Stunde der Wahrheit für neues Material

18. Oktober 2012, 11:42
  • Die Änderungen im Detail.
    grafik: apa

    Die Änderungen im Detail.

  • Klaus Kröll mit dem neuen Material.
    foto: apa/expa/ johann groder

    Klaus Kröll mit dem neuen Material.

Premiere der längeren und schmäleren Ski in Sölden - Schonung für Rücken und Knie erwartet, aber mehr Muskelkraft gefordert - Neue Gefahren lauern

Sölden - Der Aufschrei war gewaltig, als der Internationale Skiverband (FIS) im Juli 2011 seine Materialmaßnahmen zur Bekämpfung der Verletzungsflut im Alpin-Weltcup präsentierte. Von einem Rückfall in die Zeiten eines Hansi Hinterseer, dem Ruinieren des Sports oder einer völlig ahnungslosen FIS war vielerorts im Weltcup-Zirkus die Rede gewesen. Der Sturm hat sich vor der Rennpremiere mit dem neuen Material am 27. und 28. Oktober in Sölden - vorerst - gelegt. Allerdings scheinen durch den deutlich größeren Aufwand an Muskelkraft neue Verletzungsgefahren zu lauern.

Begrenzte Begeisterung

Die Ski länger und schmäler, die Kurvenradien größer, die Zahl der Verletzten geringer - so lautet kurz zusammengefasst die neue Sicherheitsformel der FIS, die nach jahrelangen Tests, Beobachtungen und wissenschaftlichen Analysen erstellt wurde. Rundum begeistert ist zwar nach wie vor kaum jemand. Aber selbst die härtesten Kritiker wie der US-Amerikaner Ted Ligety hielten sich nach den sommerlichen Versuchen mit Rundumschlägen nobel zurück.

Nun folgt in Sölden - die FIS hat wie erwartet am Donnerstag nach der Schneekontrolle auf dem Rettenbachferner grünes Licht für den alpinen Ski-Weltcup-Auftakt gegeben - die Stunde der Wahrheit. Und zwar gleich mit dem Riesentorlauf und somit jener Disziplin, die von den Veränderungen am stärksten betroffen ist. Mit Neugier und Ungewissheit warten die Athleten, Trainer und Skifirmen auf die ersten Erkenntnisse unter Wettkampfbedingungen.

Vorteil für Routiniers

Kaum jemand glaubt, dass das neue Material die Rangordnung wild durcheinanderwürfeln wird. "Die üblichen Verdächtigen werden weiterhin vorne sein", vermutete Andreas Puelacher, der Cheftrainer der österreichischen Riesentorlauf-Männer. "Es wird sicher Opfer und Gewinner geben. Das werden aber eher Ausnahmen sein", lautet die Prognose von Sigi Voglreiter, Rennleiter der Skifirma Fischer. Head-Rennchef Rainer Salzgeber sieht zumindest zu Beginn einen klaren Vorteil für die Routiniers. "Für die Jungen wird es richtig schwer", sagte Salzgeber.

Die Befürchtungen, dass ab Sölden das Ende des Carvens und der Schritt zurück in 1970er Jahre eingeläutet wird, haben sich ein wenig gelegt. "Die Zuschauer werden keine Veränderungen merken", war sich die steirische Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl sicher. Anders dürfte die Sache aussehen, wenn es wärmer und damit weicher wird. "Bei Bedingungen wie beim vergangenen Weltcup-Finale in Schladming wird es meiner Meinung nach nicht mehr zum Anschauen sein", merkte der Salzburger Gesamt-Weltcup-Gewinner Marcel Hirscher an.

Kraftsache

Voglreiter glaubt, dass der "geschulte Zuschauer" sehr wohl deutliche Unterschiede bemerken wird: "Es schaut nicht mehr so 'easy' aus." Der Oberösterreicher sprach damit auch gleich die neuen Gefahren an. "Man braucht jetzt deutlich mehr Muskelkraft", berichtete auch "Mr. Riesentorlauf" Ligety (Weltmeister 2011, dreifacher Disziplinen-Weltcupsieger). "Wir müssen mehr Energie und Kraft als zuvor aufwenden", pflichtete der kroatische Routinier Ivica Kostelic bei.

Salzgeber nannte das mögliche Problem beim Namen, nämlich schwere Stürze völlig ausgepumpter Athleten: "Die Erschöpfung wird klar ersichtlich sein. Die logische Konsequenz wäre, dass jetzt dadurch Stürze und Verletzungen anstehen könnten."

