschaftsprüfer Deloitte geprüft.
Standard: Sie können also die laufenden Kosten bezahlen.
Sanz: Wir zahlen regelmäßig, und die kurzfristige Finanzierung ist aus Eigenmitteln und mit der Hilfe von FCC gesichert.
Standard: Entlassungen?
Sanz (zögert): Nein. Einzig im Fall von Rückgängen in den Aktivitäten einzelner Unternehmensteile. Nur dann müssten wir freilich auf Mitarbeiter verzichten. Wir sind ein sehr großes Unternehmen und in einem Evolutionsprozess.
Standard: Der Rücktritt von Ex- Alpine-CEO Johannes Dotter ...?
Sanz: ... war eine rein persönliche Entscheidung.
Standard: Es war von Differenzen über die Strategie der Mutter FCC die Rede.
Sanz: Kein Kommentar.
Standard: Wie ist Ihre Beziehung zum Nachfolger Alejandro Tuyo?
Sanz: Wir kennen uns seit vielen Jahren, beruflich und privat. Wir haben ein exzellentes Verhältnis und die gleiche Vision, was die Zukunft von Alpine betrifft.
Standard: Was lief schief bei Alpine?
Sanz: Beim Straßenbau in Polen haben wir Verluste gemacht, auch bei Projekten am Balkan und in Griechenland. 2012 zwar ein Jahr der Transition. Es war ein Jahr der Anpassungen, der Reflexion. Von einer sehr expansiven Form, in der wir die Alpine geführt haben, werden wir uns fortan konservativer geben, auf das Traditionelle und Selektive schwenken. Das neue Strategiepapier wird bereits umgesetzt.
Standard: Welche Pläne gibt es für die Alpine in Zukunft?
Sanz: Es gilt das Credo "Back to the basics", zurück zu unserem Kern. Wir werden uns auf traditionelle Märkte und auf Kunden konzentrieren, die wir seit vielen Jahre haben - in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, im Tunnelbau auch in der Schweiz. (Jan Marot, DER STANDARD; 20./21.10.2012)
Enrique Sanz (44) ist zusammen mit seinem spanischen Kollegen Alejandro Tuyo Geschäftsführer von Alpine. Der verheiratete Vater eines Kindes studierte in seiner Heimatstadt Madrid Wirtschaftswissenschaften. Sanz ist begeisterter Golfspieler.
Der spanische Mutterkonzern habe sich bisher an alle Abmachungen gehalten und werde auch weiterhin dazu stehen
Die Baugruppe veröffentlichte ihre Zahlen für 2012. Die Bauleistung ging um rund 400 Millionen Euro zurück
Nachdem sich die Strabag aus dem Bietergefecht zurückgezogen hat, buhlen jetzt noch drei Konsortien um den Auftrag
Die Gläubiger stimmten einem Forderungsverzicht zu, die Vereinbarung läuft bis zum 31. März 2015
Außerdem sollen Firmenteile im Wert von 2,2 Milliarden Euro verkauft werden. Sie zählen nicht zum Kerngeschäft
Die Schieflage der Alpine lastet schwer auf der spanischen Mutter FCC. Zu 300 Millionen Euro Verlust der Salzburger Tochter kamen Wertberichtigungen
Grundsatzeinigung des Baukonzerns mit Banken und Republik
Die von Alpine und Partner betriebene Autobahn A5 hat bisher nur Verluste gebracht. Jetzt hat der Betrieb Anteile verkauft
Die Banken müssten damit beginnen, von der Alpine etwas zu verlangen, sagt der Chef der Finanzprokuratur
Jede Konsolidierung auf dem hart umkämpften Baumarkt kann den Überlebenden auf Teilmärkten nur nutzen
werden so rasch wie möglich verschleudert um die Schulden halbegs abdecken zu können.
Was wird wohl mit den Rest geschehen?
1) auf den kleinstmöglichen Nenner zusammenschrupfen oder
2) an irgendein anderes Unternehmen billigst verscherbeln oder
3) liquidieren
Eine Weiterführung des Unternehmens in derzeitigen Größe scheint, auf Grund der jetzigen Lage in der Bauwirtschaft, eher unwahrscheinlich.
Porr ist froh, dass der Fokus auf der Alpine liegt.
Strabag bleibt weit hinter ihren eigenen Erwartungen.
Habau redimensioniert ihren eigenen Umsatz.
Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.
Beziehungen waren für den Bau im letzten Jahrtausend relevant. Was zählt in Europa ist der Preis sonst nichts. Qualität muss normgerecht geliefert werden und wenn dabei Firmen auf der Strecke bleiben sind sie selber Schuld. Ein Vergabewesen nach Schweizer Vorbild wäre deutlich volkswirtschaftlich gerechter.
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