Ausgebrannt

Kommentar | Michael Völker, 17. Oktober 2012, 19:07

Die Regierung trägt die Fahnen ihrer bildungspolitischen Resignation vor sich her

Die Politik findet nicht den Mut und die Kraft, die Frage selbst zu beantworten: Ob Studiengebühren eingehoben werden können, dürfen oder sollen, das soll jetzt der Verfassungsgerichtshof entscheiden. Und dessen Präsident hat angedeutet, wie die Entscheidung ausfallen dürfte: So weit reicht die Autonomie der Universitäten dann doch nicht, das selbst bestimmen zu können.

Die Politik stellt sich tot und trifft von sich aus keine Entscheidung. Die ÖVP wäre für die Wiedereinführung von Studiengebühren, die SPÖ kann sich nicht festlegen: Ein Antrag der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller auf Einführung von Studiengebühren wurde parteiintern in eine Arbeitsgruppe verbannt. Eine Diskussion darüber hat bisher nicht stattgefunden. Parteichef und Kanzler Werner Faymann meidet die inhaltliche Auseinandersetzung: Ihm geht es nicht um Gerechtigkeit, auch die Lage der Universitäten und der Studierenden scheint ihn nicht sehr zu interessieren; ihm geht es nur darum, ob es taktisch schlau ist, ein Wahlversprechen der SPÖ aufzugeben.

Mit Gerechtigkeit haben Studiengebühren oder eben deren Nichteinhebung ohnedies nichts zu tun. An allen Ecken und Enden will die SPÖ die Reichen zur Kasse bitten, an den Universitäten hingegen bekommen die Kinder von Millionären, die Tochter des Großbauern, der Sohn des Unternehmers das Angebot gratis, gleich wie das Kind von Arbeitern.

Die ÖVP putzt sich ebenfalls ab. Sie hetzt die Universitäten in eine rechtlich völlig unklare Situation: Sollen sie doch auf eigene Faust Studiengebühren einheben. Allerdings tragen die Unis dann auch das Risiko, dass ihre Praxis als verfassungswidrig erkannt wird und sie die eingehobenen Gebühren zurückzahlen müssen. Das ist eine völlig unhaltbare Situation für die Universitäten genauso wie für die Studierenden.

Völlig unklar ist auch, ob der Bund den Universitäten finanziell beispringt, wenn der Verfassungsgerichtshof die Autonomie doch nicht so weit deutet und ihnen die individuelle Einhebung untersagt. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle lässt es offen, ob diese Einnahmen dann ersetzt werden oder nicht.

Das ist Unprofessionalität auf hohem Niveau. Eine solche Frage nicht zu entscheiden ist verantwortungslos. Keinerlei Vorkehrungen zu treffen ist dilettantisch. Das ist einer "Bildungspolitik" unwürdig, da können sich die Vertreter von Schwarz und Rot die Hand reichen. Es ist eine ausgesprochene Form der Geringschätzung, wenn man die Nöte der Hochschulen und der Menschen, die dort arbeiten und studieren, derart ignoriert.

Die Universitäten haben keine Planungssicherheit. Ausbaden müssen das die Studierenden, die schon jetzt unter schwer zumutbaren Bedingungen leiden. Da braucht niemand mehr auf ein internationales Uni-Ranking zu schielen; im Spitzenfeld können sich keine Unis halten, wenn sie derart von der Politik gegängelt und finanziell ausgehungert werden. Die Uni brennt nicht mehr, sie ist ausgebrannt.

Die Aussichten sind schlecht: Wenn der Verfassungsgerichtshof seine endgültige Entscheidung getroffen haben wird - und es ist absehbar, wie sie ausfallen wird -, stecken wir mitten im Wahlkampf. Die Politik wird diese Frage wieder nicht lösen. SPÖ und ÖVP haben sich die Resignation auf ihre bildungspolitischen Fahnen geschrieben; deutlicher lässt sich ihr Versagen nicht veranschaulichen. (Michael Völker,  DER STANDARD, 18.10.2012)

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@ Kinder von Millionären

schau schau, jetzt taucht die Sippenhaftung auch im Standard auf - sie scheint seit 1945 doch noch nicht ganz überwunden zu sein.

Die Völkersche Beobachtung übersieht nur, dass auch manche Kinder von Reichen selbstbestimmt leben wollen und nicht vom elterlichen Gängelband abhängig sein wollen.

Wenn schon, dann eine Art Bildungsabgabe für "Reiche" oder was ähnliches.

"... ihm geht es nur darum, ob es taktisch schlau ist, ein Wahlversprechen der SPÖ aufzugeben."