Verringerte Kräfteeinwirkung

Das Ziel der FIS, die Kräfte in den Kurven und damit die Belastung für Knie und Rücken zu verringern, dürfte aber erreicht werden. "Es wirken weniger Kräfte. Das ist positiv für den Körper und sicherer", erklärte Benjamin Raich. Der Tiroler war von Anfang an hinter den Materialänderungen gestanden und sieht sich und die FIS bereits bestätigt: "Mittlerweile hat sich für fast alle Kollegen herausgestellt, dass es positiv ist."

Für den einstigen Weltklasse-Skifahrer Günther Mader, der heute als Salomon-Rennleiter fungiert, wird der Erfolg des Projekts auch entscheidend von der Kurssetzung abhängen. Trotz der größeren Kurvenradien der Ski hat die FIS ihr Regelwerk nicht verändert. Den kurssetzenden Trainern bleibt damit ein recht großer Spielraum, gemäß "Gentlemen Agreement" sollen jedoch Tempokontrolle und Anpassung ans Gelände sowie die Bedingungen stets im Vordergrund stehen. "Ich hoffe, dass die Trainer so intelligent sind, dass sie an den Sport und nicht nur an ihre eigenen Läufer denken", meinte Mader. (APA, 18.10.2012)

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Slalom

Sehe ich das richtig, dass sich beim Slalom gar nichts verändert hat?

Stimmt, aber laut FIS-Statistik gab es da auch die wenigsten Verletzungen.

Bin schon mal gespannt, wie sich die Änderungen im Rennsport wirklich auswirken werden.

Ich bin in den letzten 3 Jahrzehnten Rennskier ziemlich aller gängigen Bauweisen (Holzkern, Sandwich, 2m-RS/SG-Schalenskier, erste Race-Carver (noch lange "Latte" mit nur mäßiger Taillierung), moderner Slalom-Carver mit 160cm....). Hatte alles was für sich, aber beim freizeit-skifahren gibts aus meiner Sicht (für den geübten, fortgeschrittenen Skiläufer) nichts, was den modernen Carving-Ski in punkto Fahrspaß das Wasser reichen kann. Die Radien, die Kurvengeschwindigkeiten, das rausbeschleunigen, die exakte Druckverteilung....da geht nichts drüber, WENN man damit umgehen kann.... ;-)

WENN man damit umgehen kann...

und die Pisten entsprechend praepariert sind. Wennst in einem "zusammengefahrenen" Expulverhang kommst, ist der Zauber vorbei. Da muszt dann ploetzlich wieder am Talschi stehen, weil fuer den Bergschi "kein" Platz ist

Auch solche Pisten stellt für einen geübten Skifahrer mit dem richtigen Gerät an seinen Füßen kein Problem dar. Mittlerweile gibts ja eine breite Range an aktuellen Carving-Ski mit den unterschiedlichsten Eigenschäften, Taillierungen und Längen (vom Einsteiger-, Allround- bis hin zu den Race-Carvern - selbst bei diesen gibt es -zig unterschiedliche Varianten - verschiedenste Kurvenradien, weichere & härtere Bretter, usw. usw.). Als leidenschaftlicher Skifahrer der ersten Stunde, der seinerzeit auch schon die über 2m-Bretter malträtiert hat, habe ich in den letzten Jahren so ziemlich alles am Markt verfügbare durchprobiert, bis ich "MEIN" ideales Gerät gefunden habe. Probierens es mal - 2,22m ohne Taille sind definitiv sowas von "80er"! ;-)

:)) 70er

um genau zu sein
Was die Range angeht, mit einem aehnlichen Pflanz hat sich das Windsurfen ruiniert. Habe mir voriges Jahr eine Exeldatei angelegt und versucht, die verschiedenen Modelle zu vergleichen, sinnlos.
Am angenehmsten fand ich noch einen Head RS (echt!), damals neu, heute alt, r 27, 175. Der einzige, der bei "querrillen" nicht zu schwimmen beginnt bzw. auch haelt, wenn es schnell wird. Mit den anderen muszt immer so herumbogerln, damit sie in der Spur bleiben

Also was das Windsurfen betrifft, so ist das nicht meine "Domäne". Zum Head kann ich Ihnen aber mal beipflichten, bin einen (damals neuen) HEAD RS-Carver, 175cm, gefahren, muß so um (Modell-Jahrgang) 2004-2005 gewesen sein - war damals ein feines Teil, das mir auch ganz gut behagt hat. Aber selbst bei den kürzeren SL-Carvern gibts heute große Unterschiede, selbst bei gleicher Länge u. Taillierung. Wenn's z.B. einen Fischer RC4 SC SL, 150-160cm, hernehmen, gibts Riesen-Unterschiede im Fahrverhalten, je nachdem ob sie das "Race", "Worldcup" oder das "FIS"-Modell fahren. Ganz andere Steifigkeit - ganz andere Fahreigenschaften...however - jedem das seine - Hauptsache rauf auf den Berg, und runter ins Tal auf der weißen Pracht... ;-)

grundsaetzlich, ja

wobei ich die Moeglichkeit habe, die Rennmodelle auszuborgen, da ist leichter wechseln, allerding ist in dieser Klasse der Verleiher meist mit max 2 Marken verheiratet

