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vergrößern 600x400Jugendliche Drifter machen Rast auf ihrem Streifzug durch einen undurchdringlichen Wald: "Leones".
Zwei junge Frauen und drei junge Männer streifen durch einen Wald. Viel mehr geschieht nicht in Leones, dem Regiedebüt der argentinischen Regisseurin Jazmin Lopez, aber zu sehen, wie es geschieht, ist beeindruckend. Die Kamera blickt oft von hinten auf die Figuren und gleitet dann seitlich an ihnen vorbei, verliert sie dabei aus dem Blickfeld, kreist, findet sie wieder. Sie beschreibt geschwungene Bahnen, Achten, und oft ist der Bildausschnitt so gewählt, dass man den Boden nicht sehen kann, was dem Film etwas Schwebendes verleiht, es hat von Anfang an den Anschein, als hätte Leones die Anbindung ans Irdische aufgegeben. Nur kann man zu diesem Zeitpunkt des Films noch einordnen, was man da sieht.
So wie die Kamera kein Ziel kennt, so scheinen auch die Figuren keins zu haben. Sie spielen Volleyball mit einem imaginären Ball, sie stellen sich die Aufgabe, Sätze zu bilden, die aus sechs Wörtern bestehen, sie baden in einer Lagune, pflücken Aprikosen in einem Hain, ziehen weiter und landen eine Weile später wieder an derselben Stelle. Sorgen um profane Dinge machen sie sich nicht. Der Einbruch der Dunkelheit, Mückenstiche oder Trinkwasservorräte liegen jenseits ihres Wahrnehmungshorizontes.
Das Einzige, was sie vom puren Aufgehen in der Gegenwart trennt, ist die Suche nach einem Haus. Dazu benutzen sie eine Landkarte, die wiederum eher in einem Traum denn in einem topografischen Institut gefertigt worden zu sein scheint. Eine der jungen Frauen hat eine Wunde im Nacken, die andere kommt an einem Autowrack vorbei, das auf unerklärliche Weise ins Unterholz gelangt ist. Es dauert trotzdem noch eine Weile, bis man begreift, dass diese Figuren nicht ganz von dieser Welt sind. Spätestens als eine der beiden Frauen das Lied Devil Town von Daniel Johnston singt, ist es so weit. " I was living in a devil town / Didn't know it was a devil town / Oh Lord, it really brings me down / About the devil town / And all my friends were vampires / Didn't know they were vampires / Turns out I was a vampire myself."
Manches an Leones verhält sich epigonal zu Filmen von Lisandro Alonso oder Apichatpong Weerasethakul. Bestimmte Topoi des Weltkinos - lange Einstellungen, das beinahe toxische Grün eines geheimnisvollen Waldes, das Sirren, Summen, Zwitschern und Zirpen auf der Tonspur - haben sich ein wenig verbraucht. Das macht aber im Fall von Leones nicht viel, denn die Art und Weise, wie die 1984 geborene Regisseurin ihren Film behutsam ins Fantastische verschiebt und damit an die Tradition der posthumen Erzählungen anknüpft, ragt, zumal für ein Debüt, heraus. (Cristina Nord, DER STANDARD, 19.10.2012)
5. 11., Stadtkino, 13.00
6. 11., 20.30
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