Griechen marschieren gegen "Verelendung" an

18. Oktober 2012, 16:14
  • Wieder heftige Proteste in Griechenland

  • Griechenland und seine Gläubiger haben sich bei den Verhandlungen über weitere Hilfszahlungen in wesentlichen Punkten geeinigt.
    foto: dpa/orestis panagiotou

    Griechenland und seine Gläubiger haben sich bei den Verhandlungen über weitere Hilfszahlungen in wesentlichen Punkten geeinigt.

30 Milliarden braucht Athen, die Troika macht Hoffnung, dass die Hilfsgelder fließen, in Griechenland wird wieder protestiert

Athen - Der bereits vierte Generalstreik in diesem Jahr hat in Griechenland das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Die Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung und den Druck der internationalen Gläubiger beeinträchtigten am Donnerstag massiv den Nah- und Fernverkehr sowie die Verwaltung des hochverschuldeten südlichen EU-Landes. In Athen kam es am Rande der Proteste zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. In Brüssel sollten am Abend die Staats- und Regierungschefs zum EU-Gipfel zusammenkommen.

Neben einem morgendlichen U-Bahn-Streik in Athen wurden auch Zug- und Fährverbindungen gestrichen. Auch Taxifahrer streikten, zudem wurden Flüge annulliert. Eine weitere Protesthochburg war Thessaloniki. Bereits am Mittwoch hatten die Gewerkschaften Anwälte, Notare, Apotheker, Ärzte und Journalisten aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Der Gewerkschaftsdachverband der Privatwirtschaft (GSEE) rief für Mitte November erneut zum Generalstreik auf.

Demonstranten gegen Polizei

In Athen bedrängten rund 500 zum Teil vermummte Demonstranten die Polizei am zentralen Syntagma-Platz vor dem Parlament und warfen Brandsätze, die Beamten setzten Tränengas ein, wie ein Journalist berichtete. Laut Polizei waren rund 25.000 Demonstranten auf den Straßen der griechischen Hauptstadt, 17.000 protestierten demnach in der Hafenstadt Thessaloniki.

Während der Proteste in Athen erlitt ein 65-jähriger Mann einen tödlichen Herzinfarkt, wie aus dem Gesundheitsministerium verlautete. Unklar war, ob er inmitten der heftigen Zusammenstöße auf dem Syntagma-Platz zusammenbrach, wie es der Radiosender Skai berichtet hatte. Aus Polizeikreisen hieß es, der Mann sei von Rettungssanitätern etwas abseits der Proteste aufgelesen worden.

Sparen, sparen, sparen

Die griechische Regierung will im November weitere Kürzungsmaßnahmen durchs Parlament bringen, um die Forderungen der Gläubiger zu erfüllen. Athen soll ein Sparpaket im Umfang von 13,5 Milliarden Euro vorlegen, damit die Troika die dritte Kredittranche freigibt.

In Griechenland finden seit Monaten immer wieder Streiks aus Protest gegen den Sparkurs statt. Dieser sieht unter anderem eine Senkung des Mindestlohns, Kürzungen bei Pensionen und im Gesundheitsbereich sowie die Streichung von etwa 15.000 Stellen im öffentlichen Dienst bis zum Jahresende vor. Die Gewerkschaften machen die Sparpolitik mitverantwortlich für die verheerende Rezession.

GSEE-Chef Giannis Panagopoulos kündigte weitere Streiks an. Am 14. November werde es eine "paneuropäische Mobilisierung" geben mit Portugal und Spanien an der Seite Griechenlands. "Unfaire und unwirksame Wirtschaftspolitiken haben uns Armut und Erniedrigung gebracht", sagte Panagopoulos. "Die Völker Europas ächzen, allen voran die Griechen", fügte er hinzu. Der Chef der kommunistischen Partei, Aleka Papariga, forderte den Austritt Griechenlands aus der EU.

Troika-Mission in Athen beendet

Griechenland kann indes auf die Auszahlung der 30 Milliarden Euro hoffen. Die Verhandlungspartner von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) seien sich in den meisten Kernfragen mit Athen einig, teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Die Troika der internationalen Gläubiger beendete ihre Mission in Athen. Die Verhandlungen würden nun von den jeweiligen Hauptsitzen der Institutionen aus fortgesetzt, um "in den kommenden Tagen" zu einer "vollständigen" Einigung zu kommen.

Die Troika habe mit der griechischen Regierung "umfassende und produktive" Diskussionen geführt. Es sei um die nötigen Maßnahmen gegangen, mit denen Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit wieder hergestellt und eine nachhaltige Steuerpolitik "in einer sozial ausgewogenen Weise" sichergestellt werden könnten, erklärte die EU-Kommission.

