Steinbrück gegen Merkel: Ein bisschen Jogi Löw

Kommentar |

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück konnte im ersten Rededuell gegen die Kanzlerin punkten - allerdings nur fürs Erste

Angela Merkel ist eine Politikerin, die sich meistens gut im Griff hat. Doch beim ersten Rededuell mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Deutschen Bundestag sah sie phasenweise so betropetzt drein wie Bundestrainer Jogi Löw nach dem blamablen 4:4 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden.

Man hörte förmlich das „Touché", als Steinbrück ihr hart in der Sache, aber moderat im Ton vorwarf, sie erkläre den Menschen die Eurokrise nicht ausreichend, verschweige, dass Deutschland sich im Falle Griechenlands stärker engagieren werde müssen, und habe Stimmungsmache gegen Athen in der eigenen Koalition zugelassen.

Da saß so mancher Vorwurf, und Steinbrück konnte punkten - allerdings nur fürs Erste. Denn mit Angriffen auf Merkel allein wird er sich nicht bis zur Wahl 2013 retten können. Natürlich möchte das Volk die Fehler seiner Regierung aufgelistet bekommen. Aber irgendwann will es auch hören, was denn der Herausforderer besser machen würde - erst recht, wenn dieser ins Kanzleramt strebt.

Und zur Gretchenfrage „Wie hältst du's mit den Griechen" war von Steinbrück am Donnerstag nicht viel Konkretes zu hören. Von „weiteren Verpflichtungen" der Deutschen sprach er ziemlich nebulös. Das klingt nach Zahlungsaufforderung. Dies wird Steinbrück noch gut begründen müssen, sonst könnten viele Wähler am Ende so unwirsch dreinschauen wie Angela Merkel oder Jogi Löw. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 19.10.2012)

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