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Wien - Aus dem Blickwinkel von Kunstkreisen war Leigh Bowery auffällige Muse von Lucian Freud, welcher den voluminösen Körper des gebürtigen Australiers auf Leinwand verewigte. In seinem eigenen Schaffen setzte Bowery hingegen auf Glitter, Glamour, Tüll und Stoff, wenn er sich als lebende Leinwand in der Londoner Clubszene inszenierte. In der Wiener Kunsthalle widmet sich nun die Schau "Xtravaganza. Staging Leigh Bowery" dem Leben und Werk des Grenzgängers zwischen Kunst und Selbstdarstellung mittels einer aufwendigen Präsentation seiner Kostüme, Filme und anderer Utensilien.
Kuratorin Angela Stief hat sich bemüht, die große Halle mit einer Clubatmosphäre zu überziehen. Der Boden ist wie bei Bowerys Haus in Form eines großen Schachbrettmusters gestaltet, auf dessen Spielfeldern die exaltierten Kostüme des Künstlers in charakteristischen Posen arrangiert sind. Auf den Wänden laufen Performancevideos, die auch die Halle beschallen.
Der 1961 in Australien geborene Bowery hatte in den 1980ern die Londoner Undergroundszene aufgemischt. Auf den Bühnen der Nacht inszenierte er mittels Exzess Geschlechterirritation, verband Mode, Musik und Performance im Dienste einer karnevalesken Enthemmung - primär in seinem "Taboo"-Club, aber etwa auch in Wien im Rahmen der "U-Mode"-Schauen.
Peinlichkeit war für ihn ein Mittel des Aufbegehrens, wenn er sich etwa für "The Laugh of No. 12" an einem Fuß aufhängen ließ - Wäscheklammern an den Genitalien und eine schwarze Maske vor dem Gesicht. Legendär auch seine 1988 in der Anthony d'Offay Gallery durchgeführte, einwöchige Performance, bei der sich Bowery in mehreren Outfits vor einem Spiegel präsentierte, der für die Zuschauer auf der anderen Seite transparent war.
Seine persönliche Selbstüberformung sei dabei immer authentisch gewesen, getrieben von Ausdrucksdrang, zeigte sich Stief überzeugt: "Ich finde nach wie vor, dass er seiner Zeit weit voraus ist." Zugleich sei Bowery eine stete Inspiration nicht nur für Maler wie Freud, sondern auch für Modemacher wie Alexander McQueen gewesen.
Dabei sei Bowery als Kunstfigur für eine Kuratorin nicht leicht zu handhaben: "Eine Ausstellung über jemanden zu machen, der selbst ein Kunstwerk ist und nicht mehr lebt, ist ein bisschen komisch." Eigens für die Schau nach Wien gereist ist Bowerys Witwe Nicola Bateman-Bowery, die er 1994 - kurz vor seinem aidsbedingten Tod in der Silvesternacht - heiratete und die ihrem Ehemann an extravagantem Kleidergeschmack in nichts nachsteht.
Über die Ausstellung freute sich bei der Präsentation auch der seit 1. Oktober amtierende neue Kunsthallen-Leiter Nicolaus Schafhausen, der Nachfolger von Gerald Matt: "Wie das so ist, wenn man einen neuen Job anfängt, gibt es positive und negative Altlasten. Das hier ist eine fantastische Altlast." (APA, 18.10.2012)
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