Samaras äußerte sich bei seiner Visite in Bukarest am Mittwoch nicht zu den Troika-Verhandlungen. Auf einem Kongress der rumänischen Volkspartei (PPE) kündigte der konservative Politiker eine "spektakuläre" Wiederauferstehung seines Landes aus der "gegenwärtigen Tragödie" an. Eine Stärkung des "schwächsten Glieds" der Kette werde der ganzen EU nützen. Zugleich mahnte er eine soziale Ausgewogenheit bei den Sanierungsmaßnahmen an. (APA, 18.10.2012)

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Das ist anscheinend das einzige was sie machen können

Ich hoffe auf große Solidarität von so vielen europäischen BürgerInnen wie möglich.

An Griechenland wird gerade ein Exampel statuiert.
Man wird sehen wie weit man Menschen noch in Armut treiben kann um das Geld weiter nach oben zu verteilen. Aber umso weiter sie das Spiel treiben umso mehr Menschen, die dem Kapitalismus nicht abgeneigt waren, werden jetzt kritischer und hinterfragen einiges. Könnte nach hinten losgehen.

die griechen wollen keinen beitrag zur sanierung des landes leisten, denen zu helfen ist als ob wir das geld sinnlos im ofen verheizen.

Iich kann mich jetzt nicht mehr so ganz genau erinnern, aber das griechische Volk wird doch sicher auch demonstriert haben, als nach einer Wahl wieder 10.000e Beamte eingestellt wurden oder als die Löhne wieder erhöht wurde, obwohl es die Wirtschaftsleistung nicht zuließ.

Blöderweise kann ich mich auch nicht mehr an die Demonstrationen der vermeintlich Blinden erinnern, die verzweifelt nicht mehr wußten, wohin mit dem ganzen Geld, das sie vom Staat nehmen mussten.

Aber eigentlich müsst man sich an die großen Demonstrationen der Steuerzahler erinnnern können, deren Geld der Staat einfach nicht annehmen wollte.

Oder der Taxifahrer, denen der Staat eine Liberalisierung ihres Gewerbes einfach nicht erlauben wollte.

Man muß endlich eine Grundsatzentscheidung treffen: €, ja oder nein?

Wenn man den € behalten will, dann kann das nur mit €-Bonds funktionieren! Anders wird man den Wildwuchs an UNKONTROLLIERTEN (!!!) Schulden und ausufernden "Risikozuschlägen" nicht in den Griff bekommen.Es kann mMn nur so funktionieren, daß die EZB EINSTIMMIG Anleihen begibt und diese nach volkswirtschaftlichen Kriterien in Form von Darlehen vergibt.Solange wir 17 verschiedene nationale, autonome Währungsverwaltungen haben oder, so wie jetzt angedacht, einen Währungskommisar, der ein nationales Budget beeinspruchen kann, wird das sicher nicht funktionieren.
Ein Einspruch gegen ein nationales Budget, wäre dezidiert ein Eingriff in die nationale Souveränität.
Das bedeutet, eine Volksabstimmung und die kann keine Regierung in Europa gewinnen

Wozu das ganze Theater

Warum muss die Troika ueberhaupt beraten? Es ist sowieso klar, dass man Griechenland mit allen Mitteln im Euro halten muss und will. Also muessen die Griechen ueberhaupt "keine" der Reformen wirklich umsetzen! Was soll passieren? Drohungen, dass keine Hilfszahlungen folgen gehen ins Leere....Meiner Meinung nach ein "Europaeischer Wahnsinn" was hier derzeit in Europa abgeht....wuerd' mich echt nicht mehr wundern, wenn es zu einem Europaeischen Fruehling kommt....Das Volk ist wuetend und resigniert!

Der Druck auf die Griechen muss massiv erhöht werden!

warum auf die griechen? wir helfen mit unserm geld nicht den griechen sondern den banken und superreichen.

wir alle sind in der EU.

Keine Volk war lautstark dafür, keiner demonstrierte für den Euro oder gemeinsame Verträge die über dem Gesetz stehen. Dort wo Referenden angehalten wurden war dass Volk DAGEGEN. Nein Harz Frankreich gesagt, nein haben die Iren gesagt, mein sagten die Holländer lange. Bis die Parlamente dann klar gestellt haben wer das sagen hat.

Jetzt kriselt es, lautet werden die schreie dass die Menschen raus wollen. Doch uns wird gesagt “die TROIKA (uhhh...!) Sagt uns wie wir sparen müssen, weil sie weiß was gut ist und dass darf sie auch durchsetzen“.

Wo in drei Teufels Namen leben wir in einer Demokratie, wo zur Hölle stehen Menschenrecht und -würde über allem?! Wir haben nicht mal dass Recht darauf nicht belogen zu werden von “unseren“ Vertretern

schuldenschnitt

Ein globaler schuldenschnitt waere ein gutes mittel. Aehnliches ist mitte der 70er fuer 3.welt -laender angedacht worden.
Restart fuer die fiktiven gewinne und verluste.

dagegen. dann geht die verschulderei von vorne los!

mein Vorschlag

Arbeitnehmer aus ganz Europa sollten gemeinsam demonstrieren - und zwar regelmässig. Dann würde den vereinigten Bankbütteln in der europäischen Politik ganz schnell wieder einfallen, wer hier der Souverän ist.

