Weil auch der Tafelspitz sehr fein ist

David Krutzler
18. Oktober 2012, 21:48

Der 34-jährige Deutsche Tommy Haas fühlt sich dem Turnier in Wien verbunden - Der Sieger 2001 genießt den Herbst seiner Karriere

Wien -Mit Geld allein ist Tommy Haas nicht mehr zu ködern. Fast elf Millionen Dollar hat der 34-jährige Deutsche an Preisgeldern in seiner Karriere verdient. In Wien schlägt die ehemalige Nummer zwei der Weltrangliste auf, "weil das Drumherum passt. Den Luxus, dort zu spielen, wo ich mich wohlfühle, kann ich mir mittlerweile leisten", sagt Haas im Gespräch mit dem Standard.

Seine Zeit auf Turnieren nur im Hotel oder auf der Tennisanlage zu verbringen, ist nichts mehr für den Familienmenschen. Zudem gehören die extra aus Deutschland angereisten Eltern Brigitte und Peter unterhalten. Peter stammt aus Graz, der in Hamburg geborene Tommy hat als Baby auch ein halbes Jahr in Wien und später ein Jahr in der Steiermark verbracht. " Heimturnier ist ein zu starkes Wort. Aber mit der Veranstaltung in Wien bin ich sehr verbunden", sagt Haas. "Außerdem lässt sich hier hervorragend spazieren und ins Kaffeehaus gehen. Und der Tafelspitz ist sehr fein." In der Stadthalle ist Haas, der im Vorjahr Qualifikation spielen musste, diesmal als Nummer drei gesetzt. Seinen ersten Gegner, den US-Amerikaner Jesse Levine, fertigte er gestern 6:4 und 6:2 ab.

Wieder unter den Top 20

Das Comeback des Rechtshänders im Spätherbst seiner Karriere ist unglaublich: Noch zu Beginn der Saison war er Nummer 203 im Ranking, seit Montag ist er wieder Top-20-Spieler, zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren. Dabei stand der immer wieder von Verletzungen Zurückgeworfene Anfang 2010 vor dem Karriereende. Erneut waren Probleme mit der rechten Schulter aufgetaucht, Schmerzen an der Hüfte zwangen Haas unters Messer, dazu kam ein Eingriff am Ellbogen. 14 Monate später gelang Haas das Comeback. "Ich wollte schauen, was ich aus meinem Körper noch rausholen kann. Diese Herausforderung habe ich angenommen."

Im Juni 2012 gewann er in Halle sein insgesamt 13. Turnier, im Finale schlug er ausgerechnet den Schweizer Roger Federer. "Roger ist mein Freund, an ihn wird man sich als einen der größten Spieler aller Zeiten erinnern. Gegen ihn auf Rasen zu gewinnen war sicher eines der größten Highlights meiner Karriere."

Die war schon bisher an Höhepunkten nicht arm: 2000 gewann Haas als 22-Jähriger in Sydney die olympische Silbermedaille und erreichte zwei Jahre später als Weltranglisten-Zweiter sein bestes Ranking.

Zweifel

An Platzierungen denkt Haas nicht mehr. "Dafür ist in den ersten Monaten in diesem Jahr zu viel passiert", sagt er. "Ich habe mich gefragt, wieso ich mir das überhaupt noch antue." Das Knie funktionierte nicht, Haas musste fitgespritzt werden, konnte nicht mehr trainieren. Dann kamen Erfolge beim Heimturnier in München und bei den French Open in Paris. Und dann kam Halle.

"Ich wollte noch einmal schauen, ob ich die besten 20 packe", sagt Haas. " Jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Ich bin nicht mehr hungrig genug, die Top Ten anzugehen. Ich möchte bei den großen Turnieren weit kommen und dort spielen, wo es mir Spaß macht. Dann sieht man ja, was noch rauskommt."

Mit seiner Frau, der Schauspielerin Sara Foster, und Tochter Valentina Evelyn lebt Haas in Los Angeles. "Kein schlechter Fleck zu leben", sagt Haas. "Auch wenn ich die europäische Kultur vermisse. Dafür geht man dort eben an den Beach." Tennis spielen will er so lange, "bis meine Tochter realisieren kann, was ihr Vater da so macht. Sie wird bald zwei Jahre alt. Nächstes Jahr spiele ich sicher, aber vielleicht muss ich noch ein Jahr dranhängen." (David Krutzler, DER STANDARD, 19.10.2012)

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22 Postings

"Haasi" hat heute einen grottenschlechten Tag...

wenna gewinnt isa halber oesterreicher, wenna verliert bleibta a piefke.

