Zweite US-TV-Debatte: Wahlschläfers Comeback

Kommentar17. Oktober 2012, 19:13
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Obama war schlagfertig, inhaltlich sicher und hat seine Politik mit Verve vertreten

Es ist schwer zu sagen, was es war: eine Formschwäche des Präsidenten? Oder vielleicht sogar ein kalkulierter Ausrutscher Barack Obamas, um wieder für ein wenig Spannung zu sorgen, damit seine Anhängerschaft auch diesmal so sicher und zahlreich wie 2008 den Weg zu den Urnen findet? Tatsache ist: Im Gegensatz zur ersten TV-Konfrontation mit Mitt Romney hatte der demokratische Wahlschläfer im zweiten Duell ein Comeback als Wahlkämpfer. Er war schlagfertig, inhaltlich sicher und hat seine Politik mit Verve vertreten. Demoskopen sehen ihn als klaren Sieger dieser Diskussion an.

Die Trendumkehr hat sich schon drei oder vier Tage vor dem Duell in Umfragen abgezeichnet. In Hempstead hat Obama die politische Dynamik, die zuletzt in Romneys Richtung spielte, gebrochen. Nun ist der Präsident wieder Herr des Verfahrens: Er gibt die Agenda vor. Und er wird in der letzten Debatte am kommenden Montag, in der es um Außenpolitik gehen wird, seine Stärken ausspielen können. Das wird auch die letzte große Chance für beide Kontrahenten sein, bei der sie vor Millionenpublikum politische Wegmarken setzen können.

Die Zahl der Unentschlossenen ist zuletzt wieder gestiegen. Meinungsforscher interpretieren das als Erosion in Romneys Lager. Diese Wähler sind wieder am Markt zu haben - insbesondere in Ohio, Virginia und Florida, den Bundesstaaten, in denen diese Wahl entschieden wird. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 18.10.2012)

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