Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Euro-Bankenaufsicht, Stärkung der Eurozone, gemeinsame Anleihen, Währungskommissar mit Zähnen, Schuldenfonds, Eurobudget: Die Wunschtüte des EU-Gipfels war so prall wie nie: Daraus soll eine große EU-Reform werden.
Brüssel - Ginge es allein nach dem französischen Staatspräsidenten, hätten er und die übrigen Regierungschefs den EU-Gipfel Donnerstag im Eiltempo erledigen können: "Die einzige Entscheidung, die wir heute treffen, die wir bestätigen müssen, ist die Einführung einer Bankenunion bis Jahresende", gab François Hollande einen Takt vor.
Eine solche neue strenge Bankenaufsicht über 6000 Institute im Euroraum unter der Patronanz der Zentralbank (EZB) zu schaffen, war Ende Juni im Prinzip vereinbart worden. Zweck des Ganzen ist, dass marode Banken in den 17 Ländern der Währungsunion damit auf die Milliardenhilfen des am 8. Oktober gestarteten Euro-Stabilitätsfonds (ESM) direkt zugreifen können. In der Lesart des Franzosen wäre das schon in zehn Wochen, ab 1. Jänner 2013.
Sein Pech: Er ist bei dieser Interpretation früherer Beschlüsse ein wenig Opfer seiner eigenen, ideologisch geprägten Wunschvorstellungen geworden. Im Juni hieß es nur, man wolle das "dringlich bis Jahresende prüfen". Kein Wort von Umsetzung.
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel machte Stunden vor Beginn des Gipfels im Bundestag in Berlin deutlich, dass es Bankenhilfe (und deutsche Garantien) erst geben werde, wenn die Aufsicht operativ funktioniere - nicht wenn legistische Bedingungen auf dem Weg seien.
Nur für Spanien hat man eine (dringliche) Ausnahme gemacht.
Berlin will nicht Milliarden in Banken anderer Länder stecken, bevor Regeln und Strukturen klar sind. Davon kann vorerst keine Rede sein. Einen Vorschlag der EU-Kommission hat die EZB noch nicht einmal erläutert, geschweige denn sind irgendwelche Maßnahmen getroffen, wie tausende Prüfer bis 1. Jänner ihre Arbeit aufnehmen sollen.
Alles kommt etwas später
Diplomaten sagen, ein Start der Bankenunion Mitte 2013 wäre ein schönes Ziel. Denn es bedarf dafür auch noch der Zustimmung aller EU-Länder, die den Euro nicht haben; die nicht in der EZB vertreten sind, und daher befürchten, dass sie ausgetrickst werden. Tschechien droht mit Veto.
Österreich möchte, dass möglichst viele Oststaaten in die neue Aufsicht eingebunden werden.
So sollte es beim ersten Hauptthema des Gipfels zwar zu kontroversiellen Debatten kommen (Großbritannien lehnt alles ab), aber nicht zu konkreten Beschlüssen. Ähnliches galt für zwei weitere damit verbundene Konzepte, die der Stabilisierung des Euro und einzelner Krisenländer dienten: Einführung eines Schuldentilgungsfonds im Euroraum einerseits, Eurobonds andererseits.
Die gemeinsame Schuldenübernahme, für die sich auch Bundeskanzler Werner Faymann aussprach, soll helfen, überschuldeten Krisenstaaten mehr Luft zu verschaffen. Zinsen für Staatsanleihen sollen auf vertretbares Maß gebracht, Marktdruck genommen werden. Gemeinsamen Anleihen ("Eurobonds") könnten große Projekte billig finanziert werden, so das Kalkül. Letzteres vertritt Hollande vehement. Aber auch da ist Merkel vor. Sie lehnt den Schuldenfonds ab, solange nicht sichergestellt wird, dass Eurostaaten sich ernsthaft reformieren, wettbewerbsfähiger werden, Budgetdefizite einer gestärkten Kontrolle durch Brüssel unterzogen werden.
Das Stichwort dazu heißt Fiskalunion. EU-Präsident Herman Van Rompuy legte dazu einen Zwischenbericht vor, wie man zu einer viel engerer Kooperation in der Wirtschafts- und Währungsunion käme. Darin deutete er die Schaffung eines Eurobudgets für gezielte Maßnahmen etwa gegen Jugendarbeitslosigkeit an (hier erfahren Sie mehr zum Eurobudget). Eurostaaten könnten sich freiwillig in Verträgen zu mehr Fiskaldisziplin verpflichten. Bis Dezember will er "einen präzisen und zeitlich verbindlichen Fahrplan".