Der is scho längst "Ami".

Als selbst Einhänder (BH) natürlich einer meiner Favoriten.

http://www.youtube.com/watch?v=8gQ2NhteF44 :)

geht mir genau so,

eine der schönsten, aber mit Sicherheit eine der allerbesten einhändigen aller Zeiten.

übrigens, falls es wen interessiert...

das war das Australian-Open-Viertelfinale gegen Davydenko im Jahr 2007.

den vierten Satz hat er dann noch klar 6:1 gewonnen(Selbstgesprächen sei Dank) und den fünften 7:5!

Im Halbfinale unterlag er dann allerdings Gonsalez..

leiwand.

Bei haas fällt mir immer die tolle backhand ein.Schön langsam werden die spieler mit denen man aufgewachsen ist immer weniger.gott sei dank gibts noch einen haas,federer leider keinen marat mehr.

Gibts das Wort Rückhand nicht mehr? Schon etwas lächerlich wenn man englische Worte verwendet wenn es seit Ewigkeiten auch ein deutsches Wort mit genau derselben Bedeutung gibt... am schlimmsten find ich "Racket". Interessanterweise kenn ich niemanden der so einen Blödsinn sagen würde, aber wenn man schreibt muss es heutzutage anscheinend Englisch sein. (Und falls jetzt jemand sagt dass ich kein Englisch kann - ich habe viele Jahre im englischsprachigen Ausland gelebt, kann also beide Sprachen ausgezeichnet. Aber eben so wie sie sich gehören, und nicht mit hirnrissigem Sprachmischmasch nur um ach so modern und lässig zu wirken.)

Jetzt halt Dich fest: Slice, Topspin, Volley, Smash, Return, Eastern/Semi-Eastern/Western/Semi-Western/Hawaiian, ...

OUT!

So, jetzt geh ich eine racchetta besaiten.

longline, crosscourt, inside-out, outside-in, passing shot, let, service, game, point, match sind auch nicht zu vergessen.

Sagst du wirklich "point" und "passing shot"?

Äh, ich meinte "ich geh ein racquet stringen".

hmm

ich glaube ich verstehe was sie meinen. Mir passiert es autom., dass ich englische Wörter verwende. Jedoch, weil ich Sprache nicht als etwas statisches sehe, ist es auch kein Problem. Irgendwann war was Wort "Problem" das aus dem...griechischen kommt, und man hat anders im Germanischen gesagt, dann wurden es eben mehr Leute die es verwendeten.

Wörter werden durch andere abgelöst und verschwinden, werden durch neue von aussen ersetzt und auch diese werden wieder abgelöst. Das ist der friedliche Lauf der Dinge.

Jemanden zu unterstellen er würde es NUR machen damit er interessanter klingt, ist eine unfreundliche Spekulation und eine Unterstellung ohne Beweisse, aber man kann ja fest daran glauben und der Glaube macht stark. :-(

sagst du wirklich schmetterball, flugball, unterschnitt, oberschnitt ... ??

Oberschnitt??? :-)

naja, weiss ja ned ob das der gängige deutsche ausdruck für an topspin is ... im tt kann mans sagen

Ich glaub im Tennis wär's eher "Vorwärtsdrall", aber is ja eh genau blunzn. Sagt ja wirklich kein Mensch.

Meine intention war es nicht modern und lässig zu wirken,hat sich halt in meinem sprachgebrauch eingenistet das wort backhand,wird an eurosport liegen.ich finde dieses mischen der sprachen auch schrecklich,wobei backhand da noch das harmloseste ist.

also solange es sich nur um "racket" und "backhand" handelt, hab ich eigentlich kein problem damit. schließlich ist auch hierzulande "smash" viel geläufiger als "schmetterball".

aber ganz allgemein (nicht ungedingt auf tennis bezogen) gebe ich dir vollkommen reicht. dieser ständige einsatz von englischen wörtern ist unterm strich doch nur angeberei um hip, modern, cool und gebildet zu wirken.

frau sara foster, ja, und schwiegervater david foster, dem wir u.a. i will always love you, unbreak my heart oder i swear verdanken... *würg*

anyway, mega-comeback. er ist ja auch schon ein naturalized american, insofern kein piefke-alarm. sicher einer der most popular players auf der tour.

mehr englische wörter fallen mir nicht ein, insofern abschließend viel glück. schade dass es nicht zu einem gs-finale oder gar titel gereicht hat.

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