"Arbeitnehmer aus ganz Europa sollten gemeinsam demonstrieren"

Warum nur die Arbeitnehmer?
Glauben Sie tatsächlich, daß die wirklichen Arbeitgeber (KMU, Einzelunternehmer, etc.) in irgendeiner Form von den Konsequenzen ausgenommen sind?

wenn wir zu heftig protestieren schicken sie einfach panzer oder ähnliches...

himmlischer friede?

so weit sind wir ja - hoffentlich - doch noch nicht

Thrive

First we take Greece, then we take.... and so on and so forth.

Take your time to see the movie Thrive
www.thrivemovment.com

Good overview about what is planned.
But, we shall overcome

bitteschön:

http://www.youtube.com/watch?v=-pRfGVHU_Qg

würde allerdings zu erhöhter vorsicht raten, der typ ist ein procter&gamble erbe - daher sind seine motive relativ schwer einzuschätzen

des is a ungenutzte werbeseite ...

An die Zuchtmeister

Milliarden von sogenannten Hilfsgeldern werden an Griechenland überwiesen.Mit der Auflage zu sparen bis zum Gehtnichtmehr.
An die Obersparer der EU,Merkel und Schäuble,ist der dringende Rat zu richten:"Zahlt zunächst einmal eure Schulden an Griechenland"
http://www.griechenland-blog.gr/2012/deut... euro/9965/

......Sparkurs statt. Dieser sieht unter anderem eine Senkung des Mindestlohns, Kürzungen bei Pensionen und im Gesundheitsbereich......

der gesetzliche mindestlohn liegt in GR momentan bei € 586,08 (brutto)!

quelle: http://www.griechenland-blog.gr/tag/mindestlohn/

wenn es beim griechischen volk nichts mehr zu holen gibt ziehen die heuschreckenartigen banken und investmenthäuser der finanzmafia weiter und saugen das nächste volk aus. solange bis auch wir in österreich einen mindestlohn von 586,08 brutto oder weniger haben. und dann heißt es wieder quasi sklavenarbeit der masse für eine kleine elitäre schicht die immer schneller immer reicher wird.

Irreführung

Daß Massenmedien den Kapitalismus hochhalten und seine Konsequenzen ausblenden ist ja längst bekannt. Da ich in diesem Fall jedoch gleich zwei massive Fehler in der Überschrift feststelle, möchte ich auch darauf hinweisen:

Es ist nicht Athen, Griechenland, oder das griechische Volk, welches 30 Milliarden braucht oder bekommen soll, es sind die Banken, die es VON Griechenland brauchen.
Um die Kredite nicht abschreiben zu müssen, aktivieren weltweit Banken europäische Politiker, um europäische Steuergelder dafür zu verwenden, Kreditausfallversicherung für die Banken zu spielen. Das ist die einzige Realität, alles Andere ist schlicht subjektives Gewäsch und das wissen Sie auch.

Der zweite Punkt daraus folgend: "Hilfsgelder" gibt es keine.

Wer das Geld tatsächlich bekommt:

Es sind vor allem die griechischen Banken,
welche das Geld als Kompensation für den Schuldenschnitt bekommen, damit die gr. Sparer wieder Geld abheben und in die Schweiz transferieren können.

Eine detailierte Gliederung finden Sie hier:

http://diepresse.com/home/wirt... annel=1452

Um die Kredite nicht abschreiben zu müssen, aktivieren weltweit Banken europäische Politiker, um europäische Steuergelder dafür zu verwenden, Kreditausfallversicherung für die Banken zu spielen.

Hach, ich wünschte, es gäbe Doppelplusgrün.

Danke. So ist es.

Es ist doch eine Lüge, dass die EU von Griechenland mit gefälschten Statistiken und Zahlen betrogen und so der Eintritt in die EU erschlichen wurde.

Ich kann das einfach nicht mehr hören.

Griechenland musste in Wahrheit an den EU-Vorgaben vorbeigeschmummelt werden, weil man das imperialistische Konzept eines Großdeutschland auf Europa zu übertragen versuchte, wie Merkel es ja noch immer versucht. Das stehen die besseren Absichten hinter der Gründung der EU - ja, die soll es tatsächlich gegeben haben - natürlich im Weg.

Griechenland musste einfach rein, weil die EU als Viertes Reich - von Deutschland als ganz großem Player gesteuert - bestehen sollte.

Dass Griechenland abkacken würde, war allen klar. Aber es war auch klar, wer es zu bezahlen hat: Die europäischen Bevölkerungen. So funktioniert Großmachtpolitik - nach den Mustern des Dritten Reichs, das geht auch ohne Hakenkreuz und KZ

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