"Unterstützte Entscheidungsfindung" als Alternative zum Sachwalter

Pilotprojekt startet laut Justizministerium spätestens Anfang 2013 - Angehörige und Bekannte von Besachwalteten ersetzen Sachwalter und Pflegschaftsrichter

Wien - Nach einer am Mittwoch in einer Pressekonferenz von Experten geforderten Novellierung der Sachwalterschaft in Österreich, wird nun vonseiten des Justizministeriums bis spätestens Anfang 2013 zumindest ein Pilotprojekt mit einem Modell der "unterstützten Entscheidungsfindung" gestartet. Georg Kathrein, Chef der Zivilrechtssektion im Justizministerium, kündigte dies im Ö1-"Morgenjournal" am Freitag an. Im Falle einer als erfolgreich befundenen, ein bis zwei Jahre andauernden Pilotphase, könnte diese Alternative dann bei einem großen Teil der rund 56.000 besachwalteten Personen in Österreich angewendet werden.

Bei dem Projekt der "unterstützten Entscheidungsfindung" sollen Entscheidungen über finanzielle und rechtliche Angelegenheiten behinderter oder psychisch beeinträchtigter Menschen von diesen gemeinsam mit Angehörigen und Bekannten gefällt werden, statt wie bisher durch Sachwalter und Pflegschaftsrichter. Laut Kathrein sind weitere Alternativen zur Sachwalterschaft denkbar, die seiner Aussage nach bei schweren psychischen Erkrankungen oder Demenz weiterhin beibehalten werden soll. Bevor gesetzliche Maßnahmen eingeleitet werden, gilt es nun im regionalen und städtischen Testlauf möglicherweise schon ab Ende des Jahres Erfahrung zu sammeln, sagte Chef der Zivilrechtssektion im Justizministerium.

Allgemein sollen laut dem Sektionschef staatliche Eingriffe soweit als möglich vermieden werden. Als eine weiter Alternative zur Sachwalterschaft wäre auch die sogenannte Alterswohlfahrt denkbar, einer im Juli vom der ÖVP-Seniorenbund geforderten strukturellen Maßnahme. Ziel ist hier die Einrichtung von wohnortnahen Büros, an die sich Menschen und deren Angehörige in allen Angelegenheiten, die eine Einschränkung der selbstständigen Lebensführung oder Entscheidungsfähigkeit bedeuten, wenden können. (APA, 19.10.2012)

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ein Pflegschaftsrichter einmal ordentlich niedergespritzt ..

nachher steht der nicht mehr auf und geht "arbeiten"

Hmm?

Die Besachwalterung wurde erfunden um Besachwalterte vor Bekannten und der Familie zu schützen.

Macht aber nix, wir sparen ein, weil es eh nur um 56.000 Hanseln geht.

Langsam wird es bedenklich.

Die Besachwalterung wurde erfunden...

... um die "Mündel" die sie bis 1986 waren, vor den "Vormunden" zu beschützen.

Unter diesen Vormunden waren eine viel höhere Zahl als heute "Angehörige" die einen Familienfight um die Erbschaft unter einem gerichtlichen Decktitel für die eigene Tasche erfolgreich fortführten.

das ganze hier hat damit zu tun, daß österreich seit 2008 vertragsstaat der un-charta über die rechte von menschen mit besonderen bedürfnissen ist. die österreichische sachwalterschaft ist somit einfach verfassungswidrig und damit illegal, und deshalb muß etwas geändert werden.

1.) ist es völlig unmöglich,

hier so zu schreiben, als bräuchte jeder (schwer) psychisch beeinträchtigte Mensch automatisch eine Besachwaltung. Nicht dass eine solche nie notwendig ist, wenn auch nur zum Teil. Aber es ist auf jeden Fall ein Problem der Medien, damit auch das von von einer psychischen Problematik betroffenen Menschen, von Angehörigenpflege oder Besachwaltung zu sprechen,

a) ohne die Betreffenden über dieselbe Thematik zu Wort kommen zu lassen,
b) und ohne die Probleme, die ja vorhanden sein müssen, auch zu BENENNEN.

2.) ist es unabdingbar, einen Menschen oder mehrere hinzuziehen, die den Betroffenen wirklich sehr gut kennen (da sollte der Betroffene selbst entscheiden können, wen er hinzuziehen möchte), und außerhalb der Familie/der Pflegenden

(Ein zweites längeres Posting wurde schon abgeschickt. Wait to read.)

steht.

