Sedimentkerne zeigen Einfluss des Mittelmeers auf den Nordatlantik

Tiefseebohrungen südwestlich der Iberischen Halbinsel

Wien/Graz - Seit mindestens 4,5 Millionen Jahren wird das Nordatlantische Strömungssystem vom Mittelmeer beeinflusst. Das zeigen Tiefseebohrungen einer Expedition im Rahmen des internationalen Integrated Ocean Drilling Program (IODP), an der 35 Wissenschafter, darunter der Grazer Paläontologe Patrick Grunert, teilgenommen haben. Grunert präsentierte dieses Ergebnis Donnerstagabend bei einem Vortrag an der Universität Wien.

Die Öffnung

Ziel der "Expedition 339" war es, südwestlich der Iberischen Halbinsel, nahe der Straße von Gibraltar, Tiefseebohrungen durchzuführen, um Erkenntnisse zur Geschichte des warmen und salzreichen Mittelmeerausstroms in den Nordatlantik während der vergangenen sechs Millionen Jahre zu erhalten. Vor 5,3 Millionen Jahren löste sich die Iberische Halbinsel vom Afrikanischen Kontinent, wodurch sich die Straße von Gibraltar öffnete.

"Ob und welche klimatischen Auswirkungen das dadurch in den Nordatlantik ausströmende Mittelmeerwasser hatte, war eine der grundlegenden Fragen der Expedition", so Grunert vom Institut für Erdwissenschaften der Universität Graz. Er war der erste Vertreter aus Österreich, der bei einer IODP-Expedition mitforschen konnte. Der Wissenschafter ist vor allem an den Umweltbedingungen im Pliozän, vor 5,3 bis 2,6 Millionen Jahren, interessiert.

681 Sedimentkerne geborgen

Insgesamt konnten 19 Bohrungen an sieben Punkten im Golf von Cadiz sowie an der Westküste Portugals durchgeführt werden. 681 Sedimentkerne mit einer Gesamtlänge von 5,5 Kilometern wurden dabei geborgen. In diesen Kernen konnten teils mächtige Abfolgen sogenannter Kontourite beschrieben werden, Sedimentstrukturen, die durch den kontinuierlichen Einfluss von Bodenströmungen entstehen. In diesem Fall handelt es sich um die Spuren, die der Ausstrom des Mittelmeeres hinterlassen hat.

Dass das Nordatlantische Strömungsmuster, das eine wesentliche Rolle für das Klima in Europa spielt, vom Mittelmeer beeinflusst wird, war bereits bekannt. "Aufgrund der hervorragend dokumentierten Kontouritabfolgen konnte nun jener Zeitpunkt ermittelt werden, an dem sich der Mittelmeerausstrom erstmals nachweisen lässt - nämlich vor rund 4,5 Millionen Jahren", erklärte Grunert, der heuer mit dem Otto-Ampferer-Preis der Österreichischen Geologischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde. (APA/red, derStandard.at, 19. 10. 2012)

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