Mariahilfer Straße: 450 Meter nur für Fußgänger

22. Oktober 2012, 16:17
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Neugestaltung ab 2014: Großer Abschnitt wird verkehrsberuhigt, Ausnahmen gibt es für Radfahrer, Lieferanten und Linienbusse

Wien - Künftig wird die Mariahilfer Straße in Wien - eine der größten Einkaufsmeilen Österreichs - für Autos weitgehend gesperrt.

Am Freitag präsentierte Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) gemeinsam mit den Bezirksvorstehern Renate Kaufmann (SP) im sechsten Bezirk und Thomas Blimlinger (Grüne) im siebten Bezirk die konkreten Pläne für die Umgestaltung: Der gesamte Abschnitt von Karl-Schweighofer-Gasse bis Kaiserstraße (siehe Grafik) wird verkehrsberuhigt. Die Kernzone für Fußgänger erstreckt sich auf etwa 450 Meter zwischen Andreasgasse und Kirchengasse. Rad fahren soll auch hier im Schritttempo erlaubt sein, ebenso wie der Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten, die noch mit der Wirtschaftskammer verhandelt werden.

Ohne Parkplatz keine Zufahrt

Ansonsten soll das Teilstück autofrei bleiben. Weil es hier keine privaten Stellplätze oder Garagen gibt, werden keine Sondergenehmigungen erteilt. Im restlichen Bereich soll das Zufahren für Anrainer mit dem Nachweis eines Garagenparkplatzes direkt an der Mariahilfer Straße möglich sein.

Über die Querungsmöglichkeiten für Autos und die zukünftige Route der Buslinie 2A sollen die Anrainer der beiden Bezirke im Jänner 2013 abstimmen dürfen. Der 13A wird mit einer abgegrenzten Fahrspur seine Streckenführung behalten.

Damit es in den umliegenden Straßen nicht zu massivem Verdrängungsverkehr kommt, werden die Burggasse, die Neustiftgasse und die Gumpendorfer Straße verkehrsberuhigte Tempo-30-Zonen. Linienbusse sollen weiterhin auf den ersten beiden Straßen 50 km/h fahren können, weil eine eigene Spur bereits vorhanden ist.

Die Anrainer der Gumpendorfer Straße hatten Protestaktionen - etwa ein Frühstück auf der Straße - angekündigt, sollte es keine Verkehrsberuhigung geben. Es soll künftig nicht mehr möglich sein, von der Gumpendorfer Straße am Getreidemarkt nach links Richtung Museumsquartier abzubiegen, sondern nur noch nach rechts Richtung Naschmarkt.

"Ein Meilenstein für die Lebensqualität" sei die Umgestaltung, sagte Vassilakou. Der frei gewordene Platz soll mit Sitzgelegenheiten und Grünflächen gestaltet werden. Auch Bezirksvorsteherin Kaufmann freute sich, sie habe seit ihrem Amtsantritt vor zwölf Jahren für die Fußgängerzone gekämpft: "Das ist der einzige Weg, die Mariahilfer Straße konkurrenzfähig zu halten."

Zweistelliger Millionenbetrag

Im Vorfeld hatte es viele Diskussionen zwischen den Bezirken gegeben. Blimlinger räumte ein, skeptisch gewesen zu sein, sich jetzt aber über die Realisierung unter grüner Regierungsbeteiligung in Wien zu freuen.

Der überwiegende Teil der Finanzierung kommt von der Stadt, der Rest aus den Bezirksbudgets. Eine genaue Summe wollte Vassilakou nicht nennen, grob geschätzt werden sich die Kosten im "zweistelligen Millionenbreich" bewegen.

Auf die Befragung der Anrainer im Jänner 2013 folgt eine etappenweise Umsetzung. Frühestens im Sommer könnte die Fußgängerzone in einem Pilot getestet werden, allerdings noch ohne Umbaumaßnahmen, sagte Kaufmann. Die Bauarbeiten, beispielsweise Niveauangleichungen oder breitere Gehsteige, starten im Frühjahr 2014. Vassilakou erhofft sich einen Rückgang von derzeit bis zu 12.000 täglichen Kfz-Fahrten auf 2000. Poller für die Kontrolle der Zufahrtsberechtigungen schließt sie aus.

Als "teuer und stadtplanerisch fragwürdig" bezeichnet Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank die Pläne in einer Aussendung. Das vorliegende Modell weiche stark von den mit Vassilakou im Vorfeld getroffenen Vereinbarungen ab. Die zeitliche Einschränkung des Lieferverkehrs gefährde den Geschäftserfolg.

Mit Kritik reagierte auch die Opposition: Die FP wünscht sich stattdessen mehr Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und bessere Beleuchtung der Gehsteige. Die VP prophezeite "verkehrspolitisches Chaos" , sollte die Stadt an ihren Plänen festhalten. Sie fordert eine breite Bürgerbeteiligung, um über die Details abzustimmen. Laut Vassilakou ist es international gängige Praxis, eine Befragung auf die direkten Anrainer zu beschränken. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 20/21.10.2012

  • So soll die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße aussehen.
    grafik: zoom

    So soll die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße aussehen.

  • Die Anrainer dürfen entscheiden, ob und wo die Autos queren.
    grafik: stadt wien

    Die Anrainer dürfen entscheiden, ob und wo die Autos queren.

  • Fix ist, dass auch umliegende Straßen verkehrsberuhigt werden, um den Ausweichverkehr einzudämmen.
    grafik: der standard

    Fix ist, dass auch umliegende Straßen verkehrsberuhigt werden, um den Ausweichverkehr einzudämmen.

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