Promotion - entgeltliche Einschaltung

Mehr Zeit für Energiewende als gedacht?

22. Oktober 2012, 09:21
  • Artikelbild
    foto: oesterreichs energie/martin vandory
  • Artikelbild
    foto: oesterreichs energie/martin vandory

„Die Energiewende wird zu hastig und mit den falschen Argumenten angepackt“, konstatierte der Energieexperte und RWE-Aufsichtsrat Fritz Vahrenholt bei seiner Rede am Oesterreichs Energie Kongress 2012 und warnte davor, sich vom vermeintlich drohenden raschen Klimawandel drängen zu lassen.

Der deutsche Energieexperte Fritz Vahrenholt hält die Energiewender in der derzeit angestrebten Form für zu hastig und mit den falschen Argumenten angepackt. So das Fazit seiner Rede am Oesterreichs Energie Kongress 2012.

Großes soziales Problem

Strom aus erneuerbaren Energien sei mittlerweile zu einem immensen Kostenproblem und so zu einem sozialen Problem geworden: Die Belastung eines deutschen Haushalts durch Ökostrom ist mit der kürzlich erhöhten EEG-Umlage um 60 Euro im Jahr gestiegen (in Österreich sind es im Vergleich dazu "nur" 36 Euro jährlich).

Als weitere Probleme sieht Vahrenholt die Belastung der Netze durch den ungehemmten Stromüberfluss aus erneuerbaren Energien sowie den Druck auf den Strompreis und die damit unrentabel werdenden Gas- und Pumpspeicherkraftwerke. Dabei sei gerade die Pumpspeicherung die wettbewerbsfähigste Form, um Elektrizität zu speichern. Österreich sei klug genug gewesen, auf Wasserkraft zu setzen.

Panikmache zwecklos

Der große Treiber in Sachen Energiewende, der Klimawandel, entpuppe sich laut Vahrenholt bei näherer Betrachtung als weniger dringlich, als angenommen: Seit 15 Jahren habe sich die Durchschnittstemperatur global nicht mehr erhöht. Vahrenholt erwartet sogar eine Abkühlung in den kommenden 30 Jahren. Er stützt seine These auf die Sonnenaktivität als Faktor, der das Klima beeinflusst. Vor diesem Hintergrund mahnt er zu mehr Ruhe in der, seiner Meinung nach, zu hektisch geführten Debatte um die Energiewende. Die Umstellung müsse kommen, aber es reiche im Laufe der nächsten 50 bis 100 Jahre.

Auch wenn fossile Brennstoffe sicherlich ausgehen werden, müsse man keine angstgetriebene Energiepolitik führen. Vahrenholt sieht die Erdabkühlungs- und -erwärmungszyklen natürlichen Ursprungs: „Die Sonne gibt uns Zeit, das Energiesystem auf vernünftige Weise umzustellen. Bis 2050 sollten 50 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen kommen. Das wäre ein vernünftiges Ziel."

Die zusätzliche Zeit will Vahrenholt nutzen, um den Wechsel auf erneuerbare Energiequellen, überlegter zu vollziehen als bisher: „Wir wollen die Elektromobilität nach vorne bringen, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Aber wie soll das mit dem Plan, rund 25 Prozent des Strom- und Energieverbrauchs einzusparen, zusammenpassen?" In Vahrenholts Augen stimme die Richtung, jedoch müssten die Strategien überdacht werden. Bisher habe man sich alles zu einfach vorgestellt.

Hochkarätige Diskussion zur Energiewende

Im Anschluss an den Vortrag von Fritz Vahrenholt diskutierte ein prominent besetztes Podium zum Thema Energiewende. Dabei trafen mit Umweltschutz und Energieerzeugern vermeintlich unterschiedliche Lager aufeinander. Am Ende herrschte jedoch weitgehend Einigkeit hinsichtlich der bevorstehenden Umstellung auf erneuerbare Energieträger.

Wolfgang Anzengruber, Vizepräsident von Oesterreichs Energie, nahm den Faden, den Fritz Vahrenholt zuvor spann, auf und teilte dessen Ansicht, emotionslos und mit Ruhe an die Thematik heranzugehen: „Um den Herausforderungen zu begegnen, sollten wir technologieoffen und synchronisiert an die Fragen herangehen. Zudem müsse das Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Effizienz dabei in den Vordergrund gerückt werden."

Weniger Zustimmung kam seitens des Greenpeace Geschäftsführers für Zentral- und Osteuropa, Alexander Egit: „Die Frage hinsichtlich des Klimawandels ist: Wem vertraue ich? Ihnen vertraue ich nicht, Herr Vahrenholt."

Vom Solarunternehmer Robert Kanduth kam die Warnung, keinesfalls dem Irrtum zu verfallen, Energiegewinnung in südliche Länder zu verlegen, weil das neue Abhängigkeiten schaffe: „Europa muss langfristig energieautark werden, ohne die Nutzung fossiler Brennstoffe."

