Mit dem A ins G

Karl Fluch
18. Oktober 2012, 19:06
  • METZ aus Kanada. Giftige Gitarren, grimmiges Haudrauf, gute schlechte 
Laune.
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    foto: sub pop

    METZ aus Kanada. Giftige Gitarren, grimmiges Haudrauf, gute schlechte Laune.

Das kanadische Trio METZ spielt Noiserock alter Schule. Auf seinem titellosen Debüt fährt es zehn Songs mit breitem Grinsen gegen die Wand. So soll es sein

Irgendwann Mitte der Nullerjahre hieß es, es sei jetzt bald so weit. Es komme sicher demnächst, und irgendwie wirkte das schlüssig, aber es wurde doch nichts draus. Ein Noiserock-Revival erreichte uns bis heute nicht. Zwar gab es ein paar Bands, die sich ein wenig an der Form gerieben haben, aber die Ergebnisse waren meist lächerlich. Noiserock ist ein eher unpräziser Begriff für die Musik einiger garstiger Bands aus den 1980ern, die meist im US-Underground ohne Hoffnung auf größere Karrieren Frust abbauten, indem sie sich mit krachenden Gitarren und misshandeltem Schlagzeug Luft machten. Dieses Milieu bildete den Boden, aus dem wenige Jahre später mit ein paar gezogenen Zähnen Grunge wuchs und die Welt eroberte.

Noiserock war trotz seiner tendenziell negativen Weltsicht eine heitere Disziplin. Man denke nur an die aus Madison im US-Bundesstaat Wisconsin stammenden Killdozer, die mit verlangsamtem Meuchelrock dem Sozialismus das Wort führten und sich als Vertreter des "Sped-Rock" ausgaben: " Special education, slow learners, we relate to them", wie es Killdozer-Chef Michael Gerald grinsend formulierte. Das heißt, man muss seine Anliegen für die Hohlköpfe da draußen langsam formulieren, auf dass sie es kapieren.

Als Kollateralsegen dieser Boshaftigkeit fiel herrlich grimmige Musik ab, die sich durch Country ebenso fräste wie durch Southern Rock. Kurz, wenn man den Begriff Noiserock bemüht, sollte man an Bands wie Killdozer, Scratch Acid und vergleichbare Kaliber denken. Mit ihnen gilt es zumindest gleichzuziehen, Lautstärke allein reicht da nicht.

Natürlich kranken die meisten diesbezüglichen Anläufe an der Ungnade der späten Geburt. Alles hat's schon einmal gegeben - Pech, Pech - aber nun ist es wieder einmal so weit: Der kanadischen Formation METZ eilt die Zuschreibung Noiserock voraus. Beim virtuellen Orakel der hippen Weltmusikjugend, Pitchfork Media, firmiert ihr eben erschienenes Debüt unter "Best New Music", was bei einer bald 30 Jahre alten Form der Heiterkeit unfreiwillig zuarbeitet, aber egal. Der hoppertatschigen Nomenklatur zum Trotze kann man bereits nach dem ersten ohrenputzenden Durchgang sagen: Ja, heiliger Bimbam, METZ spielen Noiserock.

Er klingt einerseits nach alter Schule, muss ja, andererseits explodiert er in jugendlicher Frische, die man zuletzt bei den angegrauten älteren Herren von The Jesus Lizard erlebt hat. Alex Edkins, Hayden Menzies und Chris Slorach kanalisierten all ihre Energie in zehn akustische Watschen mit konvenierenden Titeln wie Headache, Rats, Wasted oder Negative Space, aufgenommen in der Isolation eines Stalles in der Pampa. Des Sängers Idiom rangiert zwischen jenen von Johnny Lydon und David Yow, besitzt also das Potenzial zu nerven, und auch darum geht's. Noiserock ist keine gefallsüchtige Kunst, sondern sucht seinen Weg zum Gesicht mit dem Arsch zu gehen. Eine knappe halbe Stunde brauchen METZ dazu. Die Gitarren klingen wie Drillbohrer, nach schlechter Laune in guter Gegend.

Auch wenn jede Revivalmusik immer Schablonen strapaziert, jene von METZ wehrt sich mit allen Mitteln dagegen und kriegt so die Kurve. Hässlich kann so schön sein. (Karl Fluch, Rondo, DER STANDARD, 19.10.2012)

METZ: "Same" (Sub Pop)

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12 Postings
Eine Band

die heisst wie mein verhasster DG-Professor hat bei mir leider keine Chance...

eine noiserock-band im oben beschriebenen sinne sind die YOUNG WIDOWS. leider hierzulande wenig bekannt, in den USA schon seit ein paar jahren als erneuerer in der tradition von jesus lizard gehandelt.

check out: http://www.youtube.com/watch?v=dgdv5JVJhHY

ODER:

http://www.youtube.com/watch?v=w... re=related

METZ sind ganz okay. die abgrundtief-verzweifelte bosartigkeit, die die dieses genre voraussetzt, fehlt aber. by the way, warum werden UNSANE in dem artikel nicht erwähnt? talking about noiserock!!!!!

...

... mir scheint, der fluch liest spex.

karl fluch
03
19.10.2012, 12:28

seit zirka zehn jahren nicht mehr.

danke für den tip auch hier,

mir sind die auch über die kanäle pitchfork bzw. den verteiler von subpop aufgefallen, vinyl ist schon unterwegs *freu*
der satz "Noiserock ist keine gefallsüchtige Kunst, sondern sucht seinen Weg zum Gesicht mit dem Arsch zu gehen." made my day!
guter stoff, gute schreibe!

Artikel gut, Band gut, alles gut.

Danke Karl!

noise rock? revival?

meiner meinung nach war noise rock niemals verschwunden - eventuell nur aus den augen/ohren diverser medien... was ist mit bands wie lightning bolt oder, aktueller, den magik markers etc... ich würde eher sagen es ist eine lebendige musikrichtung.

seh ich auch so. gerade in den letzten jahren hat sich v.a. in frankreich und italien (auch deutschland) eine lebendige szene auf diesem gebiet entwickelt, die man live immer wieder im rhiz, arena-dreiraum oder dem fluc-café mitverfolgen konnte. karl fluch scheint vor allem vom blues-geerdeten amerikanischen noise-rock zu schreiben, der sicherlich eine köngis-disziplin dieses genres darstellt. wen´s interessiert: die chrome chranks gibt es wieder und sie gehen im april 2013 auf tour.

Nett, aber wo bleibt der Noise? Da hätte ich eher an so Sachen wie Sonic Youth - Diamond Sea (25min Version) gedacht.

So soll es sein!
nuff said

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