Ja das stimmt schon - die Anzahl an Top-Modellen bei den Verleihern ist in den meisten Skigebieten leider wirklich sehr begrenzt. Oftmals gibts aber gerade zu den "Season-Openings" in den größeren Destinationen Test-Tage, wo dann für ein Wochenende fast alle (oder zumindest sehr viele) gängigen Marken u. Modelle verfügbar sind. Hab das schon des öfteren genutzt, um vorab mal durchzutesten, und mich dann für ein Modell zu entscheiden, und dieses dann für die nächsten Saisonen zu kaufen.

ja, ist

halt dann so eine Sache mit der Spezialisierung. Angeblich soll die neue all-mountain-irgendwas Klasse so toll sein, heuer. Habe aber den starken Verdacht, dies ist vor allem eine neue Preisklasse
http://www.atomic.com/de-AT/Pro... 4%3b-1%3a3
das hat bei den Winsurfern auch so angefangen, dann Material fuer ein paar 1000 € herumkugeln, wirklich verwenden kannst es nicht, weil irgendetwas nicht passt

K1Merlin Mark IV

... und mit an Rossignol kumm i übarall obi

im ernst, früher mit die 205er SL konnte man auch alles fahren. Ist aber jetzt wo man total verwöhnt ist's schon arg. Bin letzte Saison mal meinen alten Rossignol SL gefahren. Auf der präparierten Piste gings noch recht gut, aber in den Mugln ist er schon arg hart, vom Gelände ganz zu schweigen.
Und ja, die Kondi is auch nicht mehr was sie einmal war.

ich weisz

nicht, ich fand die letzten Salomon v. Stangassinger, also so um 190 - 195 herum, lan genug, um bei einem ordentlichen "Tender" zu halten u. doch ausreichend kurz, fuer kurze "Hacker"

Frühcarver

ja, stimmt. Schau'd in etwa so aus wie die frühen Carver. Mal sehen was da rauskommt.

endlich mal einer der es auf den punkt bringt!
danke für das kommentar :-)

sollten sich die poster poldi fesch und matrose narkose gut durchlesen ;-)

pünktlich zur eröffnung der saison...

...mein traditionelles, von ignoranz unwissen und desinteresse getragenes posting:
warum nehmen unsere tiefkühlraikaschihelden nicht sämtliche errungenschaften die in der formel1 längst verbotensind, her und setzen sie um?
also schnallt euch die alten 1500ps turbomotoren unter die latten, schlupfregelung für alle, belagswechsel vor dem gleitstück und gehtscho-DA pfeifen die komantschen

hab tiefkühlhaschischhelden gelesen...

selber skifahren: ein traum.

skisport in medien, zum zusehen: horror.

Voglreiter ist Salzburger

geboren ist er in salzburg, aber jetzt wohnt er auf grund seiner tätigkeit bei fischer in oberösterreich

Was nicht zum Anschaun ist ..

Was nicht zum Anschaun war, war Slalom seit der Einführung der Carving Ski!
Ich hätte mir in den letzten Jahren öfters gewünscht, es würde neben der Zeitnehmung auch noch eine Punkteverteilung für die Ästhetik geben, ähnlich wie beim Skipsringen könnte das mit der zeit dann zum Ergebnis führen. Denn der Stil seit der Einführung von Carvern war ja absolut hässlich, irgendwelche krummen Körperhaltungen, ein hin und herreißen zwischen den toren, einfach nicht zum Anschaun.
Würde mich freuen wenn sich das nun wieder zum Besseren ändert, und das Skifahren (also speziell der Slalom eigentlich) wieder ansehlich wird.

a geh.

hat ihnen slalom ende der 80er anfang der 90er wirklich gefallen? anch ansicht der wiederholungen auf sport plus finde ich, dass dieses umsteigen grässlich war, die sind tw. richtig mit schlittschuhschritten durch die tore, mit gehobenem innenski. schiach. dagegen finde ich das heutige auf-schienen-fahren mit beiden beinen am boden toll!

außerdem: weg mit den punkterichtern im sprunglauf!
wie haben z.B. damals die sog. Ästheten Jan Boklöv abgestraft...

stimmt, slalom zu hinterseers zeiten war wahnsinnig ansehnlich!

ja,

aber 11 Ignoranten hast gefunden, die Rot geben

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