Das ist ja wohl das Faymann´sche Grundproblem:

- Null Vision
- Null echte Meinung
- Null echtes Programm

- 100% PR-, Medien- und Umfragegesteuert
- ein Fähnchen im Krone- und Heute- und PR-Wind

"...an den Universitäten hingegen bekommen die Kinder von Millionären, die Tochter des Großbauern, der Sohn des Unternehmers das Angebot gratis, gleich wie das Kind von Arbeitern."

das ist aber billiger populismus. denn daß wer ein kind reicher eltern ist, sagt noch lange nichts darüber aus, wie reich er/sie selber ist. wir reden hier von volljährigen erwachsenen - sie nach den einkommen der eltern zu behandeln, ist meiner meinung nach sippenhaftung. ich bin deswegen auch dafür, das elterneinkommen aus jeglichen stipendienberechnungen zu streichen, das hat dort nichts verloren. studierende, die vermögende eltern haben, von ihnen aber nicht unterstützt werden, schauen so durch die finger (und da kenn ich einige fälle in meinem umfeld).

nun, dann würde aber jeder student ein stipendium, wer hat schon ein grossartiges einkommen als student ?

NIcht das ich damit nicht etwas anfangen könnte aber das wäre die konsequenz.

cih wäre sowieso für ein BGE, dann könnte man im Staat gleich ein ganzen Ministerium plus alle AMS berater abschaffen.

"... die vermögende eltern haben, von ihnen aber nicht unterstützt werden"

Als Kind kann man bei der Auswahl seiner Eltern, nicht
vorsichtig genug sein.

Ich zB kam aus "gutem" Haus, dann jedoch kam's zum Streit mit den Eltern: Entweder Jusstudium oder Rauswurf, meinten diese. Also bin ich in eine WG, hab als Kellner Pizzakoch Kartenabreißer Barkeeper und Dergleichen gejobbt, und nebenbei studiert; von den Eltern gab's einen Anteil an der WG-Miete als Beitrag.

Stipendium? Konnte ich gar nicht erst beantragen, Eltern zu wohlhabend. Auf den Hinweis, dass diese nicht viel zahlen würden, kam die zynischeAntwort "Dann verklagens halt die Eltern". Leistungsstip? Hätte fast geklappt, aber dann musste ich doch Miete zahlen, also hackeln statt strebern.

Gottseidank hab ich den Abschluss gemacht, bevor die Bildungsvernichter Gehrer/Töchterle daher kamen.

So wie es formuliert ist, ist es billiger Populismus.

Der wahre Kern ist aber, dass unser Bildungssystem insgesamt sozial nicht durchlässig ist und den angeborenen sozioökonomischen Status in hohem Ausmaß - und zwar weit höher als in Ländern ohne freiem Universitätszugang - vererbt.
Das ist empirisch belegt und nicht weg zu diskutieren, nur - und da hat Völker recht - schalten alle Beteiligten beim Bildungsthema ihr Hirn aus. Die beiden Parteien vertreten nicht zielführende Fundamentalpositionen und selbst die ÖH argumentiert auf niedrigem, umso ideologischerem Niveau.

Ich würde diese "Vererbung" aber nicht der sozialen Undurchlässigkeit zuschreiben (schon gar nicht dem freien Hochschulzugang), sondern eher dem Umstand, dass höhere Bildung in Österreich kein Wert ist. "Die Studenten" sind doch im Arbeiterhaushalt eher ein Feindbild.

"Die Regierung trägt die Fahnen ihrer bildungspolitischen Resignation vor sich her"

Was soll denn dieser bescheuerte Ausdruck

Nicht verstanden?

Die große Koalition ist die beste Regierungsform für die aktuelle Lage...

... aber die Politiker versagen!

http://bit.ly/RG97PV

Wenn wir einen Windelbomber als Kanzler haben, ..

.. na dann schaut es eben so aus!

Ist "Windelbomber" sowas wie "Hump"?

Was war doch das Hauptargument für die 5 Jahre Legislaturperiode? Damit die arbeiten können?

Damit die Wähler nicht so oft hineinpfuschen können. Geh schleichts euch!

Wir haben halt drei bildungsfeindliche Parteien:

Die SPÖ hat zwar eine Firnberg hervor gebracht, aber danach ihre Bildungspolitik und die Studierenden verraten, den VSStÖ systematisch verarscht, und hat offenbar angesichts der Dummheit und Bildungsfeindlichkeit der Hackler aufgegeben.

Die ÖVP war schon damals, als sie noch Bildungsbürger hatte, für Studiengebühren und gegen Proleten an der Uni ... aber seit die Schüssel-Rechtsextremen-Allianz die Studierten vertrieben und zu den Grünen gejagt haben, ist Bildung dort ein Ressort für Häkeltanten.

