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Wien - Kommenden Mittwoch (24. Oktober) beginnt das Feilschen um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für über eine halbe Million Angestellte im österreichischen Handel. Kein KV umfasst mehr Beschäftigte, keiner mehr Frauen. Gemeinhin gelte der Handelsberuf aufgrund niedriger Bezahlung und ungünstiger Arbeitszeiten als unattraktiv, kritisierten Gewerkschaftsvertreter Mittwochabend im Vorfeld der KV-Runde. Die Zeiten, in denen der Handel eine "Niedriglohnbranche" ist, müssten endlich vorbei sein.
Das Brutto-Durchschnittsgehalt für Vollzeitbeschäftigte sei monatlich um rund 380 Euro niedriger als das Durchschnittsgehalt von Angestellten anderer Branchen, zitierten die Arbeitnehmervertreter aus einer IFES-Umfrage. Hauptaugenmerk der diesjährigen Verhandlungen sei es, diesen Unterschied kleiner zu machen, sagte Arbeitnehmer-Chefverhandler Franz Georg Brantner. Für seinen Co-Verhandler Manfred Wolf könnte die eine Hälfte schon dadurch erreicht werden, "indem man die Beschäftigten endlich alle richtig einstuft". "Die andere Hälfte erreicht man durch entsprechende Gehaltserhöhungen", so Wolf.
Einen konkreten Prozentsatz gab die Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp, die den Handels-Kollektivvertrag auf Arbeitnehmerseite ausverhandelt, noch nicht bekannt. Das werde in bewährter Tradition kurz vor der ersten Verhandlung intern vereinbart und dann den Arbeitgebern präsentiert, hieß es. Die Arbeitnehmervertreter machten aber klar, dass "ordentliche Abschlüsse" herausschauen müssen. Aus Sicht der Gewerkschaft schwächt sich der private Konsum nicht ab, der Handel schütte weiter Millionen aus und stehe gut da.
Als Basis für die Gehaltserhöhung wird eine Inflationsrate von 2,6 oder 2,7 Prozent herangezogen - genau wisse man es erst nächste Woche. "Damit den Menschen netto real etwas bleibt, muss die Erhöhung zumindest um 1 Prozentpunkt über der Inflationsrate liegen", sagte GPA-Vizechef Karl Proyer. Es sei aber "völlig klar, dass es Richtung 1.400 Euro geht". Derzeit beträgt das Mindestgehalt im Handel 1.350 Euro brutto für Vollzeitkräfte. 2011 einigten sich die Sozialpartner in der vierten Runde auf eine gestaffelte Gehaltserhöhung von im Schnitt 3,6 Prozent, jedoch mindestens 50 Euro.
Ein weiteres zentrales Anliegen der Gewerkschaft ist die 6. Urlaubswoche, die Beschäftigte derzeit nur dann bekommen, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Aus Vordienstzeiten sowie Schul- und Studienzeiten werden bisher maximal 12 Jahre angerechnet. Im Schnitt blieben Beschäftigte nur zwei bis fünf Jahre bei einem Arbeitgeber, "da erleben sie die sechste Urlaubswoche nie", meinte Brantner. Im öffentlichen Dienst beispielsweise bekomme jeder ab 43 Jahren automatisch eine Woche Urlaub dazu. "Im Handel haben nur 5 Prozent sechs Wochen Urlaub."
Beim Wunsch der Arbeitgeber, den Kollektivvertrag flexibler zu gestalten und die Ausbezahlung von Resturlauben zu ermöglichen, hat die Gewerkschaft bereits abgewunken. Bei der Samstagsarbeit will die Gewerkschaft dem Handel etwas entgegenkommen und "ein bisschen mehr an Wahlmöglichkeiten" gewähren. Derzeit dürfen Handelsmitarbeiter nur an jedem zweiten Samstag arbeiten, was aus Sicht der Arbeitgeber nicht mehr zeitgemäß ist.
Obwohl in Österreich 97,5 Prozent der Arbeitnehmer einen Kollektivvertrag haben und damit so viele wie nirgends sonst, sieht Proyer den Kollektivvertrag unter Druck. "Gewisse Arbeitgeber haben es auf die Zerschlagung der Sozialpartnerschaft angelegt", meinte er mit Blick auf die Metaller, die heuer erstmals getrennt verhandeln und auf den Journalisten-KV, der von den Arbeitgebern aufgekündigt wurde. (APA, 18.10.2012)
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