Fehlender Gurt als Todesfalle

  • Nicht jeder erkennt den Sicherheitsgurt als potenziell lebensrettende Vorrichtung.
    foto: apa/hans klaus techt

    Nicht jeder erkennt den Sicherheitsgurt als potenziell lebensrettende Vorrichtung.

Jedes siebente Autobahn-Unfallopfer nicht angeschnallt

Landshut am Lech / Wien - Selbst wenn man weiß, dass das orange Auto gleich gegen den Mast knallt, und man förmlich auf den Aufprall wartet, lässt der Krach den Puls hochschnellen. Dabei hätte das Fahrzeug noch weit schneller unterwegs sein können als mit 70 km/h - wie bei der Versuchssituation in der Halle des deutschen Autofahrerclubs ADAC angenommen wurde. Der STANDARD war gemeinsam mit dem ÖAMTC beim Crashtest, der zeigte, was passiert, wenn beim frontalen Aufprall auf ein Hindernis ein Insasse hinter dem Fahrer nicht angeschnallt ist.

Nach Auswertung der Daten aus den verkabelten Dummies ist klar: Der Gurtmuffel hätte den Unfall nicht überlebt. Und auch die Fahrerin nicht. Der nicht angeschnallte Passagier von der Rückbank drückt nämlich mit den Knien den Fahrersitz samt Lenkerin nach vorn, die Köpfe prallen gegeneinander, und der Fahrer-Airbag platzt unter dem enormen Druck.

Jedes siebente Todesopfer nicht angeschnallt

Der ÖAMTC fordert nun, dass vor allem junge Lenker entsprechend auf die Einhaltung der Gurtpflicht sensibilisiert werden sollen. Die Asfinag gab am Mittwoch bekannt, dass im heurigen Jahr bereits 55 Menschen auf Österreichs Autobahnen oder Schnellstraßen ums Leben gekommen sind (im gesamten Jahr 2011 waren es 59 Menschen). Von diesen in diesem Jahr tödlich verunglückten Personen waren laut Asfinag acht nicht angegurtet - das ist jedes siebente Todesopfer.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) macht sich für höhere Strafen für Gurtmuffel (vorrangig Männer) und die Aufnahme der Missachtung der Gurtpflicht in den Katalog der Vormerkdelikte stark. Laut KFV gäbe es in Österreich pro Jahr 80 Verkehrstote weniger, wenn jeder Fahrzeuginsasse stets angeschnallt wäre. Derzeit liege die Quote bei 88 Prozent. In Deutschland seien es fast 100 Prozent. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 18.10.2012)

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