Grexit: Crédit Agricole verlässt Athen

Die französische Großbank Crédit Agricole lässt sich die Flucht aus Griechenland viel kosten, auch andere Unternehmen ziehen ab

Athen/Paris/Wien - Die französische Großbank Crédit Agricole zieht den Schlussstrich unter ihr verlustreiches Griechenland-Geschäft. Die Franzosen verkaufen die Tochterbank Emporiki zum symbolischen Wert von einem Euro an die griechische Bank Alpha. Zusätzlich musste Crédit Agricole weitere 700 Millionen Euro in die Hand nehmen, um den Deal schmackhaft zu machen. 550 Millionen steckt sie in die Emporiki Bank (seit Jahresbeginn flossen bereits 4,3 Mrd. Euro von Paris nach Athen), weitere 150 Millionen Euro werden in eine Wandelanleihe der Alpha Bank investiert.

Der Trennung von der Athener Tochter wird tiefe Wunden in der Bilanz der Bank hinterlassen. Zwei Milliarden Euro wird Crédit Agricole verlieren. 2006 forcierten die Franzosen ihre Expansionspläne in Südeuropa, haben aber nur einmal mit Emporiki Gewinne verbucht. Crédit Agricole ist nicht das einzige Unternehmen, das sich aus Griechenland zurückzieht. Die griechische Wirtschaft ist in den vergangenen vier Jahren um mehr als 20 Prozent geschrumpft. Damit dürfte die Wirtschaftsleistung noch weiter fallen als in den USA in den 1930ern.

Vergangene Woche hatten zwei weitere Unternehmen angekündigt, dass sie ihren Sitz ins Ausland verlegen. Der Abfüller Coca-Cola Hellenic, das bislang größte börsengehandelte Unternehmen in Griechenland, verlegte den Firmensitz in die Schweiz und wird künftig in London notieren. Der große Milchproduktekonzern Fage wiederum geht nach Luxemburg. Die beiden Unternehmen nannten die anhaltende Unsicherheit und den schwierigen Zugang zum Kapitalmarkt als Hauptgründe für den Rückzug.

Kosten des Grexit

Während Unternehmen die Flucht aus Griechenland antreten, warnen Wirtschaftsforscher vor den Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion. Eine Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass die 42 wichtigsten Volkswirtschaften bis zum Jahr 2020 im schlimmsten Falle Wachstumseinbußen über 17.200 Milliarden Euro erleiden könnten. In diesem pessimistischen Szenario unterstellen die Studienautoren allerdings, dass ein Euro-Austritt Griechenlands die Länder Italien und Spanien auch in den Staatsbankrott führen könnte.

"Die internationale Staatengemeinschaft sollte daher einen Staatsbankrott und Euroaustritt Griechenlands verhindern, um die damit verbundenen möglichen Dominoeffekte zu vermeiden", schreiben die Autoren. Isoliert betrachtet, wäre eine Pleite Griechenlands aber "für die Weltwirtschaft ökonomisch verkraftbar". (sulu, Reuters, DER STANDARD, 18.10.2012)

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