Bis zu 3,4 Prozent mehr Lohn für die Metaller

19. Oktober 2012, 14:33
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Der Mindestlohn steigt auf 1.636 Euro, das Thema Arbeitszeit wurde aus den Verhandlungen vorerst herausgenommen

Wien - Die 120.000 Beschäftigten der Maschinen- und Metallwarenindustrie erhalten ab 1. November zwischen 3,0 und 3,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Konkret steigt der Mindestlohn für Geringverdiener um 3,4 Prozent, für Besserverdiener um 3,3 Prozent. Der Ist-Lohn erhöht sich bei unteren Einkommensbeziehern um 3,3 Prozent, besser bezahlte Mitarbeiter erhalten 3,0 Prozent mehr.

17-stündiger Verhandlungsmarathon

Der Mindestlohn steigt auf 1.636 Euro. Die Lehrlingsentschädigung erhöht sich um 3,4 Prozent, die Aufwandsentschädigung um 3,0 Prozent. Änderungen bei den Arbeitszeiten gibt es vorerst nicht. Das Thema soll nun in einer Expertengruppe weiter besprochen werden. Darauf haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon geeinigt.

Damit sind beide Seiten gesichtsschonend aus einer festgefahrenen Situation herausgekommen. Die Industrie musste sich von ihrem Herzensthema Arbeitszeitflexibilisierung verabschieden, die Gewerkschaften wiederum mussten sich mit einem niedrigeren Abschluss als im Vorjahr zufriedengeben, wo noch im Schnitt ein Lohnanstieg von 4,2 Prozent erreicht wurde. Unterm Strich bleibt aber für die Arbeitnehmer auch heuer mehr Geld im Börsel, da der Abschluss klar über der aktuellen Inflationsrate von 2,7 Prozent liegt.

Die Arbeitnehmer waren ursprünglich mit der Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn in die Verhandlungen gegangen, die Industrie hatte die Gegenseite mit der Forderung nach Arbeitszeitvereinbarungen auf Betriebsebene gereizt.

Versöhnlicher Abschluss

Beide Seiten zeigten sich nach einer harten Verhandlungsnacht versöhnlich. Der Abschluss sei "hart, aber fair", sagte Pro-Ge-Chefverhandler Rainer Wimmer. Veit Schmid-Schmidsfelden vom Verhandlungsteam der Arbeitgeber sprach von einem Abschluss, der die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe erhalte. Dass der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) heuer erstmals alleine verhandelt hat und nicht gemeinsam mit den anderen fünf Fachverbänden der Metallindustrie, habe sich jedenfalls ausgezahlt. Man habe auf die speziellen Bedürfnisse des FMMI besser eingehen können, so Schmid-Schmidsfelden.

Er bedauerte, dass es keine Einigung bei den Arbeitszeitregelungen gegeben hat, äußerte sich aber gleichzeitig zuversichtlich, dass dies nun in einer Expertengruppe von Arbeitgebern und Arbeitnehmer möglich sein werde. Diese Hoffnung hatte die Industrie schon vor zwei Jahren, die Verhandlungen damals verliefen aber im Sand.

Höheres Konfliktpotenzial

Der Abschluss weicht nach Ansicht des Wifo-Experten Thomas Leoni nicht sehr stark vom Durchschnitt der vergangenen Jahre ab. Mit der vereinbarten Lohnerhöhung werde die Inflation voll abgegolten, dazu gebe es einen "moderaren Zuschlag" in der Größe von sechs bis sieben Zehntelprozentpunkten als Spielraum für eine Reallohnerhöhung, sagte er im Ö1-"Mittagsjournal".

Dass die Verhandlungen dieses Mal so lange gedauert haben, führt Leoni auch darauf zurück, dass heuer erstmals der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) allein - und nicht gemeinsam mit den fünf anderen Metaller-Fachverbänden - verhandelt hat. Das habe das Konfliktpotenzial gesteigert, so der Experte vom Wirtschaftsforschungsinstitut. Erst mittel- bis langfristig werde man sehen, ob die Arbeitgeber damit einen für sie günstigen Weg eingeschlagen haben. Bei den Gewerkschaften hatte das Auseinanderdividieren für großen Ärger gesorgt.

Obwohl es keinen einheitlichen Lohnabschluss mehr für die gesamte Metallerbranche gibt, bleibt nach Ansicht von Leoni die Signalwirkung - zumindest heuer. Der Experte rechnet in den anderen Sparten mit "sehr ähnlichen, wenn nicht identen Abschlüssen". Er nimmt an, dass die Gewerkschaft ganz bewusst einen einfachen Abschluss wollte, um ihn dann auch in den anderen Fachverbänden übernehmen zu können.

Am Freitagnachmittag beginnt die erste Runde der Verhandlung der Nichteisenmetaller für den Kollektivvertrag 2013. Während für die Industrie ein frisches Verhandlungsteam antritt, müssen bei den Gewerkschaften nach dem nächtlichen Verhandlungsmarathon die beiden Chefverhandler Rainer Wimmer und Karl Proyer (GPA) noch einmal ran. An Elan scheint es ihnen nicht zu fehlen - auf die Frage, mit welcher Forderung sie in die Verhandlungen gehen, sagte Proyer trocken: "Fünf Prozent." (APA, 19.10.2012)

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    17 Stunden wurde über den Kollektivvertrag für die 120.000 Beschäftigen der Maschinen- und Metallwarenindustrie verhandelt.

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