Wie die Evolution beißen lernte

  • Bereits die urzeitlichen Panzerfische hatten Zähne - hier ein Dunkleosteus. Eine virtuelle Kiefer-Sektion seines Verwandten Compagopiscis (unten) zeigt eine Zahnreihe und Wachstumslinien.
    foto: esben horn, 10tons

    Bereits die urzeitlichen Panzerfische hatten Zähne - hier ein Dunkleosteus. Eine virtuelle Kiefer-Sektion seines Verwandten Compagopiscis (unten) zeigt eine Zahnreihe und Wachstumslinien.

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    foto: martin rücklin, university of bristol

Das Geheimnis des Ursprungs der Zähne ist geklärt: Dreidimensionale Mikroskopbilder von Compagopiscis-Fossilien lieferten die Antwort

London - Im Lauf der Evolution sind die Zähne gemeinsam mit den Kiefern entstanden - oder zumindest kurz danach. Zu dieser Erkenntnis kommen Wissenschafter der Universität Bristol in Zusammenarbeit mit dem Natural History Museum London, des Paul-Scherrer-Instituts in Villigen und der Curtin University in Perth, nachdem sie mit einer speziellen Röntgentechnik die Fossilien eines urzeitlichen Panzerfischs durchleuchtet haben.

Die Forscher berichten im Fachjournal "Nature", dass der urzeitliche Fisch Compagopiscis bereits Zähne besessen habe. Ob es frühe Wirbeltiere mit Kiefern, aber ohne Zähne gegeben hat, war bisher umstritten. Viele Forscher glaubten, dass die Tiere ihre Beute mit kräftigen, scherenartigen Kiefern fingen.

Der Compagopiscis ist einer der frühesten Fische auf der Erde mit Kiefern. Mit sehr starkem Röntgenlicht wurden dreidimensionale Mikroskopbilder von versteinerten Compagopiscis aufgenommen und Aufbau und Entwicklung der Zähne und Kiefer sichtbar gemacht, inklusive Gewebe, Zellen und Wachstumslinien. "Dann haben wir Vergleiche mit der Embryonalentwicklung heutiger Wirbeltiere angestellt", erklärt Erstautor Martin Rücklin von der Universität Bristol. "So konnten wir zeigen, dass Panzerfische, zu denen der untersuchte Fisch gehört, Zähne hatten."

Diese Ergebnisse beenden die Debatte über den Ursprung der Zähne. Um die Fossilien zu untersuchen, bedurfte man Hilfsmittel aus der Physik. "Wir haben auf zerstörungsfreie Technologien gewartet", sagt Mitautorin Zerina Johanson vom Natural History Museum.

Die für die Untersuchung verwendete Röntgentechnik erlaubte, ein vollständiges digitales Abbild des Fossils anzufertigen, das detaillierte Einblicke in das Innere bietet, ohne das Fossil zu zerstören, erklärt Marco Stampanoni vom Paul-Scherrer-Institut in Villingen in der Schweiz. (sda, pum/DER STANDARD, 18. 10. 2012)

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