Deutschland, das sich für einen gestärkten Währungskommissar mit Durchgriffsrecht ausspricht, hofft darauf, dass man bis Dezember sogar einen "Konvent" zur umfassenden Erneuerung der EU-Verträge einberufen kann. Die Pläne für ein "Kerneuropa" sind umstritten. Bundeskanzler Werner Faymann sagte, er würde ein einheitliches Vorgehen aller EU-Staaten bevorzugen, Spaltung sollte vermieden werden. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 19.10.2012)
Die deutschen Verfassungsrichter prüfen, ob die Europäische Zentralbank mit den umstrittenen Staatsanleihenkäufen ihre Kompetenzen überschreitet
Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle stellt die Frage, ob die EZB wirksam die Geldpolitik gegen die Fiskalpolitik abgrenze
Merkel und Hollande drängen auf eine schnelle Lösung bis Frühjahr 2014. Der Rettungsfonds ESM soll flexibler helfen können
Deutsche Verfassungshüter prüfen, ob die Euro-Krisenpolitik mit dem Grundgesetz vereinbar ist
Die Fiskalregel tritt 2015 in Kraft, das Parlament veschärft auch die Referendums-Regeln
Die Kommission gibt den Staaten mehr Raum, pocht aber auf Reformen. Frankreich lehnt Eingriffe ab, Berlin ist irritiert. Einen hauptamtlichen Chef der Eurogruppe wollen beide
Frankreich, Spanien und Italien können erst einmal durchatmen. Die EU-Kommission sieht von einem Defizitverfahren ab
Ein "Nachhaltigkeitsbeitrag" auf Pensionen rettet die siebente Troika-Tranche
EU-Kommissar Günther Oettinger zeichnet laut deutschen Medien ein düsteres Bild von Europa, die Union habe den Ernst der Lage nicht erkannt
Weg für Auszahlung nächster Hilfstranche von zwei Milliarden Euro frei - Drohende Koalitionskrise abgewendet
Die Pläne der EU-Kommission, die Schuldenregeln etwas zu lockern, werden konkreter. Die Regierungen in Deutschland und Österreich sind skeptisch
Ein Hilfsprogramm für Ljubljana sei derzeit aber kein Thema, verlautete vor dem Treffen der Euro-Finanzminister
Zahl der Beamten soll um 30.000 reduziert werden. Jene, die bleiben, sollen 40 Stunden pro Woche arbeiten
Neue Ausgabenkürzungen von rund 800 Millionen Euro
Rezession und Rekordarbeitslosigkeit bereiten Kopfweh. Weniger Tempo beim Sparen in Frankreich und den Niederlanden soll dagegenwirken
Ein Zurück zu Budgetdefiziten sei keine Option, meint Währungsfonds-Chefin Lagarde. Heute steht die EU-Kommission Rede und Antwort
Ökonom Damijan kritisiert die fehlende Konsistenz des neuen und zugleich altbekannten Reformprogramm in Slowenien
Die Mehrwertsteuer könnte erhöht werden. Auch Privatisierungen einer Bank und eines Versicherers sind im Gespräch
Die Sparpolitik stößt für Kommissionspräsident Barroso an ihre Grenzen, ohne schmerzhafte Einschnitte wird es aber nicht gehen, sagen IHS und Wifo
Der Ratingriese konstatiert trübere Ausblicke für die wirtschaftliche Entwicklung sowie die staatlichen Finanzen
Der Staat könnte sich aus rund der Hälfte seiner 21 Unternehmen zurückziehen
Analyst Valentin Hofstätter meint, die Einbeziehung der Sparer bei einer Bankpleite sei die "Rückkehr zum Normalfall"
Für den US-Starinvestor sind Euro-Bonds ein Heilmittel gegen die Krise, mit Berlin geht er hart ins Gericht
Gott sei Dank haben wir die Frau Merkel in der EU, die mit Hirn und Sachverstand die Debatten immer wieder in vernünftigen Bahnen hält. Der Sozialist Hollande stellt sich unverständlicherweise ganz auf die Seite der Banken denen er freien Zugriff auf EU-Gelder verschaffen will.
nächsten paar Jahre in die Depression. Wenigstens braucht man sich da über Inflationsgefahren keine Sorgen machen, und alle die jetzt Gold horten und sich überteuerte Immoblilien kaufen haben aufs völlig falsche Pferd gesetzt.
kann man das System wieder stabilisieren. Die Amis haben nach dem 2 WK die 5000 Milliarden Dollar Rechnung des Krieges weginflationiert ergebnis 50 % Kaufkraftverlust in der Nachkriegszeit, das haben wir zu erwarten mit ohne ohne Merkel
ist gibt es sicher keine Inflation sondern viel eher eine Deflation, und unsere teutonische Angie wird durch ihren 'Realitässinn' schon dafür sorgen, dass wir in den nächsten paar Jahren schön tief in der Rezession bleiben. Auf den deutschen Wahnsinn können Sie ruhig bauen! Auf den können Sie sich verlassen!
Ich glaube eher, daß wenn 2 Europapolitiker sprechen und der Faymann kommt dazu, sie nur nett lächeln und untereinander weitersprechen...
Deshalb ist er ja früher nie hingegangen. Und deshalb, um sich etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen, winkt er immer mit österreichischem Geld. Das nehmen die anderen gerne...
echt, herr mayer?
hat nicht die eu-kommission selber vorschläge gemacht, wie die ezb ab 1.1.2013 mit der bankenaufsicht anfangen soll?
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 55259.html
leidet die komission etwa unter den selben ideologischen vorurteilen wie herr hollande?
oder haben sie als korrespondent einfach ein wenig verschlafen, was sich in brüssel so in den letzten wochen getan hat?
Die EU-Kommission hat diesen Vorschlag nach der Aufforderung des EU-Gipfels vom 29. Juni nach dem Sommer präsentiert. Der Ecofin hat ihn in Nicosia am 14. September ausführlich erörtert, und es war damals schon klar, dass die BA nicht am 1. Jänner starten kann: aus technisch-organisatorischen Gründen. Hollande wollte nun beim EU-Gipfel nachkarteln, würde sagen von innenpolit. Problemen ablenken. Ist ihm nicht gelungen.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.