Die FPÖ forderte seit den Firnberg-60ern die Abschaffung der ÖH, die Einführung von Studiengebühren, usw: Uni soll elitär sein, für Wangennarben und sonst niemanden.

Bildungspolitik in Österreich = Heranzüchten der nächsten Generation von FPÖ-Wählern.

Wir werden uns noch alle anschauen, wenn in 10, 15 Jahren keine gut ausgebildeten Leute mehr verfügbar sind. Aber Pensionist Faymann wird dann dem Sonnenuntergang entgegenlächeln und Spindelegger sitzt als Aufsichtsratsvorsitzender bei der Raiffeisen. Beide werden dann "damals" ihr bestes getan haben, wenn sie in nostalgischen ORF-Interviews befragt werden.

keien gut ausgebildeten

Was uns abgeht / abgehen wird sind Akademiker!
Nicht "gut ausgebildete" Personen - die haben wir auch jetzt schon und daran herrscht kein Mangel (mehr und besser geht natürlich immer), dank HAK, HTL & Co.
Was Österreicht schon länger fehlt, sind akademische (Bildung) u,v, Wissenschaft & Forschung - da sind wir (bis auf Ausnahmen) recht schwach und es ist keien Besserung in Sicht.

Es wäre ein Leichtes, die Unis auszufinanzieren. Es fehlt nur d. politische Wille. Und es geht um Ideologie.

1. St-Gebühren wurden von Schwarz-Blau eingeführt.
Seit Gusenbauers Wahlversprechen gibt es Debatte. Dabei geht es weniger um die Finanzierung, sondern um politische Kleingeld (ÖVP versus SPÖ).

2. Es gibt ohnehin ST-Gebühren. Nur halt mit vielen Ausnahmen.

3. ST-Gebühren von derzt. € 360,-/Semester wären gerade mal 2,5% d. gesamten Uni-Budgets. In absoluten Zahlen: ca. 200 Mio. von 7,8 Mrd. Da stellt sich schon die Frage der Relationen (Punkt 4.)

4. Pensionen: Für 13% der Pensionisten (Beamte) gibt der Staat 36% des ges. Pensionsbudgets (18,6 Mrd.) aus. Allein diese Disparität kostet rund 5 Mrd. oder rund 2 Drittel d. aktuellen Uni-Budgets.

Forderung: z.B. Solidarbeitrag v. Luxuspensionen hin zu den Unis. Und Schluss d. Debatte.

Was macht der Chef einer Firma......

...mit einem Direktorium, das so arbeitet? ........Eben.

Und was macht der

Aufsichtsrat (=das österreichische volk) einer Firma mit so einem Chef?
genau, mit trockenen windeln zu tür hinaus watschen!

Ein Staat, ein Gemeinwesen IST keine Firma!

Eben genau das ist der Kern des Irrsinns! Dass alle Welt heutzutage glaubt, man kömne alles wie eine Firma führen. Und wenn auch, wieviele Firmen gehen trotz guter und plausibler Führung den Bach hinunter. Genau dieses enge, neurotische Erbsenzählerniveau treibt Gesellschaften so lange vor sich her, bis sie nicht mehr können und zu Firmen retardieren. Nicht alles, das sich rechnet, rechnet sich a la longue.

Sie meinen also....

..es sei das ausschließliche Privileg der Politik -

-jedes Jahr auf Kosten der Nachkommenschaft neue Schulden zu machen
-den Bürger - den Eigentümer des ganzen Ladens - schamlos zu belügen und zu betrügen;
-völlig unqualifizierte Laienspieler an die Spitze des Gemeinwesen zu stellen
-die wichtigsten Aufgaben, für die diese PfuscherInnen gewählt wurden, an das Volk zurück zu delegieren bzw. an die Gerichte abzuschieben;
- sich auf die Aufarbeitung begangene Pfuschs zu konzentrieren anstatt neuen zu verhindern?

Dann haben Sie mit Ihrem Posting recht. Da bleib ich wirklich lieber bei meiner Firma.

guten tag, warum heuern sie nicht beim stronach an? er ist doch noch auf der suche nach "köpfen" und ihre meinungen sind manchmal deckungsgleich mit seinen..

.....das tue ich sicher nicht....

...denn erstens habe ich meinen ganz eigenen Kopf, und zweitens decken sich manche meiner Meinungen mit einigen in der SPÖ, andere in der ÖVP, wieder einige wenige mit jenen der FPÖ - deswegen werde ich nicht überall dort "anheuern". Und drittens, Hochverehrter, habe ich es überhaupt nicht notwendig irgendwo anzuheuern: Ich bin mein eigener Kapitän. No soy marinheiro, soy capitan. Das gibts in dieser Gesellschaft von Jammeranten und Winslern nämlich auch noch. http://www.youtube.com/watch?v=T_SS-TyXhhU

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