Während Vahrenholts Thesen zum Klimawandel hitzig diskutiert wurden, herrschte in einem Punkt Einigkeit: Die Energiewende ist unausweichlich. Offen ist einzig, wie man ihr am besten begegnet.


Fritz Vahrenholt ist promovierter Chemiker, Aufsichtsrat von RWE Innogy und publizierte jüngst das Bucht "Die kalte Sonne". Vahrenholt baute überdies die REpower mit auf und war in den 90er Jahren SPD-Umweltsenator in Hamburg.

Share if you care
  • Energiepolitik im Wahlkampf [4]

    TitelbildWo steht Österreichs Energiepolitik heute und welche Ziele will sie morgen erreichen?. Die Energiesprecher der SPÖ, ÖVP, FPÖ, der Grünen, des BZÖ und des Team Stronach haben Stellung zu einigen Fragen bezogen.

  • Warum Österreich bei Energie anders ist [2]

    TitelbildEine Analyse von Stefan Schleicher, Professor am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel und am Instiut für Volkswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität in Graz.

  • Stromnetze - die Zeit drängt

    TitelbildDie Uhr tickt. Der von der EU geforderte und geförderte Ausbau der Erneuerbaren bringt die am Rande der Kapazitätsgrenze befindlichen Netze noch stärker unter Druck. Oesterreichs Energie zeigte in einem Hintergrundgespräch teilweise dramatische Auswirkungen auf.

  • Österreich braucht (k)eine Energiewende [4]

    TitelbildDie Energiewende wird obsolet, wenn zwar (er)neue(rbare) Energie produziert wird, nicht aber der Bedarf bzw. die Nutzung angepasst wird. Deshalb plädiert Stefan Schleicher, Experte für Klima und Globalen Wandel, für eine Synchronisation des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit der Aufnahmefähigkeit der bestehenden Infrastruktur.

  • Gaskraftwerke kippen aus dem Markt

    TitelbildDie derzeitige Entwicklung bereitet den Experten Sorgen: Erneuerbare verdrängen zunehmends herkömmliche Kraftwerkseinheiten. Die Folgen können in drastischen Mängeln resultieren.

  • Grenzenloser Energiemarkt -
    "under construction"
    [7]

    TitelbildDie Zeit drängt. Bis 2014 soll Strom in Europa ohne Grenzen fließen können, der Energie- Binnenmarkt vollendet sein. Grenzenlos erscheinen derzeit freilich aber auch noch die Probleme, die dringend nationale und europaweite Lösungen suchen. Oesterreichs Energie hat die Situation auf fünf wichtigen europäischen Energiemärkten ausgeleuchtet.

  • Europäische Koordination in der Energiepolitik gefragt [4]

    TitelbildDie drei Ziele der europäischen Energiepolitik, nämlich eine sichere, saubere und leistbare Energieversorgung zu gewährleisten, befinden sich derzeit in einem Spannungsverhältnis. Dieses muss aufgelöst werden, um die Ziele zu erreichen. Für eine umfassende Neugestaltung des Marktdesigns für die Energiewirtschaft spricht sich daher der europäische Elektrizitätswirtschaftsverband Eurelectric aus.

  • Wege zu einem klimafreundlichen Energiesystem in Europa [9]

    TitelbildFür eine zukunftsfähige Energieversorgung soll die EU Energy Roadmap 2050 sorgen.

  • Energiemärkte

    "Die europäische Energiepolitik muss wirklich europäisch sein“ [22]

    TitelbildDass die derzeitige Energiepolitik nicht optimal läuft, sind sich die Experten einig. Die Einschätzungen der weiteren Entwicklung sind jedoch noch zu unterschiedlich für ein Übereinkommen.

  • Energiemärkte

    Die Energiemärkte sind aus der Spur geraten [12]

    TitelbildDie Energiewende ist gut gedacht, aber nicht gut gemacht. Es gibt einiges an Korrekturbedarf, um sie in der Spur zu halten. Auf breiter Front diskutieren Experten deshalb derzeit über den Zusammenhang zwischen Energiewende und Energiekosten, über Versorgungssicherheit und Infrastrukturausbau.

  • "Es kann jeder mit jedem Geschäfte machen" [7]

    TitelbildDurch die Öffnung des europäischen Strommarktes können sich heute alle Energieunternehmen frei am Strommarkt bewegen. Seither schwirren Begriffe wie "OTC -Geschäfte", "Strombörsen", "Broker", und "Clearing" durch den Raum.

  • Energiewende darf Stromkunden nicht überfordern [26]

    TitelbildBeim Umbau des Systems in Richtung erneuerbare Energien dürfe man nicht auf die Kunden vergessen, sagte Peter Layr, Präsident von Oesterreichs Energie am 19. März beim ersten Trendforum der heimischen E-Wirtschaft diesen Jahres, das unter dem Motto "Strom kennt keine Grenzen" stand.

