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vergrößern 750x500Koji Wakamatsu Anfang September beim Filmfestival von Venedig, wo er seinen Film "The Millennial Rapture" vorstellte - und für kurz auch seine markenzeichenhafte Sonnenbrille abnahm.
Der japanische Filmregisseur und -produzent Koji Wakamatsu starb am Mittwoch im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls, berichtete das Branchenjournal "ScreenDaily" im Gefolge weltweiter Trauerbekundungen in Social Media. Ein Taxi hatte Wakamatsu am Freitag in Tokio angefahren und schwer verletzt - unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Filmfestival im koreanischen Busan, wo er zum "Asian Filmmaker of the Year" gekürt wurde und in einer großen Rede die mangelnde öffentliche Unterstützung für junge asiatische Filmemacher kritisiert hatte.
Wakamatsu war einer der legendären Protagonisten der japanischen Filmbranche, bekannt für den Mut in seinen unabhängig produzierten Werken wie in seinen politischen Äußerungen. Im abgelaufenen Jahrzehnt wurde er international viel herumgereicht: 2003 war er etwa launiger Gast des Österreichischen Filmmuseums bei der Art-Theatre-Guild-Retrospektive; "United Red Army" (2007), seine Schilderung der japanischen Post-68er-Radikalisierung, wurde bei der Berlinale 2008 zweifach prämiert; für "Caterpillar" (2010) über einen Kriegsversehrten des Zweiten Weltkriegs erhielt Shinobu Terajima den Berlinale-Darstellerinnenpreis; und 2012 war er in der Un-Certain-Regard-Reihe von Cannes vertreten (mit "11.25 The Day He Chose His Own Fate" über die letzten Jahre des Poeten und politischen Radikalen Yukio Mishima) wie auch in der Orizzonti-Schiene von Venedig - mit "The Millennial Rapture", die Verfilmung eines Bestsellers über eine ethnische Minderheit Japans.
Dass der 1936 im ländlichen Miyagi Geborene zu einer Werkliste von über 100 Filmen kam, lag an einer Besonderheit der 1960er und 1970er Jahre: Wakamatsu war einer jener Regisseure, die in der Fließbandproduktion des erotischen "Pink"-Genres lernten und darin eine individuelle Filmrhetorik entwickelten - und seine wurde schnell berühmt (nicht zuletzt, weil gerne formale Parallelen zu Jean-Luc Godard gezogen wurden): oft auf rezenten Chronik-Nachrichten basierende gewaltbetonte Plots über Freiheit und Anarchie, gerne in Schwarz-Weiß mit Farbeinsprenkelungen, bisweilen mit Jazz im Soundtrack, mit Naturlicht-Handkamera und Freeze-Frames.
Schon 1965 hatte er zur Eröffnung der Berlinale mit "Geschichten hinter Wänden" einen Skandalerfolg; "Violated Angels" von 1967, "Go, Go, Second Time Virgin" von 1969 und "Ecstasy of the Angels" von 1972 beeindruckten ob ihrer "nihilistischen" Radikalität die internationale "Midnight Movie"-Szene. Verstörende Genre-Klassiker, reich an Metaphern, mit starken politischen Untertönen, die in den 1970er Jahren deutlich in den Vordergrund drängten. Wakamatsu archivierte nicht, einige seiner Arbeiten gelten als verschollen.
Für die japanische Gegenkultur spielte Wakamatsu eine wesentliche Rolle als Mentor und Produzent: So ermöglichte er es Masao Adachi, 1971 die Dokumentation "Red Army / PFLP: Declaration of World War" über die palästinensische Terrorbewegung zu drehen - was beiden mächtig Ärger mit ihrer Regierung einbrachte -, und er stand als Koproduzent hinter Nagisa Oshimas Sex-und-Samurai-Todeskult-Epos "Im Reich der Sinne" von 1976. In seinem Studio konnten zahlreiche Regisseure debütieren, und noch diesen Sommer unterrichtete er etwa zwischen den Festival-Trips in Japans Süden bei einem Seminar über Filmschnitt. Die Jury-Begründung von Busan sei abschließend zitiert: "to honour his spirit of independent film as a rebellious auteur and his never-ending passion for cinema". (hcl, derStandard.at, 17.10.2012)
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