Diesen Menschen kennen Familie und Bekannte doch wohl am besten? Nicht immer; denn oft haben diese selbst auch psychische Probleme/Neurosen oder Erwartungen an den B., die jenem nicht entsprechen, während man darüberhinaus damit rechnen muß, dass viel an dem Betroffenen _unerkannt_ bleibt:

a) da häufig die Kommunikation, durch z.B. schlecht funktionierende Beziehungen oder fehlender Intimität/Zuneigung schlecht oder erschwert ist in Familien und/oder der Patient selbst Schwierigkeiten hat, sich zu artikulieren oder oral zu kommunizieren. Wie soll nun ein (noch dazu besachwalteter) Kranker sich alleine behaupten gegen eine ganze Gruppe von Menschen, die alle dieselben Einstellungen haben?

b) da der die Chancen einfach nicht hatte,

die Möglichkeiten, das, was noch in ihm steckt, bzw. sein Potential, zu beweisen.

ad 2) die diesen Menschen grundsätzlich, in essenziellen Dingen, verstehen; und mögen; UND FÖRDERN würden. Denn wir wissen, wir Linken, und auch Experten in Familiendingen wissen, dass eine Familie nicht immer besonders heil oder heilig ist; und die Tatsache, dass man den doch aufopfernd pflegt, nicht automatisch heißt, dass man wirklich dessen Bestes will und auf seine Zukunft schaut. Das ist besonders in einem Land so, wo es häufig zu den Aufforderungen kommt:
"Arbeit' mal was Anständiges!" oder:
"Ihr müßt euch anpassen!"

3) Damit wäre also, in einem sehr konservativen Land, gesichert, dass der Nichteingriff des Staates in Wirklichkeit mit besonderer

sie kennen doch sicher auxh die erfahrungen von opfern

deren persönlichkeit interessiert doch niemanden - gerade die gerichte und die anderen abzocker nicht.
warum steht niemand vor gericht, der andere ihrer rechte beraubt, sie demütigt und bestiehlt? es müssten ziemlich viele bezirksrichter, gutachter, anwälte vor gericht kommen und verurteilt werden, denn der massive missbraucht ist allen bekannt (auch den medien - aber journalisten schreiben meist ein mal drüber, öfter trauen sie sich nicht, weil man sich mit der mafia nicht anlegt).

Ich höre zu :)

Schärfe sehr wohl stattfinden könnte.

Zusätze: *) Ich würde gerne wissen, wie oft eine Besachwaltung auf seine Legimität hin überprüft wird oder werden kann -> *nachschlag*
+) der Gesetzestext zur Legimität einer Sachwalterschaft erscheint mir, als Nichtjurist, mehr denn etwas dürftig. (das heißt natürlich nicht _unbedingt_, dass auch die juristische Praxis sehr zu wünschen übrig läßt.)

4) WIR LEBEN IN ANGST. Dies ist spätestens seit dem Erscheinen von Asmus Finzen's "Schizophrenie", anscheinend nicht sehr allgemein (?), bekannt.

5) ob der ganzen Fürsorgeangebote, über die auch im Standard berichtet wurde, für (schwer) psychisch beeinträchtigte, psychisch gestörte oder psychisch kranke Menschen, scheint die Tatsache etwas

Das Buch von Szasz heißt "The myth of mental illness". Könnte ich nun das fehlende Posting haben, bitte?

Lassen Sie sich nicht durch die Zeit, die eine Post häufig bis zu seiner Veröffentlichung braucht, doch nicht quälen. Diese muß schließlich einen sehr langen, labyrinthinischen Weg zurücklegen und hat dabei am Wochenende nur sehr wenige Boxstops.

unterzugehen, dass auch (besachwalterte) solche neben ihren vielen Unzulänglichkeiten auch Stärken bzw. Talente haben können. In einem Land, in dem eine Andrea Brett eine hervorragende und beachtete Regisseurin ist oder eine Autorin Elfriede Jelinek Österreich sogar den Nobelpreis holt und regelmäßig am Burgtheater gespielt wird, sollten diese Tatsachen zu denken geben.

6) Wenn schon, denn schon: Thomas Szasz hat in einem seiner Bücher die Frage gestellt, in wessen Interesse der Betreuer oder Arzt eines psychisch Kranken denn arbeitet. In unseren Breiten arbeitet der Gutachter oder Psychiater in einem Zwiespalt: er vertritt sowohl die Interessen des Staates dem Pat. gegenüber als auch hat er die Interessen des P. zu vertreten.

Jeder 2. Mord bleibt unentdeckt!

In Deutschland kam eine Studie zu diesem Ergebnis.
Man kann sich jetzt leicht ausmalen, in welchem Umfeld diese unentdeckten Morde größtenteils stattfinden.

GerichtsPathologie wurde ja reduziert...

Was für eine wunderbare Welt der Altersgestorbenen... Nichts wird mehr standardmässig untersucht... Tür und tor...

