Fremdkörper: "Ein Hustenstoß ist ein echter Segen"

  • Der Verzehr von Erdnüssen ist für Kleinkinder nicht ungefährlich.
    foto: julian nitzsche/pixelio.de

    Der Verzehr von Erdnüssen ist für Kleinkinder nicht ungefährlich.

Kleinkinder erkunden die Welt über den Mund - Gelangen Fremdkörper in die Atemwege, wird die Situation rasch zum Notfall

Kleine Kinder und Babys erkunden ihre Welt über den Mund. Dabei kann es passieren, dass Gegenstände verschluckt werden. Gelangt ein Fremdkörper in die Luftröhre oder die Lunge, führt das meist zu heftigen Hustenattacken. "Der Hustenstoß ist in diesem Fall ein echter Segen. Das Kind sollte angehalten werden, weiter zu husten, um den Gegenstand auszuspucken", betont Michael Sasse, Präsidiumsmitglied der Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und leitender Oberarzt der Intensivstation der Kinderkardiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. "Wenn das Kind allerdings nicht ausreichend stark hustet, müssen Eltern schnell aktiv werden. Am besten helfen wirklich kräftige Schläge auf den Rücken, um einen künstlichen Hustenstoß zu erzeugen." Gleichzeitig sollte man sofort den Notarzt rufen. Gelingt es nicht, den Fremdkörper zu beseitigen und der Zustand des Kindes verschlechtert sich, kann es notwendig werden bis zum Eintreffen des Arztes eine Herzdruckmassage durchzuführen.

"Liegt der Fremdkörper im tiefen Rachenbereich, sollten die Eltern nicht nach dem Gegenstand fingern", rät der Experte. "Das führt entweder zu gefährlichem Erbrechen oder dazu, dass man das Stück noch tiefer in den Körper hineindrückt." Vorsicht ist aber auch geboten, wenn ein verschluckter Gegenstand nur geringe Symptome verursacht. "Das kann ein leichterer Husten sein oder Atemprobleme, die als Bronchitis oder Asthma fehlgedeutet werden", so Sasse. Auch Würgen oder pfeifende Einatemgeräusche gelten als Hinweis. In allen Fällen ist angeraten einen Arzt zu konsultieren.

Alle Teile entfernen

Entscheidend ist, dass der Arzt alle verschluckten Teile entfernt. "Vor allem die beliebten Nüsse oder ungekochte Karotten können zerbröseln oder in kleine Teile zerfallen", weiß Thomas Nicolai, Sektionsleiter Pädiatrische Intensivmedizin bei der DIVI und Oberarzt der Kinderchirurgie am Klinikum der Universität München. "Denn wenn sie die Atemwege weiter reizen, kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Außerdem können sich dort Bakterien ansiedeln, die sich zu einer echten Gesundheitsgefahr entwickeln können."

Mit Hilfe einer Bronchoskopie können Mediziner alle Gegenstände aufspüren und gleichzeitig entfernen. Diese wird unter einer kurzen Narkose durchgeführt. "Je nach Befund führen wir ein starres oder biegsames Endoskop durch den Mund ein", so der Kinderchirurg. Diese verfügt über eine Lichtquelle und eine Betrachtungslupe. Werden Ärzte fündig, dann kommt immer ein starres Endoskop zum Einsatz. An deren unteren Ende befindet sich eine Zange, mit der eventuell vorhandene Gegenstände ergriffen und entfernt werden können. Säuglinge sollten nach dem Eingriff über Nacht in der Klinik bleiben. Kleinkinder können in der Regel nach einer kurzen Beobachtungsphase wieder nach Hause.

Glücklicherweise nehmen die meisten verschluckten Gegenstände einen natürlichen Weg. Dinge, die kleiner sind als zwei Zentimeter, wandern meist problemlos durch den Verdauungstrakt und werden nach spätesten vier, fünf Tagen ausgeschieden. "Ist das nicht der Fall, müssen wir ebenfalls mit dem Endoskop tätig werden", sagt Nicolai. Immer problematisch sind allerdings Knopfbatterien. Sie können sich im Inneren des Körpers entladen und giftige Inhaltsstoffe freigeben. (red, derStandard.at, 19.10.2012)

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