Ubuntu 13.04 wird teilweise hinter verschlossenen Türen entwickelt

19. Oktober 2012, 11:15
70 Postings

Canonical will nur ausgewählte EntwicklerInnen vorab einweihen - Nächste Version heißt Raring Ringtail

Gerade erst hat der Softwarehersteller Canonical eine neue Ausgabe der eigenen Linux-Distribution zum Download gestellt, da beschäftigt man sich schon mit der nächsten Runde: Ubuntu 13.04 soll den Codenamen "Raring Ringtail" tragen, dies verkündet Firmengründer Mark Shuttleworth in einem Blog-Eintrag.

Tür. Geschlossen.

Kurz danach folgte dann ein weiterer Text von Shuttleworth, und zwar einer, der dazu geeignet ist, die nächste Kontroverse rund um Canonical auszulösen: So soll ein Teil der Entwicklung für Ubuntu 13.04 hinter verschlossenen Türen stattfinden, um "die Überraschung nicht zu verderben". Statt einer vollständig offenen Entwicklung sollen diese Funktionen nur mehr ausgewählten Community-Mitgliedern vorab gezeigt werden, die sich im Gegenzug zur Verschwiegenheit verpflichten müssen.

Argumentation

Die bisherige Herangehensweise früh neue Entwicklungen freizugeben, und dann nach und nach zu verfeinern habe entscheidende Nachteile, zeigt sich Shuttleworth überzeugt. KritkerInnen würden ohnehin immer kritisieren, egal ob man sie früher oder später einbinde. Gleichzeitig verliere man aber durch eine frühe Freigabe die Chance neue Funktionen gemeinsam - und fertig - zu präsentieren, was nicht zuletzt aus einer Marketing-Perspektive relevant sei.

Einschätzung

Ganz neu ist eine solche Herangehensweise für Ubuntu freilich nicht: Während andere Desktop-Projekte wie etwa GNOME oder Fedora auf eine von Anfang an offene Entwicklung setzen, hatte Canonical immer wieder Projekte - darunter auch den Desktop Unity - anfänglich hinter verschlossenen Türen entwickelt. Dies hatte in der Community immer wieder für Verärgerung und Auseinandersetzungen gesorgt.

Update 11:30:

In einem nachgeschobenen Beitrag verwahrt sich Shuttleworth reichlich erbost gegen die Interpretation, dass Ubuntu durch diesen Schritt weniger offen werden würde. Ganz im Gegenteil sieht er potentiell mehr Offenheit durch diese Initiative. Außerdem fordert er die KritikerInnen dazu auf, ein anderes Projekt zu finden, welches Millionen NutzerInnen habe und ähnlich offen wie Ubuntu entwickelt werde. (apo, derStandard.at, 19.10.12)

  • Artikelbild
Share if you care.