Und wir diskutieren die Möglichkeit der "Sterbehilfe"...

Unter Trollen?

Trolle gibt`s beim Herrn der Ringe!

2004 gab`s in Österreich 184 Morde/Mordversuche - davon fanden 133 im "sozialen Nahbereich" und 87 innerhalb der Familie statt.
Der Mord im Familienkreis liegt derzeit schon bei über 50 % und die Dunkelziffer bei Morden ist exorbitant hoch - es wird davon ausgegangen, dass jeder 2. Mord unentdeckt bleibt - Pessimisten gehen von weit höheren Zahlen aus.
Die Dunkelziffer bei Morden ist größtenteils im Familien/Verwandtenkreis angesiedelt.

Weitere Schlüsse überlasse ich Ihnen!

http://www.kleinezeitung.at/nachricht... eher.story
http://derstandard.at/2299501

Trolle gibt’s auch in Norwegen (vgl. Per Gynt). Die essen dort aber keine Fische, sondern so ziemlich alles, was sie kriegen, solange es in großen Mengen und festlich zubereitet wird. (war aber OT)

Wie will man Mißbrauch bei "nahestehenden Menschen" ausschließen? Sachwalter unterstehen imemrhin eienr Kontrolle durch die Gerichte. Wenn nahe Verwandte- z.B. Eltern, Ehepartner oder Kinder- vorhanden sind, übernehmen ohnehin meistens diese die Sachwalterschaft für eine demente ältere Person bzw. ein nicht geschäftsfähiges "Kind".

ich habe das jahrelang bis zu ihrem Tod für meine demente Mutter getan - ohne irgendeine Aufwandsentschädigung (nur Ersatz der Ausgaben nach Beleg).

Pustekuchen.

In unserem Fall war es so: die Sachwalterin, Rechtsanwältin, ist mit der Bezirksrichterin befreundet. Diese, Mitte 50, ist eine frustrierte Person, die nie aus ihrem kleinen Bezirksgericht ins Landesgericht avanciert ist. die Sachwalterin bestreitet ihren Lebensunterhalt aus Besachwaltungen vermögender alter Frauen (1130 Wien), Sachwalterschaften für arme alte Frauen legt sie zurück. Die Sachwalterin räumt im Lauf von sieben Jahren unrechtmäßig € 50000.- auf die Seite, das Gericht, das die Abrechnungen prüfen soll, nickt sie einfach ab - das Gericht bekommt nämlich einen Zuschlag von 25% der Rechnungssumme für die Staatskassa. Die Angehörigen haben kein Recht zur Akteneinsicht, geschweige denn ein Antragsrecht.

habe gerade ihr posting zur sachwalterschaft ( aus dem vorjahr) gelesen...könnten sie mir da mehr darüber erzählen?
liona_d@hotmail.com

missbrauch

ist in der praxis gerade dann gegeben, wenn menschen gierigen anwälten ausgeliefert werden, die nur abzocken und sich einen dreck um ihre klienten wider willen scheren. das rennt in wien zb so, dass best. gerichte best. sachwaltern personen zuteilen - und die dann bei 1000 personen einfach nur abzocken und sie verrecken lassen. begehren die opfer auf, gibts dann auch noch die gutachtermafia, die gutachten erstellt, ohne die opfer gesehen oder mit ihnen mehr als fünf minuten geredet zu haben. widerstand wird ignoriert, weil - das sind eh nur untermenschen, die richter und co. selbst dazu erklärt haben.

Als ob

irgendein Anwalt besonders scharf auf Sachwalterschaften wäre. Das Problem ist eher, dass bei psychisch Kranken sich niemand aus der Familie die Sachwalterschaft antun will. Da bleibt dann nur ein zwangsverpflichteter Anwalt. Was schon stimmt, ist, dass die Entschädigung aus dem Vermögensstamm entweder ganz abgeschafft oder auf einem niedrigen Niveau gedeckelt gehört. Für den Verwaltungsaufwand macht es nämlich null Unterschied, ob 20.000 € oder 2 Mio € auf einem Sparbüchl liegen.

Der Sachwalter erhält vom Einkommen des Besachwalteten 5%, vom Vermögen 2% pro Jahr. Bei zwei Millionen sind das € 40000. Wenn der Besachwaltete, so wie in unserer Familie, denk-, sprech- handlungs- und bewegungsunfähig im Pflegeheim im Bett liegt, ist der Verwaltungsaufwand sehr gering. Pflegeheim per Dauerauftrag, Vierteljahresbuchung EK-Steuer, Jahresbuchung Kirchensteuer. Einmal im Monat sollte halt die Sekretärin auf 5 Minuten in das Krankenzimmer reinschauen. Patientin liegt regungslos da. Sehr gut.

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