Lebensfeindliche Meerestemperaturen in der frühen Trias

  • Ein Conodontenzahn, durch ein Elektronenmikroskop gesehen. Mit Hilfe dieser Fossilien lässt sich die Temperatur rekonstruieren.
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    foto: yadong sun

    Ein Conodontenzahn, durch ein Elektronenmikroskop gesehen. Mit Hilfe dieser Fossilien lässt sich die Temperatur rekonstruieren.

Vor 250 Millionen Jahren zwangen Werte bis zu 40 Grad Celsius Meerestiere zum Abwandern

Extrem hohe Temperaturen brachten während der frühen Trias vor etwa 250 Millionen Jahren ganze Ökosysteme auf der Erde zum Erliegen. Die Oberflächentemperaturen des Urzeitmeeres könnten zeitweilig 40 Grad Celsius überschritten haben.

 

Washington - Ein Zeitreisender würde die Erde nicht wiedererkennen. Vor rund 250 Millionen Jahren gab es unsere Kontinente noch nicht, dafür erstreckte sich eine einzige, gekrümmte Landmasse von der Nord- bis zur Südpolregion. In der Mitte ein teilweise umschlossener Ozean: die Tethys.

Dieses Meer war zeitweilig merkwürdig dünn von Lebensformen besiedelt. Paläontologen finden in seinen Ablagerungen aus dem Beginn des Trias-Zeitalters praktisch keine Fisch-Fossilien, und von den sich damals entwickelnden Meeressauriern fehlt im Tethys-Bereich gar jede Spur.

Zuvor, am Ende der Perm-Epoche, hatte es gleichwohl ein massives, globales Artensterben gegeben. Auslöser waren wahrscheinlich zahlreiche, hochaktive Vulkane im heutigen Sibirien, erklärt der britische Geowissenschafter Paul Wignall von der University of Leeds gegenüber dem Standard. Diese Schlote hätten massiv CO2 und andere Treibhausgase ausgestoßen und so einen weltweiten Treibhauseffekt ausgelöst.

Die steigenden Temperaturen, auch des Meerwassers, haben anscheinend zu Störungen der Wasserzirkulation geführt, meint Wignall. Mit fatalen Folgen. "Sauerstoffmangel machte sich in den Ozeanen breit." Es entstanden riesige Todeszonen, in denen das Leben erstickte. Am Anfang der Trias jedoch scheint sich die Lage wieder entspannt zu haben. Überlebende Tierarten begannen, sich erneut zu diversifizieren.

In der Tethys aber wollte die Erholung nicht richtig Fahrt aufnehmen. Der Ursache dieses Phänomens ist nun ein internationales Forscherteam, zu dem Paul Wignall gehört, auf die Spur gekommen. Die Experten analysierten die chemische Zusammensetzung fossiler Conodonten-Zähne und fanden dort eindeutige Hinweise.

Conodonten waren primitive, aalähnliche Tiere, die die Urmeere bevölkerten. Auch in der Tethys verschwanden sie nicht ganz. In ihren Zähnen sank der Anteil des Sauerstoff-Isotops 18O, je wärmer das Wasser war - für Wignall ein erstaunlich zuverlässiger Indikator prähistorischer Temperaturen.

Die im Fachblatt Science publizierte Studie, an der auch das Institut für Erdwissenschaften der Uni Graz beteiligt war, zeigt deutlich eine Erwärmung des Meerwassers am Ende des Perm. Und mehr: Nur gut eine Million Jahre später traf ein neuer Hitzeschock die Tethys. Den Messungen nach könnte die mittlere Oberflächentemperatur am Äquator sogar die Marke von 40 Grad Celsius überschritten haben. Den Fischen und anderen Tierarten dürfte das zu heiß gewesen sein. Kalkalgen verschwanden ebenfalls. Heute liegen tropische Wassertemperaturen bei 25 bis 30 Grad.

Die Hitze zeigte auch an Land Wirkung. Wälder und Torfsümpfe verdorrten offenbar weitgehend. "Die frühe Trias ist einzigartig, weil es aus der Zeit weder Steinkohleschichten noch Torfablagerungen gibt", meint Wignall. Dementsprechend fand auch nur wenig Kohlenstoff-Speicherung statt, das CO2 verblieb vorerst in der Atmosphäre. Die Hitzewelle dauerte hunderttausende Jahre an. (Kurt de Swaaf /DER STANDARD, 19.10.2012)

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