Biotech-Medikament für Behandlung bei Morbus Crohn

20. Oktober 2012, 17:44
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Wenn erste Therapie mit monoklonalen Antikörpern fehlgeschlagen ist - Studie mit österreichischer Beteiligung

Wien/Boston - In Österreich leben rund 80.000 Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa; Morbus Crohn). Wenn die medikamentösen Therapien nicht ausreichend helfen, kommt es zu Komplikationen. Oft müssen die Patienten wiederkehrend operiert werden. Biotech-Medikamente haben die Situation vor einigen Jahren wesentlich verbessert, doch nicht bei allen Patienten wirken sie. Eine sogenannte Second-Line-Therapie kann hier laut einer neuen Studie im "New England of Journal" doch noch helfen.

Es handelt sich dabei um den monoklonalen Antikörper Ustekinumab. Cortison, Chemotherapeutika wie Methotrexat, Azathioprine etc. und - seit einigen Jahren - monoklonale Antikörper zur Hemmung des Entzündungsbotenstoffes Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alfa) waren die bisherigen medikamentösen Strategien. Die TNF-alfa-Blocker waren ein echter Durchbruch. Doch, so William Sandborn (Universität von Kalifornien in San Diego/USA) und seine Co-Autoren (darunter auch österreichische Wissenschafter, zum Beispiel Harald Vogelsang von der MedUni Wien/AKH) in der neuesten Ausgabe des "New England Journal of Medicine": "Ein Drittel der Patienten sprechen darauf von Anfang an nicht an. Bei einem weiteren Drittel gibt es nur ein vorübergehendes Ansprechen." Bei diesen Patienten ist offenbar die Blockade von TNF-alfa nicht ausreichend, um die chronisch-entzündlichen Vorgänge im Darm mit Schmerzen, ständigem Durchfall und der Gefahr von Perforationen zu hemmen.

Mögliche Alternative

Mit dem monoklonalen Antikörper Ustekinumab (Janssen-Cilag) könnte hier eine mögliche Alternative gefunden worden sein. Er hemmt zwei Immunbotenstoffe: Interleukin-12 (IL-12) und Interleukin-23 (IL-23). Vogelsang von der Universitätsklinik für Innere Medizin III (Gastroenterologie; MedUni Wien am AKH): "Auch IL-12 und IL-23 sind entzündungsfördernde Botenstoffe." Sie stünden aber nicht derart zentral im Mittelpunkt dieser Mechanismen wie TNF-alfa.

In einer groß angelegten klinischen Studie erhielten 132 Patienten ein Placebo, 394 hingegen regelmäßig das neue Medikament (Ustekinumab), zunächst als Infusion und bei Ansprechen dann per Injektion unter die Haut. Untersucht wurden auch unterschiedliche Dosierungen.

Nach 22 Wochen sprachen 69,5 Prozent der Patienten auf die neue Therapie an, die Rate unter den Placebo-Probanden lag bei 42,5 Prozent. Der Unterschied war statistisch hoch signifikant. Bei denjenigen Probanden, die von Anfang an eine Wirkung zeigten, ließ die Dauerbehandlung bis zur 22. Woche die Häufigkeit eines Verschwindens der Symptome auf 41,7 Prozent ansteigen (Placebo: 27,4; auch das war statistisch signifikant." Trat aber am Anfang keine Wirkung ein, brachte auch eine Dauertherapie keine Besserung.

Vogelsang: "Es gab keine schweren Nebenwirkungen." Gegen schwere Psoriasis wird das Arzneimittel bereits eingesetzt. (APA, 20.10.2012)

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