Warum Googles 99-Dollar-Tablet ein Gerücht bleiben wird

  • Nexus 7: Googles Vorzeige-Tablet wird sehr wahrscheinlich keinen billigen Bruder bekommen.
    foto: apa

    Nexus 7: Googles Vorzeige-Tablet wird sehr wahrscheinlich keinen billigen Bruder bekommen.

Strategisch fragwürdig, schlecht vermarktbar, Mutterfirma des Herstellers überrascht

Zahlreiche Medien berichten aktuell darüber, dass Google neben möglichen Varianten des Nexus 7 noch heuer auch ein Sieben Zoll-Tablet im Low-End-Segment veröffentlichen will. Das Gerät soll dementsprechend Minimalansprüche erfüllen und für 99 Dollar über den Tresen wandern. Einiges spricht allerdings klar gegen ein solches Vorhaben.

Die Quelle

Die in Taipei ansässige DigiTimes ist, wie so oft, die Quelle der Gerüchte. Man bezieht sich dabei auf Quellen aus der Herstellerkette. Die DigiTimes gilt zurecht als Branchenblatt und hat bereits die eine oder andere Insider-Information ans Tageslicht gebracht. Sehr oft haben sich Berichte dieses Mediums aber auch schon als falsch erwiesen.

Googles Strategie

Google fährt mit seiner Nexus-Linie bis jetzt eine klare Linie. Gemeinsam mit einem renommierten Hersteller wird ein Gerät entwickelt, das in Sachen Hardware im Highend-Segment angesiedelt ist. Dieses dient in der Regel als Lead-Device für eine neue Generation des Android-Betriebssystems, kommt mit einer "puren" Installation desselben und wird über einen langen Zeitraum mit Updates versorgt.

Das Konzept wurde mit dem Nexus 7 jüngst um ein erschwingliches mit einem performanten Tablet ausgebaut. Am Monatsende folgt - das gilt als so gut wie sicher - mit dem LG Nexus 4 wieder ein Smartphone. Ein Low-End-Tablet würde diese Strategie konterkarieren und dürfte in den großen Märkten der westlichen Industrieländer auch keinen übermäßigen Absatz finden. Eine Option wäre das Gerät eher für aufstrebende Märkte wie Indien oder Brasilien.

Vermarktung

Bestätigen sich die Gerüchte, und am 29. Oktober erscheinen weitere Nexus 7-Tablets, ein Smartphone und möglicherweise auch eine neue Android-Version, bleibt in Sachen medialer Aufmerksamkeit so gut wie kein Spielraum mehr für einen Siebenzöller mit Hardware von vorgestern. Entsprechend schwierig würde sich die Vermarktung nach dem Release auch für Google gestalten

Kommt das Gerät nicht am 29. Oktober, ist ein Erscheinen in diesem Jahr als sehr unwahrscheinlich einzustufen, da nicht anzunehmen ist, dass Google für das Gerät einen eigenen Event im November oder Dezember organisieren wird.

Preispunkt

Kolportiert werden für das Low-End-Tablet ein 800 MHz-Singlecore-Prozessor nebst Mali-400-GPU sowie ein günstigeres Display als jenes des Nexus 7, was eine Auflösung von 1.024 x 600 oder 800 x 480 wahrscheinlich macht. Es ist davon auszugehen, dass das Gerät auch bei den weiteren Komponenten nicht besonders großzügig ausgestattet wäre.

Zu beachten ist, dass vergleichbare Geräte in passabler Qualität aus China zu einem Endkundenpreis von (teils weit) unter 99 Dollar bezogen werden können. Solche Geräte sind unter Markenbranding auch bereits im Westen im Umlauf und kosten bei besserer Ausstattung gleich viel oder nur unwesentlich mehr.

Hersteller

Die Hardware des Billig-Tablets soll Wondermedia liefern. Das Unternehmen gehört zum Chiphersteller VIA. Wie der WebStandard bei einer verlässlichen Quelle in Erfahrung bringen konnte, sind dem Management derartige Pläne aktuell auch nicht bekannt. Auch das ist ein klarer Indikator dafür, dass das Gerücht aus der DigiTimes sich als falsch erweisen dürfte. (Georg Pichler, derStandard.at, 18.10.2012)

Link:

DigiTimes

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