Gut programmiert, durchschnittlich interpretiert

Das Israel Philharmonic Orchestra mit Zubin Mehta

Wien - Ein klug zusammengestelltes Programm: Hindemiths Symphonie Mathis der Maler entstand unter den bedrückenden Schatten der Nazi-Herrschaft, ebenso wie das Israel Philharmonic Orchestra. Mitte der 1930er-Jahre wurde Paul Hindemith, trotz öffentlicher Fürsprache Furtwänglers, von den Nationalsozialisten immer offener angegriffen. Zur selben Zeit hatten jüdische Flüchtlinge aus Mitteleuropa in Tel Aviv das Palestine Orchestra gegründet, welches 1948 mit der Unabhängigkeit Israels seinen neuen, staatstragenden Namen bekommen sollte.

Darauffolgend Mozarts Sinfonia concertante, als Reverenz an den Auftrittsort wie auch an das hohe Zivilisationsgut des respektvollen Dialogs. Und schlussendlich Richard Strauss' Tondichtung Also sprach Zarathustra als lebensbejahendes Statement, wohl auch als eines der Freiheit von Berührungsängsten des Orchesters vor einem von den Nationalsozialisten vereinnahmten Werk.

Dynamische Üppigkeit

Die Aufführung der drei Stücke im Wiener Musikverein ließ jedoch Wünsche offen: Schon der Beginn des Engelskonzerts, von Chefdirigent Zubin Mehta diesseitig-robust zugelassen, machte stutzig, sollte sich jedoch als adäquate Eröffnung für das sachlich-abgebrühte Musizierverhalten der Musikerinnen und Musiker erweisen (die Hälfte davon stammt aus der früheren Sowjetunion und aus Nordamerika). Im dritten Satz der Hindemith-Symphonie misste man Zuspitzung, Schärfe, Dämonie: Etliche Fortissimo-Schläge schafften es nur zu einem lustlosen Forte ohne Kern und Kontur.

Bei der Wiedergabe von Mozarts Sinfonia concertante durch Ilja Konovalov und Roman Spitzer, den Konzertmeister und den Solobratschisten des Orchesters, verwischten Ausrutscher ins Terrain des Schmalzes und der Schwammigkeit ein klar gezeichnetes interpretatorisches Profil. Die emotionalen und dynamischen Üppigkeiten, die Dirigent und Musikern aus der Partitur von Richard Strauss' schöpfungsumspannenden Opus 30 entgegenquollen, wurden von diesen engagiert weitergegeben; eine philosophische Dimension des Werkes war jedoch kaum spürbar.

Vom kapellenhaften Schmiss der zwei Zugaben befeuert (Hellmesberger jun. , Dvorák), machte das Publikum schlussendlich doch noch mit begeisterten Bravorufen von sich hören.   (Stefan Ender, DER STANDARD, 19.10.2012)

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