Vor 100 Jahren starb Julius Maggi

  • Im Museum des Maggi-Werks in Singen sind alte Reklameschilder ausgestellt.
    foto: apa/thomas burmeister

    Im Museum des Maggi-Werks in Singen sind alte Reklameschilder ausgestellt.

Mit seinen Ideen revolutionierte der Schweizer das Kochen, Ersatz für frische Waren sind die Mischungen aber nicht

Frankfurt am Main - Er war ein Pionier der Lebensmittelbranche. Ohne ihn würden in vielen Haushalten Erbseneintopf und Gemüsesuppe nicht so schmecken, wie sie es heute tun - und die schnelle Packerlsuppe, sie wäre womöglich noch gar nicht erfunden. Der Schweizer Julius Maggi revolutionierte im ausgehenden 19. Jahrhundert mit seinen Ideen das Kochen. Vor einhundert Jahren, am 19. Oktober 1912, starb Maggi - sein Name aber steht bis heute für eine der erfolgreichsten Marken im deutschen Einzelhandel.

Nahrhaft, billig und schnell

Julius Maggi hatte die Probleme seiner Zeit erkannt: Während der industriellen Revolution hatten die armen, schlecht ernährten Fabrikarbeiter weder Raum noch Zeit, Obst und Gemüse anzubauen. Zudem fehlte das Geld, um gute Lebensmittel zu kaufen. Der gelernte Kaufmann Maggi suchte Abhilfe und machte sich daran, ein nahrhaftes Lebensmittel zu entwickeln, das billig und schnell zubereitet sein sollte. Vier Jahre lang experimentierte der Mühlenbetreiber mit eiweißhaltigen Hülsenfrüchten. 1886 gelang ihm der Durchbruch: Aus Erbsen- und Bohnenmehl entwickelte er die erste kochfertige Packerlsuppe.

Der Überlieferung nach war Maggi in jenen Jahren ganz besonders kreativ. Und so erdachte er fast zeitgleich zur Fertigsuppe das, was zum Vorzeigeprodukt seines Hauses wurde: die Maggi-Würze in ihrem markanten, braunen Fläschchen. Deren Rezeptur halten die Hersteller bis zum heutigen Tage unter Verschluss. Nur so viel sei verraten: Ein Hauptbestandteil ist Pflanzeneiweiß, das in einem Gärprozess in seine Einzelbausteine zerlegt wird. Dabei, so lässt das Unternehmen wissen, entstehe "der charakteristische Geschmack der Würze".

Rot-gelbes Logo unverwechselbar

Um seine Produkte zum Erfolg zu führen, überließ Julius Maggi nichts dem Zufall. Er gründete ein "Reclame- und Pressebureau" und machte seinen Namen, die Flasche und das rot-gelbe Logo zur bis heute unverwechselbaren Marke. "Es ist schon etwas Besonderes, dass man ein Produkt allein an der Verpackung erkennen kann", sagt Günther Hribek vom Zentrum für Marktforschung an der Universität Passau. Für das Unternehmen sei es "von unschätzbarem Wert, dass fast jeder diese Flasche kennt".

Ihre charakteristische Form mit dem dicken Bauch, dem langen Hals und dem kleinen Dosierkopf soll Julius Maggi selbst entworfen haben. "Die Maggi-Flasche mit dem roten Kopf sieht fast aus wie ein Ausrufezeichen", findet der Mitbegründer des Kölner Instituts Rheingold, Stephan Grünewald.

Wie alle alten, traditionsreichen Marke muss Maggi beim Werben aber "einen strategischen Spagat hinlegen", wie es Grünewald ausdrückt: "Einerseits ihre Identität bewahren und für ein konstantes Versprechen stehen, andererseits mit der Zeit gehen, aber ohne sich zu verraten." Der Spagat gelang bisher - und so sind Flüssigwürze, Würzmischung, Brühwürfel und Packerlsuppe auch eineinviertel Jahrhunderte nach ihrer Einführung auf dem deutschen Markt gesellschaftsfähig geblieben.

Kein Ersatz für frische Waren

Aus Expertensicht spricht nichts dagegen, solche Produkte einzusetzen. "Sie werden in aller Regel aus guten Zutaten schonend hergestellt", meint die Berliner Ernährungswissenschaftlerin Manuela Marin. Entscheidend bei deren Gebrauch sei nur: wie viel und wie oft. Für frische Waren seien Packerlsuppe und Würzmischung auf Dauer kein Ersatz.

Dabei nutzen vor allem die Deutschen die Würze in der Flasche so ausgiebig wie keine andere Nation. Hundert Jahre, nachdem ihr Erfinder Julius Maggi im Oktober 1912 im Alter von 66 Jahren starb, stehen seine Fläschchen in jeder sechsten deutschen Küche. (APA, 18.10.2012)

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