Die jungen Meister der alten Werthners

  • Es müssen nicht immer österreichische Paradiese sein. Auch im Höhentraining am Fuße des Vulkans Teide auf Teneriffa treibt die Zehnkampf-Union das Projekt Athletic Dreams voran.
    foto: zehnkampfunion

    Es müssen nicht immer österreichische Paradiese sein. Auch im Höhentraining am Fuße des Vulkans Teide auf Teneriffa treibt die Zehnkampf-Union das Projekt Athletic Dreams voran.

Die Zehnkampf-Union aus Linz dominiert mit ihrem Nachwuchs Österreichs Leichtathletikszene - Nach mehr als einem Jahrzehnt Förderung von Talenten halten drei Werthners ihr Modell nicht nur für herzeigbar

Wien - Just am Tag, als die Sportsprecher der Parlamentsparteien vor TV-Kameras über den einhelligen Ruf der 183 Nationalratsabgeordneten nach der täglichen Turnstunde frohlockten, präsentierten im Keller eines Wiener Innenstadtwirtshauses die Brüder Werthner in kleinem Rahmen ihr bemerkenswertes Wirken an der sportlichen Basis. Georg, Roland und Ulrich Werthner schupfen die Linzer Zehnkampf-Union, die in diesem Jahr den österreichischen Leichtathletik-Cup in Konkurrenz zu 123 anderen Vereinen für sich entschied.

Der erstmalige Triumph ist noch lange nicht das Ende einer Fahnenstange, die die Werthners zur Jahrtausendwende mit einer Trainer-/Elterngruppe und einer Schar 3- bis 12-jähriger Kinder in die zuweilen triste österreichische Leichtathletik-Landschaft rammten. Für Zulauf sorgten die ersten von bis dato 61 Kinder-Zehnkämpfen, die nach Vorbild der von Georg Werthner, dem einschlägigen Olympia-Vierten von 1980, entwickelten Jedermann-Zehnkämpfe aufgeführt wurden.

Früchte der Arbeit

In den vergangenen drei Jahren schlug sich die Basisarbeit in ersten Meistertiteln nieder, alleine heuer waren es 26, die eine Mannschaft aus rund 50 14- bis 19-jährigen und einigen wenigen älteren Athleten besorgte. Nächster Schritt wird die internationale Bewährung, 2013 etwa bei der Jugend-WM in Donetsk, Ukraine, oder der Junioren-EM in Rieti, Italien. Sportler wie die Kurz- und Mittelstreckenläuferin Susi Walli (16), achtfache Jugend- bzw. Juniorenmeisterin, der Hochsprung-Staatsmeister Josip Kopic (18) oder Zehnkampf-Juniorenmeister Felix Schmid-Schutti (18), im Vorjahr Nummer drei der Jugend-Weltbestenliste, geben zu den schönsten Hoffnungen Anlass.

Freilich lebt das Projekt vom Enthusiasmus vieler Eltern und vom Know-how der Werthners. Trainingswissenschafter Roland, von 1994 bis 1996, also bis zu seiner Einsparung, Kabinettschef des damaligen Sportstaatssekretärs Gerhard Schäffer, ist wie Ulrich, der das Projekt computertechnisch umsetzt, und Ex-Weltklasseathlet Georg ein Experte für Talentsichtung- und sicherung. Gemeinsam haben sie in vielen Sportarten verwendete Talent-Diagnostik-Systeme entwickelt.

Flügel und Träume

Die Arbeit im Verein hatte zunächst mit einem überschaubaren Budget von rund 25.000 Euro zu funktionieren, seit drei Jahren vervierfacht die Stiftung Future Wings der Welser Logistikfirma TGW die Mittel. Die fließen nicht nur für Aufwandsentschädigungen für Betreuer oder in Trainingslager, sondern auch in ein eigenes Lernzentrum für Schüler.

Sportlich redet Vereinsobmann Roland Werthner der Vielseitigkeit das Wort, und der technischen Frühausbildung noch vor der Pubertät. Dabei soll man "in der Kindheit nicht zu viel auf dem Sportplatz machen". Werthner spricht vom Nützen österreichischer Naturparadiese und nennt die Wanderung in einem Bachbett zur Förderung motorischer Fähigkeiten als Beispiel.

Athletic Dreams heißt das Projekt der Werthners, das zu einem nationalen wie internationalen Herzeigemodell ausgebaut werden soll. Und sie verwenden eingängige Slogans wie "Kinderleicht-Athletik statt Kinder-Leichtathletik" oder "spielerisch, aber nicht verspielt". Prinzipiell, erläuterte Roland Werthner, fuße der Erfolg auf einer langfristigen Entwicklungsförderung und Trainingsgestaltung, einer Kombination aus Trainererfahrung und Trainingswissenschaft, einer ganzheitlichen Ausbildung und einer tollen Gruppendynamik.

Davon, dass das Modell mit den vorhandenen Mitteln auf die gesamte heimische Leichtathletik übertragbar sei, sind die Werthners überzeugt. " Bisher", sagt Roland Werthner, "hat das System aber noch nicht reagiert." Unter dem Eindruck des Erfolges der Zehnkampf-Union könnte sich das ändern. Und die tägliche Turnstunde? Roland Werthner: "Da müssen sich die Kinder ein bisschen viel umziehen." (Sigi Lützow, DER STANDARD, 19.10.2012)

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