  • Marktdesigndebatte soll europäisch geführt werden [4]

    TitelbildDer europäische Strommarkt befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden Umbruchphase. An den Börsen wird dies vor allem auf den „Merit-Order-Effekt“, also den Verfall der Strompreise infolge verstärkter Einspeisung elektrischer Energie aus hoch subventionierten Ökostromanlagen, zurückgeführt.

  • Energiepolitik

    "Wir brauchen intelligente Förderungen" [1]

    TitelbildFelix Matthes, Forschungskoordinator am deutschen Öko-Institut, über die Notwendigkeit von KWK-Förderungen zum Gelingen der deutschen Energiewende, den Sinn von Kapazitätsmärkten und die Reform des EU-internen Emissionshandels.

  • Für die Zukunft der nachhaltigen Stromerzeugung sind wir alle selbst verantwortlich [3]

    TitelbildEine klimafreundliche und sichere heimische Stromerzeugung ist die Basis für unseren heutigen und auch zukünftigen Wohlstand.

  • Energie-Initiative der Alpenländer [34]

    TitelbildD-A-CH für die grüne Energiezukunft Europas

  • „Tuning“ für die Energiezukunft

    TitelbildDer Umbau des Energiesystems ist eingeleitet. Aber der Motor der die Veränderung antreiben soll, läuft noch nicht rund. Oesterreichs Energie sieht Bedarf an umfangreichen Tuningmaßnahmen.

  • „Die Wasserkraft ist und bleibt der Champion der erneuerbaren Energien!“ [36]

    TitelbildLeo Windtner, Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich, über den Atomausstieg Deutschlands, die Wichtigkeit die Stromnetze auszubauen und die Stromversorgung durch erneuerbare Energien in Österreich.

  • Ein Energie-Dach für Europa [9]

    TitelbildIn Innsbruck präsentierte Oesterreichs Energie mit dem „Infrastrukturpaket der Alpenländer“ eine herausragende Initiative, die auf Ministerebene beschlossen wurde und nun von der E-Wirtschaft mit Substanz erfüllt werden soll. Inhalt des Vorhabens: Österreich, Deutschland und die Schweiz wollen den gemeinsamen Ausbau von Pumpenspeicherkraftwerken vorantreiben.

  • Starke Schlüsselindustrie für Österreich [5]

    TitelbildIm Herzen des Alpenraums präsentiert sich eine starke E-Wirtschaft, die bereit ist, alle Herausforderungen zu meistern, erklärt Bruno Wallnöfer, Vorstandsvo rsitzender der Tiwag und Gastgeber von Oesterreichs Energie Kongress 2012.

  • E-Wirtschaft: Energieziele Österreichs können nicht erreicht werden [11]

    TitelbildDer bis 2015 geplante Wasserkraftausbau um 3,5 Milliarden Kilowattstunden soll nicht einmal zu einem Drittel erreicht werden erklärte Peter Layr, Präsident von "Oesterreichs Energie" und EVN-Vorstandsvorsitzender, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

  • Jeremy Rifkin: Die dritte industrielle Revolution [1]

    TitelbildZukunfts-Szenarien vom Energie-Versorgungskollaps bis hin zur erdgeschichtlichen Auslöschungsphase sorgten beim Energie Kongress in Innsbruck für hitzige Debatten.

  • Mehr Zeit für Energiewende als gedacht? [2]

  • Oesterreichs Energie Kongress 2012 - Teilnehmerrekord in Innsbruck [3]

    TitelbildPräsident DI Dr. Peter Layr und Generalsekretärin Dr. Barbara Schmidt hießen am Mittwochnachmittag mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Oesterreichs Energie Kongresses 2012 in Innsbruck willkommen.

  • Oesterreichs Energie Kongress 2012: Rekordbeteiligung und offene Diskussionen [6]

    TitelbildNach zwei intensiven Kongresstagen in Tirols Landeshauptstadt Innsbruck zog Gastgeber DI Dr. Peter Layr, Präsident des Interessensverbandes Oesterreichs Energie, zufrieden Bilanz.

2 Postings
Diese so genannte Energiewende,...

..wird nicht zu hastig angepackt, sondern von unverständigen Leuten, zu konfus.
Diese "Energiewende" wurde einfach von Merkel im Kalkül politischen Machtstrebens vom Zaun gebrochen um mit dem Argument der Atomkraftverhinderung politisches Terrain zu gewinnen und sie hat dabei die Sicherheit Mitteleuropas in die Pfanne gehauen. Dass damit keine wirtschaftl. Synergien zu erwarten waren, kümmerte Merkel nicht.Nur mit dem Unterschied zum damaligen Sinowatz, welcher mit der Auseinandersetzung einer elitären und grüngefärbten Streitschaft in der Donauau nicht klar kam und eine nunmehr 26Jahre dauernde "Nachdenkpause" verordnete um diesem Thema zu entgehen, das hätte Merkel sicher anders gelöst!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.