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vergrößern 800x600Alles nur ein Missverständnis. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte die jüngste Herabstufung von Spanien durch die Ratingagentur S&P scharf. Die Finanzmärkte hätten übertriebene Erwartungen an das Land gestellt und einfach nicht verstanden, wie erfolgreich die jüngsten Maßnahmen in der Eurozone eigentlich waren.
Dabei ist es angebracht, die Spanienrettung zu hinterfragen. So hat Schäuble selbst mit seinen Kollegen ernsthafte Zweifel an dem bereits groß angekündigten Rettungspaket für die spanischen Banken geschürt. Tatsächlich ist die Spanienstrategie der Eurozone noch alles andere als in Stein gemeißelt. Ob und um welche Summe Spanien um Hilfe ansuchen wird steht noch nicht fest. Noch wurde lediglich geredet, aber noch nichts beschlossen. Auch das Anleihenkaufprogramm der EZB bleibt noch vage. Die Märkte bejubelten zwar die jüngsten Maßnahmen mit fallenden Zinsen für spanische Bonds. Es bestehen aber noch deutliche Umsetzungsrisiken. Der heutige Gipfel ist ein Schritt dieses Weges.
Nun geht es nicht darum, die Meinung der Ratingagenturen zu verteidigen. Sie haben und werden sich oft genug irren und wie die Kollegen von FTAlphaville geradezu komödiantisch zeigen, sind sich die einzelnen Agenturen nicht immer einig. Moody's etwa hat das Rating von Spanien heute bei Baa3 belassen.
Aber Zweifel an der Nachhaltigkeit der spanischen Finanzen als Missverständnis abzutun, ist falsch. Denn das Land steht tatsächlich vor großen Herausforderungen. Es hat einen der größten Immobilienbooms weltweit hinter sich und muss noch etliche Leichen aus den Kellern der Banken räumen. Und zweitens hat es diesen Boom mit ausländischem Kapital finanziert. Spanien hat netto (Forderungen und Verbindlichkeiten gegengerechnet) externe Schulden im Ausmaß von über 90 Prozent der Wirtschaftsleistung angehäuft, so viel wie kaum ein anderes Euroland (Italien hat weniger als 40 Prozent des BIP an Außenständen, wenn man die Auslandsvermögen abzieht). Wenn jetzt das ausländische Kapital flüchtet (siehe Grafik) ist das ein alarmierendes Zeichen.
So hat der Internationale Währungsfonds in einer aktuellen Studie zum Erfolg und Misserfolg von Budgetkonsolidierung gezeigt, dass Industrieländer, die sich um mehr als 100 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet haben, nur unter besonders guten wirtschaftlichen Umständen ohne große Krisen von dem hohen Schuldenberg gekommen sind. Die Währung war dabei ein wichtiger Faktor, doch Spanien ist – wie unter einem Goldstandard – eine Abwertung verwehrt. Zugleich hat es eine hohe Auslandsverschuldung und ein hohes Defizit. Alles keine guten Voraussetzungen.
Die anhaltende Bankenkrise
Dazu kommt, dass das Land mit einer veritablen Bankenkrise zu kämpfen hat. Am Donnerstag hat die Zentralbank neue Zahlen zum Bankenmarkt vorgelegt. Die notleidenden Kredite der spanischen Banken sind auf 10,5 Prozent im August gestiegen (Link). Im Juli waren es noch 10,1 Prozent.
Tatsächlich bleiben die Banken die Achillesferse der spanischen Wirtschaft. Im internationalen Vergleich hat Spanien noch recht wenig an schlechten Schulden abgeschrieben, gleichzeitig werden die Immobilienpreise wohl noch weiter fallen (siehe auch hier). Bislang waren die Banken recht langsam, dabei Verluste zu realisieren. Doch seit März 2012 alleine sind die gesamten Bankbilanzen um knapp vier Prozent geschrumpft. Seit dem Höhepunkt der Blase sind es damit knapp zehn Prozent (siehe Grafik).
Spanien kämpft mit den Folgen einer Banken- und Zahlungsbilanzkrise. Wenn die nächsten Schritte, allen voran die Rekapitalisierung von solventen und die Schließung von insolventen Banken, nicht rasch gegangen werden, dann wird die Kapitalflucht anhalten und die Kosten der Aufräumarbeiten noch vergrößern. Noch mehr Kapitalflucht bedeutet noch marodere Banken bedeutet noch mehr Kosten für das spanische Volk - oder im Falle der ESM-Aktivierung der europäischen Steuerzahler.
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