"Das ist Panik" - Der Börsencrash 1987

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    foto: epa/bastone

An einem Tag verlor der US-Aktienmarkt 22,6 Prozent. Doch das war weniger schlimm als die Reaktion der Geldpolitik

Am 19. Oktober 1987 herrschte Chaos an den Weltmärkten. Die Börsen in Hong Kong und London brachen massiv ein, und als die US-Aktien gehandelt wurden, gab es nur eine Richtung: abwärts. 22,6 Prozent verlor der Dow Jones Industrial Average an einem Tag. Ein negativer Rekord, der als Schwarzer Montag in die Geschichte einging. Die Panik an der Wall Street ist etwa hier dokumentiert, mit den damaligen CNN-Berichten. So sagte ein CNN-Reporter: "Es gibt nur ein Wort für das, was heute an der Wall Street passiert. Das ist Panik."

Eine Reihe von Gründen wurden damals für den Crash angeführt. Der schwache Dollar und die steigenden Zinsen in den USA verunsicherten Anleger, zeitgleich warnten viele Experten davor, dass der bereits fünf Jahre anhaltende Bullenmarkt seinem Ende entgegen tritt. Ebenso werden eine Reihe von Neuerungen an der Börse für die Schärfe des Crashs verantwortlich gemacht. So wurden damals etwa neue Strategien zur Portfolioabsicherung eingesetzt, die vollautomatisch Aktien und Futures verkauften, wenn Verluste entstanden waren. Das verstärkte den Abwärtstrend.

Aber wie Robert Shiller, heute einer der wohl angesehensten Finanz-Ökonomen, 1988 schrieb, hat wohl auch die Investoren-Psychologie ihre Rolle gespielt. Nach den ersten Verlusten ist der Verkaufsdruck massiv angeschwollen, weil sich die bereits zitierte Panik breit machte.

Der Crash, der keiner war

Doch so abrupt und scharf der Börsencrash 1987 auch war, im Vergleich zu anderen Crashes waren die Folgen von 1987 überschaubar. Innerhalb weniger Monate waren die Aktienmärkte im Plus und die folgenden Jahre waren konjunkturell besonders gute. Die Befürchtungen, dass der "Black Monday" ein Vorbote einer weiteren Großen Depression sein könnte, bewahrheiteten sich nicht. Wer die Liste der Rezessionen in den USA durchforstet, findet das Jahr 1987 nicht einmal. Die Wirtschaftsleistung ist damals nicht zwei Quartale lang geschrumpft.

Doch was waren die Lehren aus der Krise? Einerseits wurden die Finanzinnovationen mit neuen Regeln eingedämmt. Ein guter Überblick dazu findet man im Artikel hier.

Doch wichtiger die Reaktion der Zentralbank gewesen (ein Papier dazu hier). Nicht nur wurden die Leitzinsen gesenkt, sondern auch Liquidität zur Verfügung gestellt. Alan Greenspan, damals gerade einmal seit ein paar Monaten an der Spitze der US-Notenbank Fed, versprach, dass die Zentralbank nicht zulassen werde, dass panische Aktienmärkte die Realwirtschaft gefährden. Damit läutete er eine neue Ära ein, in der die Zentralbank aktiv auf die Entwicklungen der Finanzmärkte reagierte, selbst wenn das eigentliche Ziel (die Preisstabilität) nicht gefährdet schien. Nach einer Finanzkrise sollten Zentralbanken sauber machen ("Mopping up"), um die Märkte zu stabilisieren, so das neue Credo.

Die US-Notenbank Fed sicherte fortan die Anleger mit dem berüchtigten "Greenspan-Put". Dieser wirkte wie eine Absicherung – eine Put-Option –, weil die Fed implizit versprach, immer dann die Zinsen zu senken, wenn die Aktienmärkte kräftig fallen. Damit hat die Geldpolitik aktiv zu der Risikofreude, Immobilienblase und Aktienmarkteuphorie der folgenden Jahre beigetragen. Das Verhalten der Fed hat Blasen an den Finanzmärkten befeuert, bis die Aufräumkosten zu groß wurden, selbst für die Saubermacher der US-Notenbank.


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