Streit um Literaturnobelpreis: Juror angeblich befangen

18. Oktober 2012, 11:18
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88-Jähriger hat selbst Werke von Mo Yan übersetzt

Stockholm - Zwischen Stockholmer Medien und Nobelpreis-Juroren ist ein heftiger Streit über den diesjährigen Literaturnobelpreis für den chinesischen Schriftsteller Mo Yan (57) ausgebrochen. Eine Woche nach Bekanntgabe der Entscheidung wies der Sprecher der Schwedischen Akademie, Peter Englund, Vorwürfe über angebliche eigene finanzielle Interessen eines Jurors an der Vergabe sowie zu politischen Positionen des Preisträgers in scharfer Form zurück.

Er warf den Kritikern am Donnerstag im Rundfunksender SR1 vor, nichts von Mo Yan gelesen zu haben. Deshalb könnten sie nicht literarisch Stellung beziehen und würden auf alle möglichen "Nebenthemen" ausweichen. In Medienberichten der vergangenen Tage hatte es geheißen, der 88-jährige Juror Göran Malmqvist sei befangen, weil er als Übersetzer von Mo Yan persönliche Vorteile von der Vergabe zu erwarten habe.

In Schweden wie auch international hatten einige Medien und Kommentatoren den Preis kritisiert, weil sie Mo Yan für zu loyal gegenüber der chinesischen Partei- und Staatsführung halten. Dazu meinte Englund: "Das ist ein literarischer Preis. Wir können es nur so handhaben." Man dürfe China aber auch nicht einfach in "Regierungstreue" und "Dissidenten" einteilen. (APA, 18.10.2012)

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