Meinungen zu den Materialänderungen

18. Oktober 2012, 11:43

Marcel Hirscher (ÖSV-Athlet, amtierender Gesamt-Weltcup-Sieger): "Es fühlt sich besser an, als ich am Anfang geglaubt habe. Bei harten Bedingungen merkt man nicht viel Unterschied. Bei hohen Temperaturen wie beim vergangenen Weltcup-Finale in Schladming wird es aber schwierig, dann wird es meiner Meinung nach nicht mehr zum Anschauen sein."

Benjamin Raich (ÖSV-Athlet, Doppel-Olympiasieger, dreifacher Ex-Weltmeister, Gesamt-Weltcup-Sieger 2006): "Ich habe jahrelang Änderungen gefordert und befinde die Maßnahmen für gut. Mittlerweile hat sich auch für fast alle Kollegen herausgestellt, dass es positiv ist. Es wirken weniger Kräfte, das ist positiv für den Körper und sicherer."

Elisabeth Görgl (ÖSV-Athletin, Doppel-Weltmeisterin): "Am Anfang hatte ich Probleme, jetzt spüre ich keinen Unterschied mehr. Die Zuschauer werden keine Veränderungen merken. Für die Läuferinnen, die technisch sauber fahren, könnte es ein Vorteil werden."

Kathrin Zettel (ÖSV-Athletin, Ex-Weltmeisterin): "Ich habe mich darauf eingestellt, kein Problem. Man muss die Kurven jetzt anders anfahren."

Maria Höfl-Riesch (Athletin Deutschland, Gesamt-Weltcup-Siegerin 2011, Ex-Weltmeisterin und zweifache Olympiasiegerin): "Bei den ersten Tests gleich nach der letzten Saison war es noch etwas ungewohnt. Aber nachdem ich den Sommer über viel und intensiv trainiert habe, komme ich gut damit zurecht. Ich bin selbst gespannt, wie die ersten Rennen laufen werden."

Ivica Kostelic (Athlet Kroatien, Gesamt-Weltcup-Sieger 2011, Ex-Weltmeister): "Das sind die Regeln, und die haben wir zu akzeptieren. Mein Eindruck ist, dass wir Athleten mehr Energie und Kraft als zuvor aufwenden müssen. Bei optimalen Bedingungen habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass der Ski jetzt mehr das tut, was ich möchte."

Ted Ligety (Athlet USA, Olympiasieger und Weltmeister): "Es dauert definitiv einige Zeit, um sich an die neuen Geräte zu gewöhnen. Man braucht jetzt deutlich mehr Muskelkraft. Solange der Schnee hart ist, fahren sich die neuen Ski gut, vielleicht sind sie sogar noch schneller als die alten. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Sicherheit nicht erhöht wird. Für die jungen Fahrer wird es vor allem bei weichen Bedingungen die Hölle, für die Kinder ganz besonders."

Mathias Berthold (ÖSV-Cheftrainer Männer): "Der Zuschauer wird nicht viel Unterschied bemerken. Wenn die Verhältnisse nicht hundertprozentig gut sind, dann werden es die Jungs etwas schwieriger haben. Ob es wirklich viel kraftaufwendiger wird, werden wir erst in den Wettkampfsituationen sehen."

Günter Obkircher (ÖSV-Riesentorlauf-Trainer Frauen): "Die Veränderungen werden bei den Damen nicht so groß spürbar sein. Bei normaler Kurssetzung wird für den Zuschauer nichts Neues zu sehen sein. Die Kräfte sind mit dem neuen Material schöner verteilt, es wird mehr über den Außenski gefahren werden."

Andreas Puelacher (ÖSV-Riesentorlauf-Trainer Männer): "Die Athleten müssen noch genauer über den Außenski fahren. Die Gewichtsverteilung ist circa 80:20 Prozent statt bisher 60:40. Man darf nicht zu früh auf den Innenski steigen. Ich gehe davon aus, dass sich die Hierachie nicht verändern wird. Die üblichen Verdächtigen werden weiter vorne sein."

Rainer Salzgeber (Head-Rennleiter): "Richtigen Spaß hat keiner damit. Die Routiniers sollten es recht schnell in den Griff kriegen, für die Jungen wird es richtig schwer. Ich glaube, dass der Riesentorlauf jetzt einen weiteren Schritt Richtung Spezialdisziplin macht. Ob die Allrounder mit den Spezialisten mithalten können, ist fraglich. Die Erschöpfung der Athleten wird aber klar ersichtlich sein. Die logische Konsequenz wäre, dass jetzt dadurch Stürze und Verletzungen anstehen könnten."

Günther Mader (Salomon-Rennleiter): "Wir groß der Unterschied ist, wird speziell von der Kurssetzung der Trainer abhängen. Ich hoffe, dass die Trainer so intelligent sind, dass sie an den Sport und nicht nur an ihre eigenen Läufer denken. Den einen oder anderen Ausfall wegen eines Innenskifehlers wird's schon geben. Ich glaube schon, dass es sicherer wird. Vor allem der Druck aufs Kreuz und auf die Knie wird reduziert. Es gibt fast keinen Läufer, der nicht Probleme in diesen Bereichen hatte, da musste etwas passieren. Die Gesundheit ist das höchste Gut."

Sigi Voglreiter (Fischer-Rennleiter): "Der geschulte Zuschauer wird sicher etwas merken, es schaut nicht mehr so 'easy' aus. Für die Athleten ist es sehr kraftaufwendig, sie brauchen jetzt noch mehr Muskeln, müssen aber auch technisch sehr ausgereift sein. Zum Beispiel in Alta Badia waren die Läufer bisher schon immer völlig über dem Limit, wie wird das erst jetzt? Es wird sicher Opfer und Gewinner geben. Das werden aber eher die Ausnahmen sein, die Besten werden größtenteils weiter vorne sein. Die schlampigen Fahrer könnten Probleme bekommen. Die Herausforderung wird: Wer schafft mit dem neuen Material die engsten Kurven?"(APA; 18.10.2012)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.